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Full text of "Über die Quellengemeinschaft des mittelanglischen Gedichtes Seege oder batayle of Troye"

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ÜBER DIE 
QUELLENGEMEI 
NSCHAFT DES 

MITTELANG LI SC 

HEN... 

Emil Theodor Granz, Konrad 

(von Würzburg) 



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3 6105 218 088 826 





Über die * s ^{ w }f E R $ \ 

Quellengemeinschaft"" 

des mittelenglischen Gedichtes 

Seege oder Batayle of Troye 

und des mittelhochdeutschen Gedichtes 

vom trojanischen Kriege 



des 



Konrad von Würzburg. 



Inaugural -Dissertation 

zur 

Erlangung der philosophischen Doktorwürde 

an der 

Universität Leipzig 

vorgelegt 
von 

Emil Theodor Grranz. 



-O <*>&<I9 ♦- 



Reudnitz-Leipzig. 

Druck von Max Hoffmann. 
1888. 



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Inhalt. 



Bett«. 

Einleitung 1 — 8 

L 

Verhältnis des me. Gedichtes Seege oder Batayle of 
Troyo zum Roman de Troie des Benott de Sainte - 
More . , , , , , , , , , , , , , , 9—61 

IL 

Verhältnis des me. Gedichtes Seege oder Batayle of 
Troyc zum mhd. Gedichte vom trojanischen Kriege 
des Konrad von Würzburg hinsichtlich der Ab- 
weichungen und Zusätze, welche beide Gedichte 
im Vergleiche mit dem altfranzösischen Troja - 
romane des B^noit aufweisen ....... 62 — 86 

Schluss 86—88 



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727153 



Inhalt. 



Einleitung 



Seite. 

1—8 



L 



Verhältnis des me. Gedichtes Secge oder Batayle of 
Troye zum Roman de Troie des Benoit de Sainte - 



Verhältnis des me. Gedichtes Seege oder Batayle of 
Troye zum mhd. Gedichte vom trojanischen Kriege 
des Konrad von Würzburg hinsichtlich der Ab- 
weichungen und Zusätze, welche beide Gedichte 
im Vergleiche mit dem altfranzösischen Troja - 
romane des Benott aufweisen ...... 62 — 86 



More 



9—61 



IL 



Schlu ss 



86—88 



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Die Hauptquelle für Konrads Gedicht vom trojanischen 
Kriege *) ist bekanntlich der altfranzösische Trojaroman des 
Benoft de Ste. More.*) Daher deutet der Titel vorliegender 
Schrift zunächst an, dass wir Zietsch 8 ) nicht beistimmen, der 
das oben näher bezeichnete mittelenglische Gedicht mit Ent- 
schiedenheit eine Bearbeitung der historia de excidio Troiae 
des Dares Phrygius 4 ) genannt hat. Schon Greif 5 ) erachtete 
Zietsch's Behauptung für unhaltbar und stellte daher eine Un- 
tersuchung über das Verhältnis des me. Gedichtes zu B.'s 
Trojaroman an. Das Ergebnis seiner Forschung war folgendes : 
„Der Verfasser des me. Gedichtes benutzte im wesentlichen 
unseren*) Dares, .... ausserdem, besonders zu Anfang, den 
altfrz. Roman de Troie von B." Greif hat folgende Über- 
einstimmungen zwischen dem me. und dem altfrz. Gedichte 
entdeckt : 



B. VV. 114—16 



L (= Lincoln's Inn MS.) I 
H (=Harl. MS.) JVV. 17—18 

L, H. VV. 26-30 = B. VV. 715—21 

„ „ VV. 31—32 = B. VV. 801—2 

H. V. 62 = B. V. 967 

L. VV. 83—4, H. W. 73—4 = B. VV. 971—2 

L. VV. 325—6, H. W. 285—6 = B. VV. 3183—4 

L. VV. 467—8 = B. VV. 3849—50 

L. VV. 473—4 = B. VV. 3853. 



*) Herausgegeben von A. v. Keller, 1868. 

2 ) Herausgeg. v. A. Joly, 2 Bde., Paris 1870. 

"j A. Zietsch, über Quelle und Sprache des me. Gedichtes Seege 
oder Batayle of Troye, Göttinger D. D., Kassel 1883; s. 8. 6; ferner 
Herrigs Archiv, 72. Bd., S. 12 u. ff., der von Dr. Zietsch besorgte 
Textabdruck der „zwei me. Bearbeitungen der hist. etc. des Phrygiers 
Dares' nach Harl. 525 und Lincoln's Inn 150; über die dritte Hs. 
vergl. Kolbings Englische Studien, VII. Bd. S. 193, wo Kölbing die 
Hs. des Duke of Sutherland beschreibt: „The bateil of Troye, voll- 
ständig auf fol. lll b — 134*. Die zweite hälfte der seite ist mit schreib- 
proben und Schmierereien gefüllt. Die rtickseite des blattes ist leer 
gelassen." Die von Kölbing daselbst angekündigte Herausgabe des 
Gedichtes nach dieser Hs. ist bis jetzt noch nicht erfolgt. 

4 ) ed. F. Meister, Lipsiae, 1873. 

5 ) W. Greif, die mittelalterlichen Bearbeitungen der Trojaner- 
sage u. s. w., Bd. LXI von Stengels Ausgaben und Abhandlungen 
u. s. w., Marburg 1886; s. SS. 158—63. 

*) Im Gegensatz zu der Vermutung, dass es im MA. einen länge- 
ren Dares gegeben habe. 

1 



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I 



2 



L hat 1988, H 1922 Verse, so dass Greif für beinahe den 
vierten Ted des me. Gedichtes die Vorlage des altfranzösischen 
Trojaromans von B wahrscheinlich gemacht hat. Zwar waren 
auch Zietsch») manche der ron Greif angedeuteten Überein- 
stimmungen des me. mit dem altfrz. Gedichte aufgefallen. Er 
erklärte sie aber aus der Benutzung derselben lateinischen 
Quelle von Seiten des me. und des altfrz. Dichters und sprach 
ihnen darum jede Beweiskraft für die Benutzung des altfrz 
Trojaronmns durch den me. Dichter ab. Die Hinfälligkeit von 
Zietschs Behauptung, dass die Kürze des me. Gedichtes gegen 
die Vorlage des altfrz. Trojaromans 8 preche , ist bereit! fon 
Greif dargelegt worden. Wir geben jedoch zu dass die eben 
angedeutete Eigenschaft des ml Gedichte«, des en Zutückth 

Tnler halZ 6 - 7*1 ^ erschwert - »* 

TS « A 4 an , dre Ansicl,t Zietsc H wonach wir uns 

sien oeide üss. des me. Gedichtes — L. V 20 H V i « 
als eine Übersetzung des Dares bezeichneten , während das 
Zugeständnis einer franzosischen Vorlage durch die Hs H. v! 

LteütTüfde W fc f r nde - ™ der Hs. L nicht 

STaTf der T W ' r - i bCr ZietSch6 ) an - dass die 
beide auf^u Z m ™ ht Vorla S e hat > 

uat dr:L7urcrdrHr H e bf! isches - ? riginai 

durch die Hs I „TL- ' S . 6r """krgegeben wird, als 

der Hs H. aU ch in dtrT l" V^n- dass V ' 1522 
Beinen uns doch £ ^dZ" V^e Z Ter" Hs Ä 
eine gereimte jedenfalls französische <^£J££ * 
V. 198. peo romaunce me doj, to undurstande; 

zweif l 621 = As we * nden in iymei 

ST^n^Ä 0 ^ ******** Vor- 
muss uns von votnLi A J nnahme einer altfrz - Verlage 
die meisten ep sch en D,ch i ,<>n 1 S^nnen,iL 
Quellen zugehen ÄTT der , me D Pe " ode auf altfrz. 
anlangt, so ist dieseih/^ v d ' e Bernfun & auf Dares 

hier Jaran erinnert 1/^^- n f * -« 

destruetionis Troiae nirgends B's R„™ "T ' ] J" l"™ hist0ria 
quelle war, eenannt tl ir ,• , ßomaa » der doch seine Haupt- 

hat, den « ^r wen'ig'L^ £ ft* ^ ""T,^ 

9 daselbst s. S. 4. 

') s. Greif, SS. 58-62. 

dagegen 8 'Gfeif B s rt 62. GuW ° C ° lmnna ' Lei P zi ^ D. D. 1877; S. 18; 



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3 



Eine andere Angabe über die Quelle des me. Gedichtes 
finden wir noch in der Hs. H. V. 1701: As bokes of gramer 
berith witnesse. Wir können sie in Bezug auf das ihr Voran- 
gehende und Folgende nur als eine leere Phrase betrachten. 

Wäre die von Zietsch aufgestellte Behauptung, dass der 
me. Dichter B.'s Roman nicht gekannt habe, richtig, so ge- 
hörte unser me. Dichter nicht zu den unbedeutenden. Denn 
aus Dares konnte er sich wenig holen. Dort fand er nur ein 
Verzeichnis von Thatsachen und ein Heer von Namen. Die 
Schilderung, insbesondere die Schlachtengemälde, musste er 
selbst liefern. Greif hat zuerst, wenn auch nur z. T. , das 
Ansehen des me. Dichters erschüttert. Denn wenn er nur für 
den vierten Teil des me. Gedichtes den Einfluss B's entdecken 
konnte, so musste er dem Dichter noch ein grosses Mass von 
Selbständigkeit zuerkennen. Liess er ihm doch das Wichtigste, 
nämlich die Schlachtgemälde, die Darstellung der langjährigen 
Kämpfe vor Troja ! Wir haben es daher für zweckmässig er- 
achtet, nochmals eine Untersuchung über das Verhältnis des 
me. Gedichtes zur Darstellung B.'s anzustellen, um zu be- 
weisen, dass das ganze me. Gedicht aus dem Trojaromane B.'s 
hervorgegangen ist. Die Lösung dieser Aufgabe wird im 
ersten Teile dieser Abhandlung gegeben werden. 

Da nun der Anschluss Konrads an B.'s Darstellung be- 
reits erwiesen ist, so werden wir im zweiten Teile unsrer Ab- 
handlung die dem me. und dem mhd. Gedichte gemeinsamen 
Abweichungen von B.'s Darstellung und die ihnen gemein- 
samen Zusätze einer eingehenden Betrachtung unterwerfen, um 
zu erörtern, ob jene gemeinschaftlichen Abweichungen und 
Zusätze auf Rechnung der Übersetzer B.'s gesetzt werden 
müssen oder in einer dem me. und dem mhd. Dichter vor- 
liegenden Fassung des Trojaromans von B. schon vorhanden 
gewesen sind. Wir werden also die Frage zu beantworten 
haben, ob es eine im Sinne Konrads und des me. Dichters 
erweiternde Bearbeitung des altfrz. Trojaromans von B. ge- 
geben hat. Diese Frage haben Cholevius 0 ) und Dunger, 10 ) 
welche allerdings auf die Kenntnis des konradischen Gedich- 
tes beschränkt waren, verneint. Sie fanden hinsichtlich der 
Zusätze Konrads Anschluss an die antiken Vorlagen — Ovid, 
Statius — zu eng, um eine vermittelnde französische Vorlage 
annehmen zu können. Selbst der bescheidene Einwurf, dass 
Konrad durch einen spärlich interpolierten Trojaroman des B. 
wenigstens die Anregung zur Einführung neuer Episoden em- 

9 ) C. L. Cholevius , Geschichte der deutschen Poesie nach ihren 
antiken Elementen, 1. T., Leipzig 1854; s.S. 143 u. f. 

10 ) Dunger , die Sage vom trojanischen Kriege i. d. Bearbeitungen 
des Ma. , Dresden 1869 ; s. S. 57. 

1 # 



4 



pfangen haben könne, ist unnötig, nachdem Dunger geltend 
gemacht hat, dass K. jene Anregung ebensogut durch des 
Statius Achilleis erhalten konnte, wo der Traum der Hecuba 
— I, 22, die Hochzeit des Peleus und der Thetis — II, 342, 
das Parisurteil — II, 386 — angedeutet und die Weissagung 
des Proteus über den Tod des Achilles — I, 25 — 36, so- 
wie die ganze Jugendgeschichte des Achilles einschliesslich des 
Berichtes über die List des Ulixes am Hofe des Lycomedes 
mitgeteilt werden. Gleichwohl sprach nach Dunger Meister 11 ) 
die Ansicht aus, dass Konrad ausser B.'s Roman noch eine 
andere französische Vorlage zur Hand gehabt habe. Leider 
hat er seine Behauptung durch keine Beweisgründe gestützt. 
Letztere waren vielleicht dieselben, welche neuerdings Greif 12 ) 
veranlassten , für die Beschreibung der Hochzeit des Peleus 
und der Thetis, des Traumes der Hecuba, der Jugendgeschichte 
des Paris und des Parisurteiles eine mittelalterliche lateinische 
Quelle zu vermuten. Eine erweiternde Bearbeitung des alt- 
französischen Trojaromans von B. , wie wir sie als Quelle des 
mhd. und des me. Gedichtes annehmen wollen, ist allerdings 
bis zu dieser Stunde nicht bekannt. Dass es eine solche ge- 
geben hat, ist keineswegs unmöglich. Hierfür spricht die Ge- 
stalt der Hs. G 13 ) des Trojaromans von B. Der Schreiber 
derselben, ein gewisser Jehans Malkaraume, hat zunächst in 
der Absicht, sich die Verfasserschaft des berühmten Werkes 
zuzueignen, überall B.'s Namen durch den seinigen ersetzt. 
Von den mehr als 700 Versen der Einleitung des Originals 
behält er nur 50 bei. Er schliesst mit dem Berichte des 
Todes der Polyxena und Hecuba, also mit V. 26,484 des 
Originals*), das bekanntlich 30,108 Verse zählt. Wie Malka- 
raume im Übrigen mit dem Originale verfahren ist, darüber 
bemerkt Joly : il continue k rayer tantot quelques vers , tantöt 
des passages entiers, et juspu' k des centaines de vers k la 
fois . . . abrege les descriptions et les discours . . . Parfois il 
eprouve le besoin de completer son auteur cn intercalant . . . 
des morceaux de sa composition, ou il fait preuve de lectures. 
So schiebt M. nach V. 3966 des Originals eine längere Rede 
der Hecuba ein und erzahlt im Anschluss an Ovids Her. XVI 
und V den Traum der Hecuba und eine Episode aus der 



") s o praefatio XXXV: Contra quod ex accurata comparatione 
npparet Iteiieriictuin aecutus est, in multis tarnen sine dubio alium 
foiitem Frnucnfrollicum , non quidem Malkaraumium , quocum in qui- 
busdam consentit. 

1S ) s. o SS. 94—103. 

IS ) s. Joly, 2. Bd. 8. 405 u. ff. 

*) Die Mitteilung hiervon wurde mir durch die Güte des Herrn 
Dr. Grimberg, damals in Paris. 



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5 



Jugendgeschichte des Paris. 14 ) Weitere 29 Verse 15 ) schaltet 
er nach V. 22,519 ein, um seine Kenntnis der Achilleis des 
Statius zu zeigen. Freilich war diese Kenntnis eine sehr un- 
sichere. Denn M. bringt die List des Ulixes mit Neoptolemus, 
dem Sohne des Achilles, in Verbindung. Die Interpolationen 
des Malkaraume werden uns im zweiten Teile der Abhandlung 
nochmals beschäftigen. Doch wollen wir gleich hier bemerken, 
dass die Hs. G des Trojaromans von B. nicht die Quelle ist, 
welche wir suchen. 16 ) 

Wir werden im Verlaufe unserer Untersuchung haupt- 
sächlich von der Hs. H. des me. Gedichtes ausgehen , weil 
diese nach Zietsch sowohl der ursprünglichen Fassung näher 
steht, als auch, wie wir sehen werden, für unsre Zwecke 
mehr geeignet ist, als die Hs. L. Wünschenswert wäre natür- 
lich die Kenntnis der dritten Hs. gewesen. Nach Kolbings 
Mitteilungen 3 ) scheint diese Hs. die kürzeste von den dreien 
zu sein. Die Hs. H. ist von uns eingesehen worden. Das 
Wenige, worin wir mit Zietsch hinsichtlich des Textes nicht 
übereinstimmen , wird den Anmerkungen zugewiesen werden. 
Zietsch hat nicht darauf aufmerksam gemacht, dass die Hs. H. 
das Gedicht in 24 Abschnitte teilt und den Beginn eines jeden 
durch eine mit schwarzen und roten Linien verzierte Initiale 
anzeigt. Diese Einteilung ist zum grossen Teil berechtigt, 
wie wir im Folgenden kurz andeuten werden. Einer aus- 
führlichen Inhaltsangabe glaubten wir nach dem Vorausgange 
der Arbeiten von Zietsch und Greif, sowie besonders aus dem 
Grunde überhoben zu sein , weil wir im Verlaufe unserer 
Quellenuntersuchung den Inhalt des Gedichtes zur Genüge 
kennen lernen werden. 

Abschnitt I — VV. 1—20 — Einleitung: Es wird auf den 
Gegenstand des Gedichtes hingewiesen, als Quelle des Dares 
Historia genannt. 

Abschnitt II 17 ) — W. 21 — 62: Jason begiebt sich mit 
Hercules auf Anraten des Pelias nach dem trojanischen Gestade, 
um das goldne Vliess zu gewinnen. 

Abschnitt III 17 ) — VV. 63 — 120: Die Griechen räumen 
auf Befehl des Königs Laomedon das trojanische Gebiet und 
rufen ihre Landsleute zur Rache gegen die Trojaner auf. Eine 
griechische Kriegsflotte landet alsbald vor Troja. 



u ) Mitgeteilt bei Joly, 1. Bd., 2. T., S. 13. 

lft ) s. Joly, 1. Bd. 2 T., S. 408 u. f.; eine weitere umfangreiche 
Interpolation, welche für uns jedoch gänzlich wertlos ist, ist abge- 
druckt auf S. 403. 

10 ) s. Anm. 11; über den Anschluss Greifs, s. Greif, S. 94. 



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6 



Male^rf 1™ ~ U: ™ d ™» ersten 

entfnhrt ' La ° med ° n ^ S*"* Seine T °<*<er Hesionä 

Abschnitt V — W. 185—238 — umfW 11 .U iri 
des Priamns, Laomedons Sohnes der wahrs t l ? K 'T 
in der Provinz weilte, über L TTnÄ * K T ata8t >-»phe 
2) den Tranm der MecuU i nnd ^l^SLSJ^T^ 

Abschnitt VI — W 239 Ju e e " d £.esc<iichte des Paris. 

Ü£Ä de8Sen FÜhn,n « Hekt - eignen wlM 

die iS^T^^lS 6 ' J-Wnsprncht die 
Streites mf den geS Apfel ^ ^ ol * e / ei ;..f^eheidnng des 
der Venns hoffen darf rf P •>, ^ J Jnt !5 8tuteua g- von Seiten 
des FeldzL« v , ü • uberträ gt Warans die Führnne 

aä vit- vT,* 0 ri n n 7 o öhne • 

660 - berichten über dW Erfolg7d e£ pTris^- ^ 1 "i* 
fiihrnng der Helena gipfeln. * ^ m der Ent - 

Abschnitt X - VV. 661-812: Zum Zwecke der 

Abschnitt XI — VV «n r> r» • J-roja. 

die Heransgabe der Hele"',^* t" 1 » <^ 

Abschnitt XH - VV 869 m «' f "1 der Kam P f - 
2., 3. nnd 4. Krienial h! 6 ~ berichtet über das 

f -txrieg-sjaür: Jtlektor und Pari« 0 ; n A j- rr 

beiden. Jener erschlägt Protesilans ZZ HaUpt ' 
Patroclus — Padradod P„ . mem&m ~ Portuslay 18 ) — un d 

~ ^S 3 \j:z:t^: M r ei r J und 

zweck der kommenden Schill? ^ e ff rate * l * den Haupt- 
Palamedes-Palmyaes _ enlt / ernichta "? Hektors. 
Achilles besiegt werden könne ^ ' *" nnr VOn 

Abschnitt XIII 1 7 ) VV ini7 ***** 

in Kürze die persönl chen S j f ' Nachd emPaIamedes 
hat gehen gnihisch ^ bdeUChtet 
Achilles herbeizuholen. ° mge L y co ™des , um 

Abschnitt XIV — VV 1197 10m „ , 
^cchisehen Lager angekomm^^ Äm^ 

Zietsc^nio'hr^I^ 6968 AU ° haitt °° wird i. d. Textausgabe von 
") Nicht: Portuflay, wie Zietsch annimmt. 



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I 

7 



aufgenommen. Hektor bleibt infolge des ahnungsvollen Traumes 
seiner Gattin und auf Befehl seines Vaters zu Hause. Achilles 
verrichtet Wunder der Tapferkeit. Die Griechen fliehen. 

Abschnitt XV — W. 1211—68: Hektor stürzt sich nun- 
mehr in die Schlacht. Der gewaltige Zweikampf zwischen ihm 
und Achilles bleibt an diesem Tage unentschieden. 

Abschnitt XVI — VV. 1269 — 1324: 19 ) Hektor hat den 
Griechen Annys erschlagen und steigt vom Rosse, um jenem 
die prächtige Rüstung abzunehmen. Achilles überfallt und 
tötet ihn. Die Schlacht nimmt sofort ein Ende. Priamus be- 
klagt den Verlust seines Sohnes. 

Abschnitt XVH — VV. 1325—42: Polyxena weint einsam 
am Grabe des Bruders, welches sich ausserhalb der Festungs- 
mauer befindet. 

Abschnitt XVHI — VV. 1343 — 1420: Achilles verliebt 
sich in die Königstochter und wirbt durch einen Boten um 
ihre Hand. Priamus erklärt, den Wunsch des Achilles gewähren 
zu wollen, sobald Achilles sein Versprechen, ewigen Frieden 
herbeizuführen, thatsächlich eingelöst haben werde. In diesem 
Sinne verhandelt Achilles leider erfolglos mit Menelaus, bleibt 
deshalb dem Kampfe fern. 

Abschnitt XIX 17 ) — VV. 1421 — 58: Die Trojaner erringen 
unter der Führung des Paris und Troilus einen vollständigen 
Sieg über die Griechen, plündern das Lager und stecken die 
Schiffe in Brand. 

Abschnitt XX 17 ) — VV. 1450—1538: Neidisch auf den 
Ruhm des Troilus beteiligt sich Achilles wieder am Kampfe 
und tötet den Troilus. 

Abschnitt XXI 17 ) — VV. 1539—1602: Der Schmerz über 
den Verlusst ihrer Söhne bringt Hecuba auf den Gedanken, 
Achilles durch Verrat umzubringen. Sie lässt an ihn die 
Einladung ergehen, nach Troja zu kommen, damit er Polyxena 
zur Gattin erhalte. 

Abschnitt XXH 17u - 20 ) — W. 1603—69: Achilles kommt 
mit nur einem Begleiter in den Tempel. Als er hier nieder- 
kniet , verwundet ihn ein Trojaner an den Fusssohlen , der 
einzig verwundbaren Stelle seines Körpers — nach XHI und 
XXI. Die versammelten Ritter stürmen auf die beiden Griechen 
ein, die nach heldenmütiger Verteidigung tot zusammensinken. 
Paris misshandelt und schmäht den Leichnam des Achilles. 

Abschnitt XXIH — VV. 1670—1848: Der Kampf wird 
wieder eröffnet und mit gesteigerter Erbitterung geführt. Paris 

10 ) Zietsch nimmt schon nach V. 1304 den Beginn eines nenen 
Abschnittes an. 

17 u. 20 ) Die verzierte Initiale befindet sich i. d. Hs. erst inV. 

1604. 



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8 



und Ajax töten sich gegenseitig. Die Griechen ziehen einen 
engen Belagerungsring um die Stadt. Priamus fordert die 
Seinen auf, den Kampf mutig fortzusetzen. Antenor und 
Aeneas aher verraten die Stadt an die Feinde. Neoptolemus 
wird mit der Leitung des Überfalles betraut. 

Abschnitt XXIV — V. 1849 u. ff.: Troja wird, samt seinen 
Bewohnern von der Erde vertilgt. Die siegesfrohen Griechen 
kehren in die Heimat zurück. 

Schon aus vorstehendem Inhaltsverzeichnis wird ersichtlich 
geworden sein, dass durch die Einschiebung der Achillesepisode 
die Anlage des me. Gedichtes sich z. T. von derjenigen des 
Roman de Troie des B. entfernt hat. Dieser Umstand hat uns 
zuerst auf die innige Verwandtschaft des me. Gedichtes mit 
demjenigen Konrads von Würzburg aufmerksam gemacht. 

Wir können nunmehr mit der Lösung der uns gestellten 
Aufgabe beginnen. 



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I. Verhältnis des nie. Gedichtes Seege oder 
Batayle of Troye zum Roman de Troie des Benoit 

de Sainte-More. 

Schon in der Einleitung des me. Gedichtes bemerken wir 
Anklänge an B.'s Darstellung. 

B. V. 97: H. V. 7: 

Por co qu'ü si graut vit l'affaire, For soche a werre as it was 
Que aiuz ne puis ne fu nus maire. Neuer is uor neuer was. 

Des Dares Erzählung ist der Bericht eines Augenzeugen 
und ursprünglich griechisch geschrieben — 

B. V. 100: H. V. 16: 

En gregois en escrit i'estoire. In grew he wrot it eueri dele 

H. 15: 

Chascon jor issi l'escriveit He sawe J)e ende and j>e order 

Com il a ses ielz le vceit of hat batayle. 

Für VV. 17 — 32 ist der Anschluss an B.'s Darstellung 
bereits von Greif nachgewiesen worden. Dass aber Dares zu- 
gleich vorgelegen, geht aus H. V. 25 hervor, wo es von 
Pelias — Pellcs — heisst : he was kyng of Pelpeson , wie in der 
Hs. G des Dares: rex fuit in pelopenenso (sie!). B. erwähnt 
den Peloponnes nicht. Der me. Dichter aber hat, wie wir 
weiterhin sehen werden, gerade Dares G benutzt. 

Wie B. , so zeigt auch der me. Dichter grosse Vorliebe 
für die direkte Redeweise, und fast in allen Reden ist B.'s 
Einfluss leicht zu erkennen. Weniger ist nun dies der Fall 
hinsichtlich der Rede des Jason an seinen Neffen. Der Pelias 
des me. Gedichtes setzt nicht sein Reich zur Belohnung der 
kühnen That aus. Der me. Dichter kennt auch Colchis nicht. 

B. V. 823: H. V. 37: 

S'estoies si prouz ne si os, And wuldest{)Ouwith summe gyune 

Que tu la toison de Colcos, That wonder feil fromhim 21 ) wynne 

Qui est de fin or sans dotance, And bryng me that feil of gold, 
827: 

Po'issez por nul sen aveir. 

Se tu la toison puoz aveir, Thy whyle shuldbenewelliyold. 29 ) 

De mon regne te ferai eir. 

,l ) dem Könige Laomedon von Troja, 8. H. V. 34. 
«) Bei Zietsch fehlt i. 



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10 



Jason erklärt sich bereit, das goldne Vliess zu holen - 
" V " 873 : H. V. 42; 



La irrai gie . . . 
Molt volentiers, vez m'en tot prest. 

877; 

0 me s'en viendra la toisons, 
Ja n'iert si gard6 Ii moltons.' 



I wulle do j>at I kunne 88 ) 
Among {>e Troyeaunce I wolle 

gönne. 

And if I may ma nly and well 
Bryng I wull J> e gylden feil. 



seibethfa^^ Schiff Venia * 



B. V. 880: 
Mander et qnerre fet Argus. 

886: 

Pr6i6 Ii a et comande, 
C'une nef seit fete et hastee 
Fort et siglanz . . 

951: 

Garnir la fist Peleus Wen, 



H. V. 48: 
And clepeth Ms carpenters eueri 

chone 

And bad hem . . . 

A nobill shep for Jason tomake. 

H. V. 51 : 
And whanne pe shypp was redy 

wrought 
Sir Jasonne foryettet nought. 



Ne lor defailleit nul rien. 
Auserwählte Mannen begleiten Jason _ 

B. V. 925: „ 
Despl^p^etdesplnsvainan, . . . hardy 

geschieht ^ HerCU ' eS «~*. ™ bei Dares, I, nicht 

B. V. 957: _ 
Ensemble o eis vait Ercnles * , A Y ' 65 : 

Günstige Winde be ehlP. ■ ^ him 8ir ErClÜe8 ' 

B V 961 ChleUm ^ en lhre Meerfahrt - 

La veile ont fete el masc drescier, Arerith Jf* ^ 



gyneth gönne. 

Oner fye se the wynde hem dryves 
Andatt the havon of Troye aryves. 



963: 

Dono comencierent ä sigler 
A haltes veilles par la mer. 
967: 

Arriverent as porz de Troie.^) 

Wiederholung i n VV. 113~u. 

Laomedon lässt di« P rom jr 
weisen - 16 * rem <^ge aus seinem Reiehe aus- 

B. V. 989: 

Li reis de Troie Laomedon - Thp h 63: 

1001: The k W of Troye Sir Lamatan 



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11 



990: 

A oi dire que . . . 

994: 

. . de Grece des pluz esliz 
Sont de lor tere ca venu. 



He herd teile that 



men of Greke beth 
In to bis lond com and J>er in 

entretb. 

Die Griechen sollen bei Gefahr ihres Lehens das Land 
sofort verlassen — 

B. V. 1039: H. V. 71: 

Issiez vos en grant aleure, He bad hem thens swythe gone 

Ainz qu'il vous face altre ledure. 
1043: 

Ne porreiz pnis nn sol bailler Or hey schuld dye euericbon. 
Que tot nel fist detrenchier. 

Die Schilderung des Eindruckes, welchen Laomedons Be- 
scheid auf die Griechen hervorbringt, lehnt sich vorwiegend 
an Dares, II, an — 



Jason et qui cum eo venerant 
graviter tulerunt ... sie se 
ab eo tractari, 

cum nulla ab eis injuria facta esset. 



H. V. 73: 
Sir Ercules and Jason also 
In to J>at lond were comyn |)oo 24 ) 
Of J>e kyng tbey were sore agreved 
77: 

To be so rebuked of a kyng. 

H. V. 78: 
So as {>ey mysdeden nothyng. 



Gleichzeitig ist der Einfluss B's bemerkbar. So werden 
die Worte des Dares „graviter tulerunt" weiter ausgeführt — 
B. V. 1047: 



Jason . . 
Grant ire en ot 

et grant pesance. 

„Grand honte nus a fet Ii reis. 
1064: 

Damage . . 

Ne volions fere en sa terre." 
1113: 

Ni oserent plus remaneir. 
En lor nef entrerent . . . 
De la contree s'esloignierent. 



H. V. 76: 
. . of his wordes sore ashamed 
75: 

Of [>e kyng they were sore agreved 
77: 

To be so rebuked of a kyng. 

So as ]>ey mysdeden nothyng 
To dwell lenger it vaileth nought 



They turned her shep and cast 

r* t>w i abonght. 

Der me. Dichter kennt weder Colchis noch Medea. Letz- 
tere erwähnt auch Dares nicht. Die Heimfahrt der Griechen 
schildert aber der me. Dichter im Anschluss an B.'s Darstel- 
lung der Fahrt nach Colchis — 



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12 



B. V. 1120: H. V. 81: 

Tant ont tire" as avirons So long thei have her wey nome 
1123: 

Qu'il arriverent en Colcon Ayen to Grece they ben come. 

Daher wird die Gewinnung des goldnen Vliesses mit der 
ersten Zerstörung Trojas — H. V. 177 — zusammengebracht. 
Bis dahin lässt der me. Dichter den Jason ganz bei Seite. 
Dieser löst Hercules im Kampfe gegen Laomodon ab — H. 
V. 145 u. ff. Dio Leseart L des me. Gedichtes gedenkt im 
Berichte über die erste Zerstörung Trojas nicht des Jason. 
Hercules gewinnt das goldne Vlicss — L. V. 179. 

Sobald die Griechen in die Heimat zurückgekehrt sind, 
strengen sie sich an, einen Rachefeldzug gegen Troja zustande- 
zubringen. Während nach B. Hercules zu diesem Zwecke 
eine Rundreise in Griechenland unternehmen muss, findet er 
nach dem me. Dichter die hervorragendsten Fürsten an unge- 
nanntem Orte versammelt. So giebt es im me. Gedicht nur 
eine Rede und eine Gegenrede. Diese zeigt Anschluss an die 
Antwort des Castor und des Pollux bei B. ; jene entspricht der 
Rede des Hercules vor Telamonius. Der letzteren Sinn ist: 

Der Vorwurf der Feigheit muss die Griechen treffen, so- 
bald sie nicht gegen die Trojaner zu Felde ziehen — 

B. V. 2115: H. V. 86: 

Tote l'ovre Ii a retraite And seyd lordyns all thus atte ende 

Et la honte qui lor fu faite: The kyngofTroye thus ganvsshend 

2118: 91: 
„donc en venez And therfor helpith with socour 

A Troie, car nos i alons. 
2121: 

Molt par seroit let et destros, 

93: 

Se nos i alons sanz vos Or eis the Troyens . . . 

Molt iert honiz qui remaudra". Woll vs holde for losengers. 

Die Fürsten entgegnen, dass sie an Laomcdon Rache 
nehmen würden, wäre derselbe auch noch so mächtig. 

B. V. 2099: H . V. 98: 

Li ont promis qu'o lui iront And seyd they wold stoughtly, 

Among he Troyens coinen and gone 

2103: 

Bien puet estre Ii reis seurs Magre |)e kyng sir Lymadone 

Ja sie forz tors ne halz murs . . • and all his 

N ' aura • • • We well done that vs listis 

. . . qu'ä sa honte ne Ii vengent. 

Eine Kriegsflotte wird ausgerüstet — 



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13 



B. V. 2163: H. V. 107: 

AI port fet traire XV nea: Theydid (do orde)yn for hem seife 

De maa, de veiles, et de tres Good new sheppia twelfe 

Les appareillent et garniasent And stoffed hem well and eure 

Et de vitaille lea enpliasent. With vittayl and good armore 

Das Erscheinen der Griechen erfüllt die Trojaner mit 
Schrecken — 

B. V. 2368: H. V. 117: 

Qo lea a forment effreez. The Troyens were . . . 

. . , of her comyng evel afrayed 

Furchtbares Geschrei erhebt sich ausserhalb und inner- 
halb der Stadt — 

B. V. 2369: H. V. 118: 

Li criz lieve par lo pais. Thorow out the cite the 
2373: 

En la vile est Ii criz levez, crye arose 

Li plu8 seurs est effreez That eche man of hem afferd waa. 

Sobald Laomedon die Ankunft der Griechen erfahren hat, 
zieht er ihnen mit seinen Mannen entgegen — 

B. V. 2376: H. V. 121: 

Quant il oi't conter et dire, The kyng of Troye hathe vnder- 

takyn 

Que Ii Griu erent retorne, That folke o Grece bene icomyn 

Pol lui destruire et son regne, And thenke j)ey will besegen him 
Isnelement arme son cora, Him silf armith him aryght 

De la ville s'en issit fors And all his meyne well idyght 

0 tant de gent com il ot. . . . s ued £e kyDg ont of Town 

Das Gefecht beginnt sofort — 

B. V. 2389: H. V. 131: 

Et dea qu'il vindrent as eap6es, Sone J>ey be to geder mette 
Molt 8'entredonent grant coleea, There waa atrokes well isette 

134: 

La ot maint hialme decerclö, And mony krounea all to crake 

Et maint Chevalier decolpe Mony nobill men vnder aheld 

2388: 

. . maint abatu et ocia. Sone were alayn in hat feld. 

Das übrige Schlachtgemälde ist nun scheinbar völlig ab* 
weichend von dem B.'s. Diese Meinung wird besonders durch 
den Umstand begünstigt, dass — in Hs. H. — Jason wieder 
unter den Streitern erscheint. Der Anschluss an B. liegt dies- 
mal sehr versteckt. Um denselben aber aufzudecken, müssen 
wir die Darstellung des Zweikampfes zwischen Laomedon und 
Hercules einer eingehenden Betrachtung unterwerfen. Dieser 
Zweikampf setzt sich aus drei Hauptmomenten zusammen: 



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14 



1) Hercules wird von Laomedon aus dem Sattel geworfen 
— H. W. 139—44. 

2) Laomedon und Jason kämpfen mit einander. Nachdem 
sie ihre Speere verstochen haben , schreiten sie zum 
Schwertkampf — H. W. 145—53; nicht in L. 

* 3) Unterdessen ist Hercules, der jedenfalls durch die Feinde 
bedrängt wurde, durch 200 griechische Ritter befreit und 
zu Ross gebracht worden, sprengt mit gefällter Lanze 
gegen Laomedon , durchbohrt ihm den Leib — H. VV. 
154 — 65; nur z. T. in L. 

B. schickt seinem äusserst kurzen Berichte über den Zwei- 
kampf zwischen den beiden genannten Helden einen umso 
längeren über eine Reihe von Zweikämpfen voraus, den wir 
ebenfalls einer Prüfung unterziehen wollen. 

L Kampf zwischen Laomedon und Nestor — B. V. 2471 
u. ff. : Laomedon wird von Nestor aus dem Sattel geworfen. 
II. Kampf zwischen dem Trojaner Cedar, der seinem Könige 

zu Hülfe kommt, und Nestor — B. V. 2493 u. ff. 
III. Kampf zwischen Cedar und Castor — B. V. 2559 u. ff.: 

a. Castor eilt dem Nestor zu Hülfe und gerät unterwegs 
mit Cedars Freund Seguradan zusammen. 

b. Cedar sprengt zur Befreiung seines Freundes herbei, 
schleudert Castor aus dem Sattel und macht ihn zum 
Gefangenen. 

c. Pollux, 700 Ritter mit sich führend, befreit Castor, 
der dann wieder zu Ross steigt und am Kampfe 
teilnimmt. 

Hieraus folgt, dass es dem me. Dichter an Vorbildern 
in seiner französischen Vorlage nicht gefehlt hat. Man wird 
vielleicht schon bemerkt haben, dass er sie wirklich benutzt 
hat. Nur die Namen der Kämpfenden sind im me. Gedicht 
andere geworden. Der 1. und. 2. Zweikampf stehen aber in 
demselben Zusamenhange wie I. und H. bei B.: Hercules hat 
die Rolle des Laomedon, dieser die Rolle Nestors übernommen. 
Jason ist B.'s Cedar. Im Übrigen ist die Situation ganz 
dieselbe wie bei B. Ferner herrschen zwischen dem 1. und 
3. Zweikampf — den Kämpfen des Hercules mit Laomedon — 
dieselben Beziehungen wie zwischen den Kämpfen HIb. und 
HIc. bei B. 

Laomedon erhält jetzt die Rolle Cedars, Hercules ist B.'s 
Castor. Hercules wird wie Castor von seinen Landsleuten aus 
harter Bedrängnis errettet, Hercules setzt sich, wie Castor, 
wieder auf sein Ross. Es ist ganz natürlich , dass er nun mit 
gefällter Lanze auf seinen alten Gegner lossprengt und ihm 
den Todesstoss versetzt. B. sagt dies nicht von seinem Castor, 
aber es ist selbstverständlich. Es sei sogleich hier bemerkt, 



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15 

dass sich keine Gründe gegen die selbständige Umgestaltung 
der Darstellung B.'s durch den me. Dichter beibringeu lassen. 
Denn Konrad von Würzburg hat eine derartige Änderung nicht 
vorgenommen. Sie war demnach in der dem me. und dem 
mhd. Dichter vorliegenden Fassung des Romans von B. nicht 
vorhanden. 

Die Richtigkeit dessen, was wir oben über die Art und 
Weise der Umgestaltung der französischen Darstellung durch 
den me. Dichter gesagt haben, möge noch durch folgenden 
Textvergleich erhärtet werden. 

Laomedon gegen Nestor — Laomedon gegen Hercules: 
B. V. 2469: H. V. 129: 

Li reis le vit vers lui venir, The kyng with Ercules mette 

2472: 

Se vont granz cols entredoner And hard strokes on him sette 26 ) 
Cedar gegen Castor: 
B. V. 2564: 

De la lance trencha Ii fers, And with a laiince smote him f ere 

256 7 : l'a That out of his sadill he ganne hym 

— del cheval jus enversö. bere 

Laomedon — Hercules wird auf den Sand geworfen: 
B. V. 2485: H. V. 143: 

Puis l'a enpeiut par tel vertu, Sir Ercules for that dynt 
Que del cheval l'a abatu. Fille downe on {>e pament. 

Castor — Hercules befreit, steigt zu Ross: 
B. V. 2589: 
Mes Pollus l'ot tost secoru. 

2595: H. V. 154: 

Set cent Grezeis de graut valor There come of Grece to huudrid 

2596: kDyghty8 ' 
Lo sievent enpres eu l'estor. 
2604; 

par esforz. 15 5: 
Est Castor rescous et montez. And brought on hors sir Ercules. 

Der Kampf zwischen Hercules und Laomedon wird bei 
U. mit vier Versen abgethan. Hercules schlägt dem Laomedon 
das Haupt ab - s. B. VV. 2726-9. 

Die Griechen dringen hierauf in die Stadt ein, morden 

™Vi ai l T DaDn kehren sie in die Heimat z ^ück, wo sie 
glücklich ihr Leben beschliessen : 

M ) s. H. VV. 131-2; B. VV. 2389-90. 



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16 



B- V. 2766: 

Et d or et d'argent maint Bissel H - V - "9: 

g -«« riche drap de color, ' ^ token «».o, mi 

POrterent en 1„ contrt cloth 
s . . 2794: 
m parürent des porz de Trow 

»«Wrent et naeierent ^V" 6 Wat6r forth t>ey OTthe 

J« Grece repairferent « »uer ^ 

G-t J0.e en firen« Ior ftmi ' euer, man went to his Bome 

0„, • 2807: ftk ° ""»7 •»« *lew care 

Ebe„ so wird die zweite TT«.' , , '° ke how I> e y ma y »est fare 

den P Besses gelangen ist La . Jetzt m de « Besitz 

- D £r ir,^ 6 ^ ttÄ e r hnt ™- 

aus dem v' nach HereuJes die w. • ' den Irrtu m des 
dem Verständnis der ^.5?*? m * »ich führt,") 

en a The.an,on „f^ee W R erk,ä " = 
R ^e Ei^hrunX p r -" IeS " ' ^ 

Ütty^Ä ?r Weise - * 

des ftST *5? da ! englische wie das ? f. ümst and, dass 

>- e „:r g t„ da : ^ äs v ie ^ 

Dares 2 » 5 - » ' Und z ^ar in p„ Randes dem Wort- 
Laomedon nn fifc aveit H V 186 

* « este, ürsr a *r * 2* 

s. h. v. I72 . *• «4 u. cud^ 

> ed - Meister, 8 S fi i « 

» 8l ö * 6 , 1; S. 5, 18. 



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17 



2858: 

Et quant co Ii fu annoncie, 
(Que Troie et tote la contree 



V. 195: 

Whan he vndirstode botlie all and 



Estoit destruite , arse et robee,) 



— Zuvor, sagt der Dichter, 
wusste Priamus nicht: 
V. 194 : 

How the Troyens were down 

brought. — 
V. 196: 

Et sis pere ocis (et sa mere) His fader was slayn Sir Lymadon 
Et ses ßerors et tnit si frere, And his thre bredryn Mm by 
Fors une sole, la plus sage, And also his sistryn lad away. 

Qui en fu menee en servage. 

B. erwähnt also hier, dass mit dem Vater auch sämtliche 
Brüder des Priamus im Kampfe erschlagen worden sind. Bei 
der Schilderung des Kampfes lässt darüber B. nichts verlauten. 
Wenn der me. Dichter — H. V. 162 — das Gegenteil thut, 
so könnte man glauben, dass er vorweg genommen habe, da 
von allen Dares-Hss. nur G so ) die Brüder des Priamus gleich- 
zeitig mit Laomedon getötet werden lässt. Der me. Dichter 
hat aber gerade Dares G benutzt, denn er sagt von Pelias — 
H. V. 25 — he was kyng of Pelpeson, ganz entsprechend 
Dares G: 81 ) rex fuit in pelopenenso. — Nur noch Dares M 
kennt den Peloponnes, nennt aber Pelias nicht König. Da 
ferner B. die Dreizahl der Brüder nicht kennt, so steht ausser 
Zweifel, dass die Übereinstimmungen des me. Gedichtes mit 
Dares G auch wirklich aus der Benutzung der letzteren Hs. 
erklärt werden müssen. 

Die Klage des Königs Priamus zeigt einen sehr freien 
Anschluss an B.'s Darstellung — 

B. V. 2875: 
Pere qui vos a mort. 

2898: 

Et si ont ma seror menee. 
2896: 

Toz les ont les Grezeis ocis. 
2897: 

Tote ont destriute la contree. 
2879: 

Assez plora et fiat grant duol. 

Dass seine Brüder getötet worden sind, erwähnt der Priamus 
des B. nicht — H. V. 200; nicht in L. 

30 ) s. Greif, S. 162; Dares ed. Meister, S. 5, 17 Anm.: Laome- 
dontis filii qui cum eo fuerant occiduntur hypsipilus uolcontis ampitus 
— also drei Söhne. 

31 ) s. Meister, S. 2, 1 Anm.; dazu oben S. 9. 



H. V. 199: 
Alas who hathe my fadir slauwe. 
201: 

And raveshed my snster dame 

Ysyon. 

Alas frendes nowe have I none. 
And treuwe Troye is J>us distroyed. 
He sorowed ay and was anoyed. 



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18 



Von den Kindern des Königs macht der me. Dichter nur 
die drei Söhne Hektor, Troilus und Paris namhaft und erzählt 
hierauf den Traum der Hecuha und die Jugendgeschichte des 
Paris — bi s V. 246. Da diese Episode sich nicht hei B. 
findet, so fallt die Besprechung derselben dem zweiten Teile 
unserer Abhandlung zu. 

Die me. Schilderung der neu aufgebauten Stadt regt 
äusserst wenig zu einem Vergleich mit derjenigen B.'s an. 
Erstere ist einmal sehr kurz — H. VV. 246 — 74; L. VV. 
285 — 314. Dann bietet sie manches Neue dar. B. gedenkt 
nicht des Lohnes der Maurer — H. V. 253; nicht in 
L. — weiss nichts von einem Festungsgraben, der so breit 
und tief ist, dass grosse Schiffe zur Zeit der Flut darin fahren 
können — H. V. 264; nicht in L. — noch hebt derselbe 
hervor, dass die Stadt nur durch Verrat eingenommen werden 
könne — H. V. 273. Die Zugbrücken und Fallthore hat B. 
auch nicht erwähnt — H. V. 260. Nach H. V. 259 hat die 
Stadt 32, nach L. V. 293 jedoch 7 Thore, wie bei B. und 
Dares. Gewiss war es für den me. Dichter leicht, das Bild 
einer Festung sich nach eigner Anschauung zu entwerfen. 

Nur in der Hs. L. des me. Gedichtes ist in Kürze der 
Königsburg Ilium gedacht. In einem der prächtigen Gemächer 
des Palastes stand ein Altar mit der vergoldeten Statue Jupiters. 
Der me. Dichter oder besser der Schreiber der Hs. L. nennt 
Jupiter einen „Mahomet, reich an Gold, Silber und Edel- 
steinen". Mahomet kann aber im Mittelalter irgend ein Götzen- 
bild, also auch eine Jupiterstatue bezeichnen. 

Im Übrigen zeigt die Beschreibung Anschluss an die 
französische Vorlage — 

B. V. 3029: 
A une part font Ylion, 

De Troie le mestre danjon. L. V. 303: 

Cel fist Prianz a son oes fere, In Troye he made a tour 

3033: L. V. 304: 

Onque nns fet n'en fu autex. Of alle toures hit was flour 

3078: 313: 

Molt par fu de riche facon. A richer hade neuer no kyng. 

3105: 305: 

I fist Ii reis un bei autel, And in be tour he made an auter 

3111: 

L'image au De ou mielz creieient, 
3113: 

C'est Jupiter Ii dex poissanz: Of ]>e false god sire Jubiter 

Cele fist faire Ii reis Prianz A mawmet riche for be nones 

Del meillor or qu'il onques ot. Of goldseoluerandpreciousstones. 



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19 



* B. erzählt — V. 3159 u. ff. — dass nach dem vollendeten 

Wiederaufbaue der Stadt ein grosses Fest veranstaltet worden 

k sei. Der me. Dichter macht daraus ein Krönungsfest — H. 

R V. 277 u. ff. — an welchem der König sich und sein Weih 

ät krönt, Hektor zum Mitregenten erhebt, Paris mit einer Graf- 

schaft belehnt, und die übrigen Söhne zu Lords macht. Diese 

0 Bemerkung findet sich nicht in L. Ob vielleicht ein ent- 
b. sprechendes zeitgenössisches Ereignis dem Autor der Hs. H. 

1 vorschwebte? 

I, Nach Verlauf des Festes beruft König Priamus das Parlament 

in ein. Er eröffnet dasselbe mit einer Rede — H. W. 286—97 — 

il worin er unter dem Hinweis auf die gewichtigen Gründe den 

JD Krieg gegen die -Griechen befürwortet — 

be B. V. 3183: H. V. 286: 

a Jor a assis de parlement 89 ) And maketh a ryalle parlement 

| 3195: H. V. 290: 

je Seignor, fet il, entendez mei: Lordyngis he seyd thus and thus 

il Bien savez la malaventure Ye wote whannej)ey of Qrece come 

H Et la lede desconfiture 

i Que Ii Grezeis par lor oltrage (And j>is lond robbed and nome) 

Krent de no.tre bnen lignage: 1 om ^ de 

Mon pere ocistrent par nul fuerj 

Ne m'istra mes Tire del euer, \ _ , , , , 

l o • » • • , > Grete cause have we tobe avenged. 

)t Se gie n'en puis venjance aveirj 

i Der König gedenkt dann noch der Entführung seiner 

Schwester und schliesst den ersten Teil seiner Rede mit der 
Erklärung: 

B. V. 3219: H. V. 296: 

„Molt est bien tens de guerreier". We shnll hem yeve newe batayle 

And werre on hem. 



das geschehene Unheil vergessen zu wollen sich bereit findet, 
sobald die Griechen der Aufforderung, die Hesione frei zugeben, 
nachkommen würden. Andernfalls sei der Krieg unerlässlich. 
Das ist der Inhalt des zweiten Teiles der Rede. Der englische 
Dichter wendet die Sache so, dass der König die Kriegspartei, 
das Parlament die Friedenspartei vertritt. Letzteres fordert 
daher ganz energisch den friedlichen Ausgleich, den Krieg 
nur dann, wenn ersterer sich als unmöglich erweise: 
B. V. 3222: H. V. 302: 

Mes primes nos covient saveir, And of your baronns send thedyr 

305: 

Se par nul plait la nos rendront. And loke if j)ey wull . . . 

82 ) Dieser Vers ist schon von Greif herangezogen worden. 

2* 



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20 



3225: 307: 
Manderai lor qu'il la me rendent, . . . brynge ageyne £y sustir right 

310: 

Et puis apres s'il la contendent, If J>ey no wull doth your avyse. 
A V08 trestoz et ä nies fiz 
3229: 

Prendrei conseil de guerreier. 

Man könnte hier die Frage aufwerfen, ob diese logisch 
berechtigte Änderung an der Darstellung B.'s das Werk des 
me. Dichters ist, oder ob er sie in einem umgearbeiteten 
Trojaroman bereits vorfand. Die Antwort auf diese Frage 
wird erst im zweiten Teile dieser Abhandlung gegeben werden 
können, zugleich auch eine Erklärung dafür, wie der Verfasser 
der Hs. H. duzu gekommen ist, den Hektor anstatt Antenors 
als Gesandten nach Griechenland gehen zu lassen. An derselben 
Stelle wird der Aufenthalt des Gesandten im Feindeslande zur 
Besprechung gelangen. 

Unverrichteter Sache kehrt Antenor, bez. Hektor, nach 
Troja zurück, wo er dem Könige über den Erfolg seiner 
Reise Bericht erstattet: 

B. V. 3638: H. V. 347: 

. . . Antenors lor a retrait, And told sir Prianms eneri worde 

Et les reproches et les diz. How he was rebuked ende and orde. 

B. V. 3634: H. V. 350: 

Molt fn iriez Prianz Ii reis. He was füll wrothe it was well 

sene"). 

Der me. Dichter erzählt hierauf abweichend von B. und 
Dares, wo dieselbe Thatsache weit später geschieht, wie Priamus 
40 Kriegsschiffe bauen lässt und die erforderliche Mannschaft 
in Kampfbereitschaft stellt. Die Darstellungsweise erklärt sich 
insofern aus der B.'s, als nach ihm Priamus dem Parlamente 
den Bericht Antenors übermittelt und im Anschluss hieran den 
Antrag auf Rüstung und sofortige Eröffnung des Krieges stellt: 

B. V. 3679: H. V. 355: 

Eslisons tant de nostre gent. And gadered swythe be his conseyle 
Com il nos vendra ä talent, 

De Chevaliers prouz et hardiz, A nobill ost with out fayle 
De totes armes bien garniz; H. V. 359: 

Si enveions en lor contree, The kyng thyngketh no longer 

to lende 

Tot belement et ä celee. Butdyghthim forth redy to wende. 



8S ) nicht „sone", wie Zietsch es hat; in der Hs. lässt sich e 
leicht mit o verwechseln. 



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21 



Nach dem me. Gedichte bleibt Priamus auf Hektors Bitte 
hin zu Hause und betraut jenen mit der Führung des Krieges. 
Auch dieser Umstand erweist sich bei näherer Prüfung als eine 
Umgestaltung der Darstellung B.'s. Nach ihm — V. 3700 
u. ff. — drückt das Parlament dem Könige, der die Eröffnung 
des Krieges wünscht — s. oben — seine Ergebenheit aus. 
Daraufhin übertragt Priamus seinen Söhnen vorzugsweise aber 
dem Hektor die Führung des Krieges. Hektor erklärt zunächst, 

dieselbe übernehmen so wollen. Diese drei Momente die 

Zustimmung des Parlamentes zum königlichen Entschlüsse, die 
Ansprache des Königs — V. 3710 u. ff. — an seine Söhne, 
an Hektor im Besonderen, endlich den ersten, beifalligen Teil 
der Rede Hektors — V. 3751 — 75 — fasst der me. Dichter 
in der Weise zusammen, dass er Hektor zum Vertreter des 
Parlamentes macht, ihn die Würde des obersten Kriegsherrn 
verlangen und den König hierzu seine Zustimmung geben lässt 
Der zweite, abfällige Teil der Antwort Hektors — B. V. 3776 
u. ff. — wonach derselbe sich der ihm zugemuteten Aufgabe 
nicht gewachsen erachtet, konnte in dorn me. Gedichte keinen 
Platz finden. Besonders war der Einwurf Hektors — B. V. 3810: 
Ensorquetot n'avez navie — nicht erlaubt, da, wie wir wissenj 
die Flotte zur Abfahrt bereit steht. Vorstehende Behauptungen 
dürften durch den Vergleich folgender Verse noch an Wahr- 
scheinlichkeit gewinnen. 

Priamus an Hektor: 
B. V. 3737: 
„Hector, biau filz, tu ies Ii maire, 
3740: 

... tu ies molt sages et proz." 



B. V. 3738: 
„Sire seras de cest affaire" 

B. V. 3798: 
„Tu en seras Ii chief de toz. 
3746: 

De toz auras la seignorie, 
La poeste et la baillie." 
Hektor an Priamus: 
B. V. 3769: 
Molt par m'est tart, et mollt coveit 
Que de noz genz bataille seit 
Envers la lor u . . . 

Priamus an Hektor: 
B. V. 3741: 
„En tei sera Ii recovriers". 



H. V. 361: 
Ectour the prince that was eldest, 

Of all {>e kyngis sones he was boldest 
Hektor an Priamus: 
366: 

„And J>y host I wull take" 

H. V. 372: 
And — Priamus — taketh him all 

bis power 

Andbad him take his host and gone. 
Hektor an Priamus: 
366: 

• • . „I wull . . . 

. . . werryn with our enmyes 



And stoughtly bryng home^e pryce. 



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22 

V. 370: 

And — Priamus — J)enketh he — 
H. — wull be good werrer. 
Es ist anzunehmen, dass der me. Dichter diese Ab- 
weichungen von der altfrz. Vorlage selbständig unternommen 
hat, da wir solche bei Konrad von Würzburg nicht finden. 
Die Bemerkung des Paris, dass das beabsichtigte Unternehmen 
sowohl unter der Leitung des Priamus wie derjenigen Hektors 
fehlschlagen werde, der Einwurf des Priamus, Paris müsse 
Beweisgründe dafür beibringen, dass er auf grösseren Erfolg 
hoffen dürfte, als Hektor, dessen „zehnfache" Überlegenheit 
doch anerkannt sei, haben nichts Entsprechendes bei B. Im 
Übrigen scheint der me. Dichter vorweggenommen zu haben, 
was B. dem Berichte des Paris über den Apfelstreit der Göttinnen 
folgen lässt. Das scheint aus der Art und Weise hervorzugehen, 
in der Paris die Übernahme der Kriegsführung von seinem 
Vater fordert. 

Nach dem Apfelstreite: Vor dem Apfelstreite: 

B. V. 3904: H. V. 387: 

Sire, se vos le volez bien, And if ye wull be leven her 

Gie i irai molt volentiers, I wull go with your poere 
(Mes que gie aie buens Chevaliers, 
Qu'en lor terre poissons forfere;) 
Aioz que seons mis el repere, 

Lor aurons tel damage fei And I will batayll and werryn 

Qui a toz jorz sera retret. Men shall speke J>er of forenermoo 

Nach dem Apfelstreite, 

V. 471: 
Therfore I have will to wend 
In to Grece all hem to shend. 

Was nun die Darstellung des Apfelstreites betrifft, so 
lassen sich zwar hier und da die Spuren B.'s noch wahr- 
nehmen, doch erscheint sie im Ganzen wesentlich verändert, 
an der einen Stelle verkürzt, an der anderen erweitert. Sie 
wird uns im zweiten Teile unserer Abhandlung nochmals be- 
schäftigen. Hier haben wir nur zu erörtern, in welchem 
Grade diese in der mittelalterlichen Poesie so oft behandelte 
Episode des me. Gedichtes mit der Darstellung B.'s überein- 
stimmt. Die Hs. L. macht im Anschluss an die französische 
Vorlage 84 ) den Apfelstreit zum Gegenstand eines Traumes, den 
Paris träumte, als er einst im Walde, von den Anstrengungen 
der Jagd ermüdet, niedersank. Indem die Hs. H. diesen Teil 

*) a. Greif, S. 161. 



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23 



der Episode fort gelassen hat, wird letztere zum wirklichen 
Ereignis und gewinnt so an dramatischer Lebendigkeit, die 
durch Zusätze erhöht wird. Wir werden zeigen, wie B. selbst 
durch die Art und Weise seiner Darstellung denjenigen Ab- 
schreibern, bez. Übersetzern, welche auf Erweiterungen ihrer 
Vorlage ausgingen, genügende Anregung gegeben hat: 

Mercur spricht zu Paris — 

B. V. 3861: 
Treis deesses vienent ä tei, 
Por lo jugement d'un otrei. 

V. 3863: 
Une pome lor fu gitee 



erzählt: 

H. 400: 
Thre goddes an apull fonde 



D'or massice, tote letree. 
Lea letres dient en grezeis 



H. 405: 

That apull was with gold begreue 

L. 487: 
|)er on was in lettrure 

H. 406: 

And seyd the fayrest it shuld have. 



Qu'a la plus bele d'eles treis 
Sera la pome quitement. 
Entr'eles a descordement 

V. 3869: 
Chascune plus bele se fait. 

Bei B. V. 3863 könnte man nun fragen oder weiter aus- 
führen, von wem und warum der goldne Apfel den Göttinnen 
vorgelegt ward — s. H. VV. 403—4. Der in W. 3868—9 
bei B. nur angedeutete Streit der Göttinen Hess sich leicht 
dramatisch gestalten, indem der Dichter jede der letzteren 
redend vorführte — s. H. 407 — 16. 

H. W. 417—26: 



Mercur spricht zu Paris. — 

B. V. 3877: 
Conseil quistrent, gie lor donai: 



Juno regt die Wahl eines 
Schiedsrichters an; als solchen 
schlägt Venus den Paris vor : 



3887: 

Par tei lor covient ä saveir 
Qui la pome devra aveir. 
3883: 

Eies otroient bonement, 
Que tu faces lo jügement. 

Also auch der bei B. V. 3877 ausgesprochene Gedanke 
war eines dramatischen Ausbaues fähig, da ja diesem Ent- 
schlüsse eine Beratung — s. H. VV. 417 — 21 — vorausgehen 
musste. Nach B. erzählt ferner Paris: 



H. V. 427: 
Best it is oor juge J>at he be 
Who shall it have of vs thre 

AU [) e y graunted J)erto iwisse 



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24 



B. V. 3889: B. V. 3891: 

Cascune conseilla ä mei Soz ciel u'a rien que gie volsisse, 

Priv6ement et en segrei. Qu'ä icele ore n'en traisisBe, 

N'i ot cele molt ne m'offrist. 
Die drei Göttinnen besuchen also einzeln den Paris und 
suchen seine Gunst durch hohe Versprechungen zu gewinnen. 
Hier lag die Veranlassung nahe, jeden Besuch einzeln zu 
schildern, sowie die Art der Versprechungen anzugeben. B. 
beschränkt sich auf das Versprechen der Venus: 

B. 3894: H. V. 445: 

Et Venus me preia et dist, Ther fore Parys J pray the 

Que se la pome Ii donoie, That appull {>at j)OU graunte me 

B. V. 3897: H. V. 450: 

Feme de Grece me donreit A feyre leman J will yeve {>e 

La plus bele qui i sereit. Thon shallt have the fayrest leman 

V. 458: 

La pome issi H otreiai, Venesse was fayrer J>anne J)re 

Et de bialte* plus la loai. Ther fore I graunt her to have 

That appul. 

Nach dem me. Gedichte sagt Venus zunächst nicht, dass 
das schönste Weib eine Griechin sei. Erst nachdem sie den 
goldenen Apfel erhalten hat, sagt sie ihm ihre Unterstützung 
in einem Feldzuge gegen Griechenland und bei der Erwerbung 
der schönsten Frau zu — s. H. v. 463 — 70. 
Paris spricht zu Priamus — Venus zu Paris: 

H. V. 466: 

B. V. 3902 : Whanne thou will to Grece gone 

Gie 86 trös bien que la deesse For no byng the no drede 
M' aidera, gie n'en dot rien. With out dought J>ou shat welle 

spede 

und die schönste Frau gewinnen — W. 469 — 70. 

Aus Vorstehendem ist ersichtlich, dass die me. Darstellung 
des Apfelstreites teils umgestaltet, teils erweitert, aus der ent- 
sprechenden des B. hervorgegangen ist. Die weiteren hieran 
sich knüpfenden Fragen werden späterhin zur Beantwortung 
gelangen. 

Nach dem me. Gedichte sind sämtliche Söhne des Pria- 
mus gegen die Führerschaft des Paris. B. lässt dagegen 
sprechen Helenus, Cassandra und den Seher Panthus. Allen 
ist gemeinsam die Befürchtung, dass Troja einst von den 
Griechen zerstört werden würde, wenn Paris jetzt gegen sie 
zu Felde ziehe, bezw. sich ein Weib aus Griechenland hole: 

H. V. 473: 

1) Helenus : g ir Ectour and his bredryn alle 

B. V. 3949: 475: 
Se il de Grece ferne ameine, . . . seyd if Alisaunder Paris 



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25 



3952: 

. . . les Grezeis vendront sor nos, Goo to Grece to wynne the pryss 

Ylion abatront sanz faille , Men of Grece will stynte no stounde 

Par vive force et par bataille. ErthatTroyebebrought togronde. 

2) Panthus: 3) Cassandra: 

B. V. 4082: B. V. 4131: 

. . . tote Troie et tot l'enpire Se ferne a de Grece Paris, 

A Paris molt enpirereit, Destruite iert Troie et le pais 
Se il de Grece ferne aveit. 

Die Rede des Helenus mag entschieden dem me. Dichter 
als Vorbild gedient haben. — Trotz des allgemeinen Abratens 
betraut Priamus Paris mit der Leitung des Krieges. Da be- 
kanntlich die Flotte schon bereit steht, kann Paris ohne 
Weiteres die Anker lichten. Zuvor ermahnt Priamus Paris, 
sich seiner hohen Stellung würdig zu zeigen. Es ist hier eine 
Anlehnung an B.'s Darstellung nicht nachweisbar. Die kurze 
Schilderung der Flotte — VV. 489 — 93 — fehlt ganz bei B. 
Die Verhältnisse, unter welchen der Aufenthalt des Paris in 
Griechenland — H. V. 497 u. ff. — stattfindet, sind zum 
grossen Teil verschieden von den entsprechenden in B.'s Ge- 
dicht. Wir werden sie im zweiten Teile unsrer Abhandlung 
eingehender betrachten. Nach dem me. Gedichte ist die Resi- 
denz des Menelaus und der Helena Capharnoum — s. H. V. 
525 — die Cythera B.'s. Weder David, noch Salomo, 85 ) 
noch Alexander der Grosse, 35 ) sagt der me. Dichter, hatten 
eine so herrliche Burg. Helene besitzt so grosse Schönheit 
und Herzensgüte, dass sie selbst ein Vergil, ein Aristoteles 35 ) 
und Nectanabus , 35 ) den Olympias ob seiner Gewandtheit im 
Lobe schöner Frauen mit dem Ehrenkranz schmückte, würdig 
zu preisen nicht vermocht hätten. Das Zusammenbringen der 
Namen Nectanabus und Olympias bekundet allerdings die 
Kenntnis der Sage von Alexander dem Grossen. Weiterer 
Anschluss an dieselbe, wie Zietsch ihn annehmen will, ist 
nicht nachzuweisen. Die Hs. L erwähnt jene beiden Namen 
überhaupt nicht, ebensowenig die des Vergil und Aristoteles. 



36 ) Nach Pseudo-Kallisthenes, Kap. I ff., ist Alexander der Grosse 
der Sohn der Olympias und des Nectanabus. Dieser, ein ägyptischer 
König von grosser Gelehrsamkeit, flüchtet sich nach Macedonien. 
König Philipp ist abwesend. Nectanabus verliebt sich in Olympias 
und weissagt ihr, der unfruchtbaren, dass sie von Jupiter Amnion 
einen Sohn gebären werde. Olympias wird das Opfer eines Betrugs. 
Vergl. Lamprecht, Alexander, Gedicht des 12. J. H.; Ausg. v. Weissmann, 
Bd. 2, S. Sff.j Ausg. v. Kinzel, Halle 1884, Baseler Einleitung, V. 69 ff.; 
Strassburger Alex, erwähnt V. 70 ff. die Herrlichkeit Salomos. — Von 
Aristoteles redet Pseudo-Kallisthenes, Kap. 16. 



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26 



B. beschränkt sich im Preise d«- -La „ , 

allgemeine, volkstürnUchrCriethe S""? Äuf ««" 

nicht hat entgehen lassen: ' der me ' Dichto «ch 

B. V. 4304: _ 
De totes dames 1» plus bele n,« t , , 36 : 

Ain Z aus ae vit plus aveaaat ^ 1&dy hrjeH Md 



Unques ne nasquit ea cest monde Favrer fi,™.^ 

Dame si bele *ayrer formed was neuer 

5109: none ~ In m * World . . . 

Sormontot de bialte Heleine Tote ri.„ • 

.. Auch der Bericht, dass *T T? T** 
gunstigem Winde beschleunigt 8 Ü u der Grie eben von 
B.'s su beruhen: 8SCWeun, S t Wlrd . »ehemt auf der Darstellung 

B. V. 4197: 

Dreit vent oreat et coie mer, Thev H ' V ' „ 494: 

4201; ' Ihey hadd y n good wynde 

Vers Grece out dreciees lor Teiles t 

4237 : ' and forth gothe 

X arrif/rent1,Tai a nagiSrent ' Nyght Md *»• forth the y drive, 
Qni esteit ä lor enemis „ 

Man vergleiche hierbei H VV eT «iT« *** th6re m 
B.W. 959-67, H20 -M «Ja« „f 8 ' 11 *— 14,316-17! 
W««, in ähnlicher Welse'« b u" 88 ' 3266 ~71. ™ Meer- 
_ , Nach dem me. oXhT^V «S^ 
Helena von der AnwescnheU deT pL 2 *J ~ ist der 
Kunde geworden, un d aie «, «! T U des » edlen Ri "e™ u , 
Wunsch, den schöncnV r'^ 6 " 1 Damen 
benachrichtigt hiervon dTftTi ZU WoUen - Ein 

bietet diesem die willkommene GeLÄ Ü^ 086 Pe8tIic hkeit 
=e,gen. Diese Art der D aP »^P e " dar ' 8ich der Helena 
a*' den ersten Blick auch ™2 * DU °' 80 fremd si « <™ 
^e B.'s zurückführen S^TT läSSt sich d °<* 

hat Helena von der Anwesenheit H i> ■ V " 4299 u " ff - ~ 
'b^en Frauen mit, dass IL ^ch V ^ gehört Sie teiIt 
Festes in den Tempel begeben w 7 Gef °' ge 8m Ta <?° *» 
'osen. Es i8t also P hier S e 7"!' T «* 
Helena von dem Wunsche Tar ! den , Ze,Ien ™ lesen, dass 
gefuhrt wird. Deutlicher '^n ^ " aCh dem Tera P eI 
»um Alexander in in 8U la cS * ' X: At He leua . ., 
Aber dass Helena den iJl 8S8et ' P lacnit * ; <>° ire. 

■hren Frauen ausspricht, zu dl e S ern gerU ,? d ihres Handelns vor 



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27 



Helena kommt mit glänzendem Gefolge zum Tempel: 

B. V. 4314: H. V. 573: 

Puis espleita de chevalchier, With her went moche grete chy- 

ualrye 

AI temple vint o sa mesni6e. And cometh to £>e temple on hye. 

Paris, der herbeigeeilt ist, und Helena, betrachten einander 
mit sichtlichem Interesse : 

B. V. 4324: H. V. 575: 

Et — ■ P. — tant revint, et tant ala, With outyn the temple ej)er oder 
Quo il la vit, et ele lui: metis 

575: 

Molt s'entregarderent andui Ether beholdeth oder lovely 

Wonder long sekyrly. 
Paris kann nicht umhin, sich an Helena heranzudrängen, 
und ihr Worte der Bewunderung zuzuflüstern , die — nach 
B. V. 4339 u. ff. — jene zum mindesten freundlich hinzu- 
nehmen scheint. Nach dem me. Gedichte findet einfache Be- 
grüssung statt: 

B. V. 4337: 
Anceis — P. — se mist tant en 

avant, H. V. 576: 

Qu' alqnes Ii dist de son talent. And gentely ether other gretis. 

Sie trennen sich. Nach B. begiebt sich Helena in den 
Tempel, während der me. Dichter sie in ihre Burg zurück- 
kehren lä8st. Paris, entschlossen, das schöne Weib zu ent- 
fuhren, eilt nach den Schiffen und waffnet seine Mannen. 
Dieselben erstürmen unter Leitung des Paris den Tempel, bez. 
die königliche Burg. Nach B. nimmt nun der Kampf folgen- 
den Verlauf: Die Trojaner machen das männliche Gefolge 
der Königin zum grossen Teile nieder und bringen Helena, 
die übrigen Frauen und die Tempelschätze nach den Schiffen. 
Der Tempel befindet sich aber in der Nähe des Hafens, ent- 
fernt von der Stadt. Erst als das Kampfgeschrei bis dorthin 
gedrungen ist, eilt die Besatzung herbei, schlägt den Trojanern 
empfindliche Verluste, kann jedoch nicht hindern, dass die 
Feinde mit ihrer Beute entkommen. Indem nun der me. Dich- 
ter den Kampf in die Stadt verlegt, stellt er den Gedanken- 
gang B.'s auf den Kopf. Zwar erleiden anfänglich die Tro- 
janer grosse Verluste , aber die Tapferkeit des Paris entscheidet. 
Es gelingt den Trojanern , die Feinde niederzuwerfen , Helena 
zu entführen. Dass trotz des Umstandes, dass Menelaus am 
Kampfe teilnimmt, die Darstellung des me. Gedichtes in der 
oben angegebenen Weise auf die französische Vorlage zurück- 
zufüliren ist., soll im Folgenden eingehender bewiesen werden. 
Nach B. zerlallt der Kampf in zwei Teile : 



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28 



H V 59 Kampf = 

The folke of Ihe 5 Cile defended * V ' 4823 ~ V " 4634 

hem faste 

601 T> TT 

Alisaunder leseth manv men t l' 30 ' 

That lay to dreve in thaT L nP J't 1 .. SOüffrirent ^ ranz Oschles 

m uat fenne. Li Troien por eis deffendre 

4535: 

Cil d' Elee molt les ledissent 
Dank der Tapferkeit A„ a p A - POi qU j toz ne desconfisent. 
die Seite der Trojaner ***** ßich der Sie * auf 

H. V. 603 bis V. 608- ^ „ 

he fauht as a g„d baroun ^ ^ 

Many grete >„rd he drave adewn. Tuit ^fJrtTdU^ 

B. V. 4485: 

Tlmltim» rm „ , B - V. <*493: 
■ • • doughtyth him -ore of Ms W temP ' 8 8 ° nt eskai ' 

And fleth awey and forth goth 
No man wote wher he is becom M„„ . , , 
„ Paris entführt die Helen» nTf T" 64 ^ 
Seine Mannen plündern _ mancher edlen Frau. 

H. V. 6U: 

And Alisaunder the Ouene h.tk t . B " V- 4487 : 

«neue hath L a be l e , , a cortej8e 

V. 618: Pristrent tote primeraine 

AndmonjcounteyesandladiesaUn m • . B ' 44911 
The fayrest hat tnyght „ ™ 0 SSlta^T ff"*" 

H. V. 620- "Mtrent o he riches et beles. 

Therewhylehismenrobvn.n^ , B - V - U9S - 

In all J, at countre "o^eT ff B tem * Ie ° «*- 
Ob di« v lessierent or ne argent. 

B.'. auf BeÄdS^^y»'«^ d <* D^teHung 



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29 

Paris im Hafen von Tenedus. Vielmehr treffen wir den Paris 
sogleich — H. V. 623 — zu Hause an. Wir springen also 
zu B. V. 4795 u. ff. üher, wo erzählt wird, dass Priamus dem 
heimkehrenden Sohne entgegengeritten ist. Dieser stattet jenem 
Bericht üher seine Erfolge ab. Die Bemerkung, dass Menelaus 
leider entflohen sei, kann natürlich hei B. nicht erwartet werden. 
Im Übrigen darf Anschluss an B.'s Darstellung angenommen wer- 
den. Paris erzählt, 

1) dass er die Griechen im Kampfe besiegt, 2) ihre 
Königin entführt und 3) reiche Beute gemacht habe: 

1) B. V. 4815: H. V. 627: 

Conta Ii la desconfiture, I have distroyed in all ]>yngis 

Que il firent par nuit obscure, Of Grece j)e grete lordyngys 

631: 

2) Et moatra Ii cele qu'il meine, The Quene I have whyte aa flour 

3) V. 4811: 

Coment Ii temples fu brisiez 633: 
Et Ii granz aveirs gaaingniez. Gold and siluer grete and smalle 

The tresour of j>e conntre all. 

Priamus freut sich seines Sohnes : 

B. V. 4807: H. V. 635: 

Son fils Paris aime et jo'ist. Sir Priamus was glad tho 

That Alisaunder had sped soo. 

Nach B. zeigt sich der König sehr höflich gegen Helena 
und bemüht sich, sie, die Klagende, zu trösten. Der me. 
Dichter schiebt an dieser Stelle — H. VV. 637—44 — die 
Klage der Helena ein und lässt Paris selbst den Tröstenden 
sein. Dieselbe Scene spielt sich bei B. schon früher im Hafen 
von Tenedus ab — s. B. V. 4619— V. 4648. Doch haben 
die beiden Darstellungen der Klage nichts mit einander gemein. 
Nur auf einen Punkt sei hier aufmerksam gemacht. B. sagt 
von der klagenden Helena, V. 4625 u. ff.: Et si regretot . . . 
s'enor et sa richece . . . et sa haltesce. Die Entführte ist 
also der Meinung, dass sie an Stand und Ehre verloren habe. 
Dasselbe will die Bemerkung sagen, welche der me. Dichter an 
den Bericht der Vermählung des Paris mit der Helena knüpft — 

H. V. 649—50: 
First she was quene and Empres 
And she is now but a conntes. 

Nach dem me. Gedichte ist Helena von vornherein mit 
ihrer Entführung nicht einverstanden — s. H. VV. 617 — 18. 
Nach B. und Dares gelangt Helena erst während der Reise 
zur bessern Einsicht. 

Im me. Gedicht erscheint Paris selbständiger im Handeln 
als bei B.: 



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30 



B- V. 4845: „ . 

A Paris Heleine esposee, * V ' 6481 

K reis Prianz Ii a donee. her *° his 

Molt Ii a riches noces fetes a .> ,. 653 : 

4849 ' And holdeth a ft8 *« ™he aX ryall 

Tldt eil de Troie celebrerent. «!.„„,„ k «' S 

Inmitten der Festfreude Jl^T 
Riffen. Die sich freuen ahn- S J"" VOm Sch ™™ er- 
Bemerkung f eU ^ Ä^',*"?^ Leid. Di ese 
Weissagung der Cassandra " V ^k**** *" beWlb «»*' 
das Ereignis fi r Menelaus. Die Kiage _" s Ä * 
v. 671 — fehlt bei B.: — s. H. V. 668 — 

B. V. 4767: 

Molt fu Menelax anguissox H> V ' 663 ; 

dolans et tristes et hontoz- a vt A* * Monalft y 

Molt ft, destreiz, molt Pen'pesa He wk Vffht ttd ^ 

He leveth m mornyng and strife 

Er lässt seinen B ra( W A ^ remembrith ■ ■ . 

B. V. 4775; 

Meneitt nn message prent, H ' V ' 674 ' 

1 envoia isnelement n 
A son frere qu e i\ ave it 8eDt fast after Wb brod ir 

W molt bnens Chevalier esteit. That was cl^rf a 

4781: cleped Agamenonn 

Agamennon iert apelez. rr 

Man bemüht sich, Menelaus m J£. * "* ' n ° bÜ ^ 
B. V. 4927: 

Agamennon H. V. 679: 

Son frere conforte sor toz n l t0 in aI1 maD <* thyng 

ff Agamemnon schlägt den, Brud ^ ^ 

waffenfähigen Männer t^Ü?^* **** an alle 

B. V. 4968: 8 ZU la8Sen; 

Mes or pensons del enyoier « , , H - V. 681 : 

Par totes terres sns et jus f ad him ^ ve I>anne send 

A reis, ä contes et a dus ' m hla kyndom *> eche ende 

100 eneri m ™ yong and elde 
Semons seient d'aler ä Troie t 686: 

Menelaus befolgt den" Ratsch W ^ hi — n. 
B - V. 4986: S ' 
Ont par Qrece l e mes tramis q- ™ K Y ' 687 • 
» ot -i, ne dne, n'anma; 1 :; « on hyyng 

loo Duke Erle and eueri lordyng 



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31 



Riehe conte, ne vavassor That eneri of hem to Mm bryng 

Qui n'i venist s'il fu semons. Too ther power in all J>yng. 

Den Sammelplatz Sparta — B.'s Parte — macht der me. 
Dichter nicht namhaft: 

B. V. 4995: H. V. 693: 

Vindrent a Parte oü eil esteient. And comyn in to a certeyn stede 
Qui de l'oyre s'entremeteient. And ryght soo eueri lordyng dede. 

Mit H. V. 695 hebt das Verzeichnis der griechischen 
Helden und der Schiffe, die sie mit sich führen, an. In dieses 
Verzeichnis, den Schiffskatalog, verwebt der me. Dichter die 
Charakteristik der einzelnen Helden. Mit einer solchen werden 
nur Menelaus, Agamemnon und Ulixes bedacht. Der Anschluss 
sowohl an B. wie an Dares ist z. T. deutlich erkennbar. 

Von Menelaus heisst es H. V. 697: His hede was rede 
Iiis her also. B. weiss nichts hiervon. Dagegen nennt Dares, 
XIH, den Menelaus „rufum". Die Erwähnung seiner Tapfer- 
keit weist auf B. hin: 

B. V. 5134: H. V. 699: 

Reis ert biaux et pronz et hardiz. He was egre and hardy also. 

Die kurze Schilderung des Agamemnon schliesst sich eng 
an B.: 

B. V. 5131: H. V. 706: 

Molt esteit nobles et penos, jjat was a duke a nobill man 

D'aveir riches et gracios. ffayre of body queynte and ryche. 

Nach B. ist die Hautfarbe Agamemnons weiss wie der 
Schnee. In der Schilderung des Ulisses scheint der me. Dichter 
das vereinigt zu haben, was B. von Achilles und Ulixes sagt. 
Denn bis hierher macht sich im me. Gedicht die Rückwirkung 
der Achillesepisode — H. V. 984 — V. 1154 — fühlbar. 
Achilles befindet sich ja als Mädchen verkleidet, aller Welt ver- 
borgen, am Hofe des Lycomedes auf Scyrus. Die Griechen 
wissen augenblicklich gar nicht, wo Achilles ist. Daher wird 
sein Name nicht im Schiffskatalog genannt. 

An Gewandtheit im Gebrauche der Waffen kommt dem 
Achilles Niemand gleich. Die Bemerkung B.'s wendet der me. 
Dichter auf Ulixes an: 

B. V. 5147: H. V. 717: 

Grant pris avoit d'armes porter, In armes he was a nobill knyght 
En nule terre n'ot son per. Noon hardier man bereth bonys. 

6151: 

Mort ert hardiz et corageus. 

Achilles, bez. Ulixes, ist höfisch gesittet, freigebig; von 
Ansehen heiter und frisch; B. nennt auch den Ulisses „höfisch" 
— V. 5192. 



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32 



B. V. 6143: H . V. 714: 

La chiere avoit lie et joiose. Glad of semblant and rody 

5145: 

Larges esteit et despensiers. 
6192: 

Mes larges esteit et corteis. Hende») and large for the nony 9 . 

Menelaus hat 100 Schiffe , wie Agamemnon von Dares 
an erster Stelle mit 100 Sehiffen aufgerührt wird. Agamemnon 
hat somit nur 60 Schiffe. Ulixes hat deren 50, wie Ircesilaus, 
der von Dares an dritter Stelle mit 50 Schiffen genannt wird. 
Im Verzeichnis der übrigen griechischen Helden ist der me. 
Dichter vorwiegend dem Dares gefolgt, wie Zietsch") zur 
Genüge dargelegt hat. Dass gleichwohl der me. Dichter die 
franzosische Vorlage nicht ganz bei Seite gelegt hat, dafür 
scheinen folgende Punkte zu sprechen. 

den Verse" 51 " ents P recoen «'»ander die folgen- 

B. V. 6593: H y m . 

ttl. aVT, * 1,en ° r Sk ArcheI< * I» 6 B »y» 

Untre Archelax. 0f a]1 the ^ ^ ^ 

°f good men and hardy. 
M„ £°a j 1 ",,' Archeley, kommt mit der auserlesenen 
Mannschaft - de l'enor _ seines Landes. Diesen Gedanken 
hat Dares nicht Auffällig ist die ähnliche Schreibart der 
Bgcnnamen doch zeigen bereits Dares LG - Dares G aber 

W,', «" , na ? h S ewiesen ™den ist, vom me. Dichter 
benutzt — die Schreibart: Archelaus 

V 7$ ^ Z r" tSCh " 8) ent8 P ricl >t »Sennes of Cypres« - H. 

derselbe N vT" *S Cyi>r0 des Dares 6 ; ebensogut kann 

derselbe Name mit B.'s „Euneus de Cipre« — s B V 5673 - 

zusammengebracht werden, zumal unmittelbar darauf B - 

käteloL g H " S ' T/t erhärten ' dass W^ichtlich des Schiffs- 

Cz der 1! * • G t d,Ch ^' beS ° nder8 der ^ H, der Ein- 

nuss der französischen Vorlas niMif m 1 * j 

kann. In der Lesart L S Ä weggeleugnet werden 

weitert; zweifellos mit Hütfe Z Darf S ~ 

Benehmt gtbraS andt ' hÜb8Ch ' ftia . "er jedenfalls vom Susseren 
JJ) s. S. 12—13. 

19, 3 inm 3 ' Zi6t8Ch ' a 13 - Dare8 - ed - Meiner, 17, 14 Anm. und 



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33 

Infolge der schon oben erwähnten Rückwirkung der 
Achillesepisode ist ferner erklärlich, wenn nach der me. Dar- 
stellung Ulixes das delphische Orakel befragt, was nach B. 
Achilles thut. Zu diesem Schritte giebt nicht Agamemnon, wie 
bei B., sondern Menelaus die Anregung, da Agamemnon erst 
nach der Befragung des Orakels zum Kriegsherrn ernannt wird. 
B. lässt dies vor der Befragung geschehen. Im me. Gedichte 
tritt Agamemnon überhaupt ganz in den Hintergrund. Menelaus 
erscheint auch nach der Übernahme des Oberbefehles durch 
den Bruder als die leitende Persönlichkeit. 

Abgesehen davon, dass Ulixes sich nach Delphi begiebt, 
ist diese Scene im me. Gedichte im Anschlüsse au B. geschildert. 
Dafür spricht schon der Umstand, dass die Darbringung eines 
Opfers nachdrücklich hervorgehoben wird, was Dares, XV, 
nicht erwähnt. Ausserdem schiebt Dares zwischen die Abreise 
des Achilles von Sparta, dem Sammelplätze des Heeres, und 
die Ankunft in Delphi den Bericht ein, dass die Trojaner, 
welche von den kriegerischen Absichten der Griechen Kunde 
erhalten, sich ebenfalls rüsten. B. und der me. Dichter haben 
dies nicht gethan. 

Agamemnon : Menelaus spricht zu den Fürsten : 

B. V. 5768: H. V. 762: 

A Apollo enveissons. We must doone Apolyn sacrifyse. 

Das Opfer erwähnt A. am Schlüsse seiner Rede — V. 
5780. — Die Fürsten geben ihre Zustimmung. Achilles, bez. 
Ullixes, wird nach Delphi gesandt. 

B. V. 5781: H. V. 764: 

Ceste parole ont craantee And al J>e Baronage graunted 

Tuit eil qui ele fu mostree. {)er too 

Par lo comun esgard de toz, The kyng 

V. 768: 

1 vait danz Achilles Ii proz. . . . cleped Eluxes })at was uiekyl 

to byhold. 

Die Weihgeschenke, welche der Bote mit sich nimmt, 
H. VV. 765 — 8, nennt B. nicht. — Wenn nach B. Agamemnon 
den Fürsten vorschlägt, 
B. V. 5768: 

A Apollo enveissons — Prendre conseil de cest affaire, 

Savoir ä quel chief porrons traire. — 

so überreicht im me. Gedichte Menelaus die Weihgeschenke 
dem Ulixes mit Worten ähnlichen Inhaltes: 

H. VV. 771—2: 
And herkyn at him hat we ne fayle 
How we shall spede at ourbatayle. 

3 



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34 



Nach B. nimmt Achilles mit sich Patroclus. Der Opfernde 
trag dem Gotte im Gebet sein Anliegen vor. Der me. Dkh te 
giebt den Inhalt des Gebetes - H VV 776-9 



B. V. 5788: 
Entrent el temple Appollinis 

0 crieme et o devocion, 

1 ont fete lor oreison, 



H. V. 773: 
And go{>e to e{> temple of Apolyn 
775: 

Andfalleth adown on his knees too. 
Es folgt das Gebet, W. 
776—9. — 
H. V. 774: 
And offered as J)e maner was J>o. 



Sacrefice ont appareillte, 
Achilles a sacrefie\ 

Was die Antwort des Gottes anhefriffV t,„* j 

Dichter p a j„ l wu*» anoetriixt, so hat der me. 

achter ^Gedankengang B.'s auf den Kopf gestellt: 



As Grezeis, fet il, nonceras 
Qu'el diesiesme an sanz nulle faille 

Sera la fins de la bataille: 
6800: 

. . . el diesiesme an auront victoire. 
5802: 

• • . lors aurez tot acheve, 
Car Troie iert prise et abatue. 



H. V. 785: 
... er this ten yere be gon 
Ye shull ouercome hem euerichon 



H. V. 783: 
And loke J>at ye stynt nonght 
Or Troye be to erthe brought. 



B 's ™TZf' eht T,' daSS der me - Dicht <* die Darstelle 
ö. « zum Te.l umgestaltet, zum Teil erweitert hat. 

deu ÄTpru^- berichtet im ^ der öriech« über 

Eluxes 



H. V. 788: 
• • . cometh to Monaly J>e kyng 
He tellith him gynnyng and ende 
How j>e ymage had isayde. 



B. V. 5850: 
* Athene«*») sont repairie. 
Achilles conta as barons 
Qo que Ii ot dit Ii respons. 
Tote l'ovre lor a retraite, 
Et la promesse qui est faite. 

Heer -Yh. ^79^™ 0berbefehI 

in Axü£ T 8ot ™U ? V d6r Calchas noch ^ ^eignisse 
Tr^J'G^SS^^^ ***** ** ^chen 
^nrückzufordern, erhalten aLf k PnamU8 ' Um HeIena 

") Z U erwarten wäre Sparta, Parte - s. B. V. 4996. 



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35 

weniger offen zu Tage, ist jedoch aus mehreren Gründen un- 
abweisbar. Zunächst werden Abreise und Ankunft der Ge- 
sandten nicht durch Berichte andrer Thatsachen — wie bei 
Dares XVI — getrennt. Dann giebt Priamus den Gesandten 
gegenüber seiner Furchtlosigkeit Ausdruck, indem er auf seine 
Macht hinweist. Bei Dares findet sich dieser Gedanke an 
derselben Stelle — Kap. XVII — nicht. Eigentümlich ist 
dem me. Gedichte, dass Priamus in seiner Rede nachdrücklich 
hervorhebt, dass er die Nichtherausgabe der Helena als billige 
Sühne für das von den Griechen an den Trojanern ehemals 
verübte Unrecht betrachte. Im Übrigen ist natürlich besagte 
Rede im me. Gedichte bedeutend abgekürzt. Vorstehendes 
möge durch einen Vergleich noch mehr beleuchtet werden. 
Nach B. macht Agamemnon u. A. den Vorschlag — 

B. V. 6171: H. V. 808: 

Manderns Prianz, parnozmessages, They sent to J>e kyng anon 

And bad hem J)at J>ey shuld to 

J>em sende 

6173: 

Que il nos face rendre Heleine; Dame Elyn her Quene hende 
6176: 

S'il ne nos fet dreit del meffait, And if he will soo god is 
6177: 

Donc aura il tort et nos dreit. Or we shull slene him and alle bis. 

Priamus erteilt abschlägigen Bescheid. Der Ablauf der 
Gedanken erscheint im me. Gedichte zum Teil verändert. 

B. V. 6326: H. V. 817: 

Prince8 destruistrent ceste terre. And ye distroyed al my lond 

6328: 815: 

. . . mes plus me peise Ye of Grece my fader slowe 
De 50 qu'il m'oeistrent mon pere, 

Ne me remest seror . . . And my suster fro hens drowe. 

Darum kann der König den Wunsch der Griechen nicht 
gewähren. Er fühlt sich stark genug, mit diesen den Krieg 
aufzunehmen — 

B. V. 6355: 
<,!o sachent Ii Grezeis de veir 

H. V. 823: 

Que gie lor ferai a saveir, For I have here I vndirstond 

Quel euer gie ai, et quels amis All J)e power of my lond 
Assez ai gent en cest pai's. For to defende etc. 

Troye . . . 

Priamus schliesst seine Rede nach B. mit derselben Drohung, 
welche im me. Gedichte Hercules vormals dem trojanischen 

3» 



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36 



Gesandten hinwarf Die Ähnlichkeit ist so auffallend, das S sie 
nicht unbemerkt bleiben kann — 

B. V. 6366: g y 341- 

Se vos ne fussiez messagiers, And if bou were not a mesyngere 
Ja vos esteut malement. Too wrother hele com bou Le 

344- 

Alez vos en hastivenient. Trnsse |>e out of bis lond Myve. 

H VV J"7 ^ Räckkebr ^ Ge ^' 

1 Z. 7 9 r 8 8 ö; e 3 r !S: e Dar8teIlung ähnIicher Vorgä ^ 

... * !t 1: V - 829 die Schilderung der Belagerungs- 

kampfe. Sie zeigt Anschluss an die entsprechende bei B. 
Letzterer erwähnt nirgends die Schleudermaschinen: ingyn - 
n. V. ttö.1 — alttrz. engin; maungeneles — H. V. 838 - 
altfrz mangonel ; treybochet - H. V. 838 - altfrz. trebuchet 
Es M anzunehmen dass B., der seinen Roman in den achtziger 
übeZ, !* u Jah ^ A ^ schriebt) die ScbleudermascbL 

Äs::Äi, DeM der Trebuche ; wsr 

B V 7i9n ' m . t ' eD ™" c «- ) Die „engeignes enpenies — 
mit «-—i« - 8md . befiederte Boken, also gleichbedeutend 
^■q««rel quamals cupenez bei B. V. 18878; me. qua- 

B i. j „ T nichtc rarelle, wie Zietsch annimmt. 

Auel der t» de °. E l , e e e \ der Grosse mit einem Hagelschauer. 
Auch der me. Dichter hat dieses Bild angewandt. 

B. V. 1717: H y m . 

Ne^u* gre8le V6Dt And » hett «" ' with' dartis and 
chai plus espessement b] t 

Darz et engeignes^enpenees. As pyke as ony hayle ston. 

Trei d M n et o 0 .rlr rbeleSteS 1 dazu H. V. 845 und vorhergehende 
rrei M. et plus ä traire prestes / Verse 

Kein Sterblicher sah je blutigeren Kampf _ 

-V. .110. TT TT Q 4 Q. 

Horn vivanz ne porreit conter a * ' vT 

v cit uonrer boo strong assaught as J>er be- 

Lo duel qui fu a Tarriver c gaüne 

Di« q^l L /' SaWe * ett neuei * n ™ erthely man. 

Die J h ^waffe der Massen ist die Streitaxt _ 

As granz haches, trenchany Pf ifi öa mv , H - v - 8Ö3: 

Se porfendent ff, ^ 0n ^ ° f 8teIe 
J U 8 COrr6e8 ' An dfaughttogederhardyandwele. 

b. Joly, I, S. 67. 
J s Schulze, höfisches Leben, II S 828 n 9 17a 



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37 

Die Trojaner beschiessen von den Türmen der Festungs- 
mauer herab die anstürmenden Griechen — 

B. V. 7190: H. V. 857: 

Mes eil qui furent es chastiax Eche toure is füll abought he 
Qui par leg nes erent drecie" wa U e 
Ont ensenble tret et lancie, Of arblast etc. 

Par force les font trere en sus. Kenne arous etc. 

Slengis stonys for to throuwe. 

Der me. Dichter hat somit das französische trere et lan- 
cier — schiessen — weiter ausgeführt. 

Auch die Schilderung der Zweikämpfe verrät die fran- 
zösische Vorlage. — Hektor und Protesilaus sprengen mit ge- 
fällter Lanze auf einander los. Nachdem sie die Lanzen ver- 
stochen haben, spaltet Hektor mit gewaltigem Schwerthieb 
des Gegners Leib. 

B. V. 7483: H. V. 925: 

Tel Ii done parmi l'escu, Sir Ectour thanne a stroke wonde 

Et par Taubere qu'il ot vestu, H. Y. 929: 

Qn'en dous meitiez lo euer Ii part. The fleshe quyte he paryth adowu 

Both [)orow hauberk and akton. 
Was B. von den Heldenthaten des Griechen Palamedes zu 
erzählen weiss, scheint der me. Dichter auf die Person des 
Paris übertragen zu haben. B. berichtet — V. 7453 u. ff. — 
dass sich auserlesene Helden um Palamedes scharen und 
Hunderte von Trojanern niedermachen. Der me. Dichter sagt 
von Paris, H. V. 890: He fellid an hundred on a rewe. 
Ferner lesen wir von den beiden Helden — 

B. V. 7459 ; H. V. 889: j 

Palamedes granz cols lor done. And Alysaunder begänne to hewe i 
Molt en ocit, molt en estone, Many a grete lord of Grece 
Molt en ocit, molt en mehaigne. He them heuwes al to pecie. 
Ähnlich heisst es von Hektor — 
H. VV. 886-8: 

Many a lord he drewes adown — Therewas helme shelde ne targe — 
That myght stond his strokis large. 

Das Gefilde schwimmt im Blute der Verwundeten -- 
B. V. 7165: H. V. 893: 

Molt chairent espessement, Grete slauter was made on eueri 

syde. 

895: 

Tot lo rivage en fu sanglant: The valeys ron on blöde. 
De sanc i aveit granz ruissiax 
De cels qui muerent as tropiax. 

Dass der me. Dichter im Vergleiche zu seinen Quellen 
die gewaltigsten Sprünge macht, ist bei dem geringen Uro- 



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38 



lange seines Gedichtes selbstverständlich. Es hätte wenie- 
Zweck, hier genau anzugeben, wieviel der nie. Dichter fort 
gelassen hat. Der Gedankengang der französischen Vorlag, 
wird im Allgemeinen beibehalten. Mit den Namen der Helden 
nimmt es der nie. Dichter nicht genau. Er ist überhaupt ke„ 
Freund von vielen Namen „nd beschränkt sich in der Auf 
tuhrung derselben auf das Minimum. Die Namen, denen wir 

ZZ , Sß T Darstelluu e *<* Belagerungskämpfe Z 
gegnen , sind auf trojanischer Seite Priamus, Hektorf Paris, 
Troilus, Aeueas, Antenor; auf griechischer Seite Menelaus 
Agamemnon, Protesilaus Patroclus - Parpadode, Padradod 
- Menestheus Palamedes - Palmydes _ Achil es, Neopto 
lemus Diese kleine Zahl verschwindet vor dem NamenlJere 
B s und des Darcs. Gleichwohl macht uns der me. Dichter 
m.t einem Griechen Annys _ H. V. 1275 - bekannt, den 
Dar s nicht hat, und es ist schwer zu entscheiden, ob e's B 's 

™ a i- k. ! ,~ ? un<5us > uns ™* deCipre, ist. Nach dem 
me Gedichte folgt dem Tode des Protesilaus sogleich der Tod 
des Patroclus durch denselben Helden, durch Hektor Wir 

!Äe\ ?P B - , V - 83U - Im f-nzosischen tfe im m 
Protesüau^ " f «roclus all f dieselbe Weise um, als vor ihm 

Hektor dringt dem Patroclus durch Schild und Halsberg - 



B. V. 8312 



Que tot lo piz Ii vait fendant, H v m . 



Li euer Ii part en dous meitiez. Pa d ra dodes body he ^ &t00 

mittelbar?,';/ 1 ?' T- eiD(aeh: R P-twcImn occidit. ün- 

Ä „„L R V t W1 r , me - 6edichte ~ H - V - »SO - die 
vciwundung Hektors durch Menestheus erwähnt Wir werden 

schw ;r> wennlucb nicht «^cT^undet SfveT 



B. V. 10021: n v QA „ 

Uli espie tint d'aeier treuchaiit nt.. *r f* , , 
Et lasse corre ^^^±TJ=T 



Li a IWc^esmaüüe, And with a spere he yede hin, ny* 

Kaie i ot grande et merveillose. And smote sir Ectour J,orough b e 

thygh. 



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39 



B. V. 10040: H. V. 951: 

. . . enpres 50 qu'en Tot navre, Ector seth bis blöde ryn down 
En ociBt plus que de devant, And wexith egre as ony lyon 

Müliers , si com gie truis liaant, He gynnyth to sie with dilfull dynt 
Eu a lo jor mort de ses mains. (And) thowsaund men er euer he 

stynt. 

Dares sagt kurz — s. Kap. XIX — M. Hectori femur 
sauciat, saucius quoque niulta milia occidit. Nach Dares wird 
der Tod des Patroclus durch Hektor und dessen Verwundung 
durch Menestheus nur durch den Kampf zwischen Meriones 
und Hektor getrennt, während wir bei B. eine grosse Anzahl 
von Zweikämpfen an derselben Stelle vorfinden. Der me. Dich- 
ter hat sich hinsichtlich der Aufeinanderfolge der Thatsachen 
aus Liebe zu einer möglichst knappen Darstellung dem Dares 
angeschlossen, während die Schilderung Spuren der französischen 
Vorlage aufweist. 

Im me. Gedicht folgt der Verwundung Hektors durch 
Menestheus die des Menelaus durch Paris — H. V. 955 u. ff". 
Die Scene ist in wenigen Worten, aber in echt dramatischer 
Weise dargestellt, und dieser Umstand verrät den Einfluss B.'s. 
Nach B. V. 11449 u. ff. sprengt Menelaus mit hundert Rittern 
gegen Paris, der, ein guter Schütze, unbemerkt und unbehelligt 
viele Griechen tötet. B. schildert hierauf den Hass des Menelaus 
gegen seinen Erzfeind — B. V. 11453: S'entente a mise 
Menelax — — De lui grever et entreprendre — Sa ferne Ii 
quide chier vendre — L'ame del cors Ii quide traire — 

Mes alques Ii est grief ä faire. Volontiers Tocireit 

sanz faille. Paris ruft ihm zu — VV. 11465—70: „Verfolge 
mich nicht, sonst werde ich auf dich schiessen." Er verwirklicht 
alsbald die Drohung und verwundet Menelaus durch einen Bogen- 
schuss am Schenkel. Der. me. Dichter ändert nun die Dar- 
stellung dieser Scene dahin, dass Menelaus seinem Hasse gegen 
Paris in Worten Luft macht, indem er denselben auffordert, 
Helena herauszugeben, und droht, ihn töten zu wollen. Paris 
will zuerst den Zweikampf mit Menelaus aufnehmen, findet es 
jedoch einfacher, einen Pfeil auf jenen abzuschiessen. Menelaus 
wird an der Schulter verwundet. Der Schluss der Scene ist 
in beiden Gedichten derselbe. Menelaus sieht sich gezwungen, 
vom Rosse herabzusteigen, damit ein Arzt den Pfeil heraus- 
ziehe und die Wunde verbinde. Nach B. geht Menelaus dann 
wieder ins Gefecht. Dasselbe ist im me. Gedichte nur zu ver- 
muten. Behufs Vergleiches lassen wir hier diejenigen Verse 
folgen, welche die Verwundung des Menelaus zum Gegen- 
stande haben — 

B. V. 11471: H. V. 966: 

Une saiete a encochiee, And drewe an arowe vp to |>e hoke 



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40 



11473: 

Bien l'a et trait d'aYr, And shet it to J>e kyng anon 

Menelax fiert, et navre et plaie 

De la coisse Ii sans Ii raie. It fley J,orow hie ehulder bon. 

Menelaus steigt vom Rosse herab — 
11482: 

.. f« estanchiez, A leche anon the arow ont drow 

Et remontez ... And helid ^ kyng 

Eine ähnliehe Schilderung findet sich bei B. V. 9726 u 

AuaulT f™ J' arC entei8e - D ' une saiete °«"e - 
Auques en cbar por la coste. 

„, *j* t T , otcn . ist das Schlachtfeld besät. Der Streiter Zahl 
schwmdet derarüg, dass der Kampf aufgegeben werden M , 

B. V. 10059: H. V. 979: 

U jor tat «as de la bataille, And whanne J>e pepill begänne to 
En co ne polst aveir faille, V *Tl 

Ouant Destinee ne lessa y 



Qui cels de Troie querreia. 



Thanue departed {,at batayle. 



«md^TZ^It ü i0ht de " Bericht deiner Schlachten, 
sondern ganzer Jabre geben - s. H. V. 869, VV. 906-7 

f T't es *r 

stellt - s H VV 82? fift n S " YordQr g™** S e " 

vorrlgenasten H;.d p " nd PaHs Sind wicdCT ™ 
ffit^T; ^otesilaus und Patroclus werden von 

Den Sefelat J«rT P^-.T Menesthe " 8 »chwer verwundet, 
der Dar Ste lhinJ m n" Paris - Nicht bloss Kürze 

S o„der a : eh dl Ä *1 *" V ° rIagen i8t auffalIe ^ 
gang seiner V l. der me - Dicnter d ™ Gedanken- 

vorausgreift Tei TV"*' «^h, ^em. er teils 

früir g ereinet Z v ^k 61 ™ läSSt > wa9 sict andersw ° 

eine Thatsache ^ VerWUndun S d <* Menelaus ist nach B. 

Jahre D 6r te Diot"" T*" FeIdscMa ^t oder dem vierten 

verschmnl,«, n ,„ ter nat s0 <nit zwei Schlachten zu einer 

Schlacht dt griechischen e ^ 01 : der QUn fo, e 6nden 

diesen den AuXrtch xr V ° r Menelaus k ~ und 

Ausspruch thun _ H. VV. 989-98, dass das 



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41 



Hauptziel der kommenden Schlacht die Vernichtung Hektors 
sein müsse. Erst nachdem diese erfolgt sei, dürften die Griechen 
auf eine siegreiche Beendigung des Krieges hoffen. Die That- 
sache ging aber ursprünglich der Verwundung des Menelaus 
voraus, indem besagte Versammlung — nach B. V. 10864 
u. ff. — nach Beendigung der dritten Feldschlacht stattfindet. 
Man vergleiche auch Dares, XX u. XXI. Nach B. V. 10930 
äussert Agamemnon, dass er Achilles für den ebenbürtigen 
Gegner Hektors halte. Achilles versichert, dass seine ganze 
Kraft der Vernichtung des Gewaltigen geweiht sein solle. Ein 
Gleiches kann an der entsprechenden Stelle des me. Gedichtes 
gar nicht erwartet werden , da Achilles überhaupt — und 
zwar planmässig — noch nicht erwähnt worden ist. Der Ritter 
Palamedes — H. V. 1000 — entgegnet auf die Ansprache des 
Menelaus — wir erinnern daran, dass derselbe im me. Gedicht 
immer die leitende Persönlichkeit ist — dass nur er den Mann 
kenne, der Hektor zu fällen vermöge. Es folgt somit — bis 
H. V. 1156 — die Achillesepisode, deren Besprechung dem 
zweiten Teile unsrer Abhandlung zugewiesen werden muss. 
Der Schluss der Episode — s. H. 1135 u. ff. — greift natürlich, 
um das Fortschreiten der Handlung zu ermöglichen, auf den 
Punkt zurück, der die Einschiebung der Episode veranlasste, 
auf die Ansprache des Menelaus an die Fürsten, die nunmehr 
zu einer Ansprache an Achilles wird, ihrem Inhalte nach aber 
dieselbe bleibt. Die Antwort des Achilles — H. V. 1150 u. ff. — 
entspricht ihrem Sinne nach vollständig dem, was nach B. V. 
10943 u. ff. jener dem Agamemnon entgegnet. Dieser Umstand 
ist nun für uns ausserordentlich wichtig. Denn Dares weiss 
am Schlüsse des K. XX, wo er die Ansprache des Agamemnon 
an die Fürsten erwähnt, durchaus nichts davon, dass sich der 
König an Achilles im Besonderen gewendet habe. Der Ein- 
fluss der französischen Vorlage liegt somit hier offen zu Tage. 
Man vergleiche ferner folgende Verse, Worte aus dem Munde 
des Achilles — 

B. V. 10957: H. V. 1150: 

Tres bien poez de n saveir That I may I wol doo 

Que mon enging et mon poeir Be the trowth that is myn. 
I metrai tant que mort le rende. 

B. lässt den Achilles in seiner Klage um Patroclus u. A. 
ausrufen — 

B V. 10298: 

Bien sache Hector, si gie le truis, The first batayle J>at he cometh ione 

1154: 

Qu'il ocirra mei, ou gie lui. He shall me slee or I will him. 



42 



Zu bemerken ist, dass nach B. Achilles in seiner Antwort 
auf die königliche Ansprache auch des von Hektor getöteten 
Patroclus gedenkt. Es ist also möglich, dass dieser Umstand 
den me. Dichter veranlasste, die Klage des Achilles nochmals 
zu lesen, obgleich er der Freundschaft zwischen diesem und 
Patroclus nirgends Erwähnung gethan hat. 

Der übrige Teil des me. Gedichtes zeigt stärkere Ab- 
weichungen von der Darstellung der Vorlagen, als der der 
Achillesepisode vorangehende. Dazu befleissigt sich der me 
Dichter mehr als sonst der Kürzung, die im Hinblick auf 
beide Vorlagen kühner nicht sein kann. Wenn B. von der 
Verwundung des Menelaus durch Paris — B. 11475 — bis 
zum Tode der Polyxena — B. V. 26443 — noch gegen 
15000 Verse braucht, umfasst der der Achillesepisode folgende 
Teil des me. Gedichtes — H. VV. 1157—1897 — bis zum 
Tode der Polyxena nur 720 Verse. Der me. Dichter hat B.'s 
grosse Gemälde der 5., 6. und 7. Schlacht — B. V. 11549- 
V. 14552 — vollständig fortgelassen. Von dem Liebesver- 
hältnis zwischen Troilus und Briseida — B. VV. 13235—831 — 
von der Chambre de Beaute" — B. VV. 14583—892 — vom 
verliebten Diomedes — B. V. 14927— V. 15112 - ist im 
me. Gedichte keine Spur vorhanden. Nachdem der me. Dichter 
erzählt hat, dass sogleich nach der Ankunft des Achilles im 
Lager der Griechen der Kampf wieder eröffnet wird, macht 
er uns alsbald H. V. 1161 u. ff. — mit dem ahnungs- 
vollen Traum der Andromacha bekannt, der bei B. V. 15203 
u. ff. mitgeteilt wird. Auch hier hat der me. Dichter möglichste 
Vereinfachung angestrebt. Andromacha bittet Priamus, Hektor 
nicht an der Schlacht teilnehmen zu lassen, da ein böser Traum 
sie um das Leben des geliebten Gatten besorgt gemacht habe. 
Hektor meidet auf des Vaters Wunsch ohne Weiteres den 
Kamp _ H. V. 1161- V. 1175. B. hat dieser Scene im 
Anschluss an Dares, XXIV, eine Anzahl andrer Scenen voraus- 
geschickt. Andromacha erzählt zunächst dem Gatten selbst 
den Traum und sucht jenen, jedoch vergebens, vom Kampfe 
zurückzuhalten: B. VV. 15225-75. Hektor gerät in Wut, 
als sein Vater auf Anregung der Andromacha ihn bittet, dem 

Ä ST Z bl6,ben ' Und le # die Rüs ^g an - B. W. 
ibdld-dl Mutter und Schwestern, selbst Helena stimmen 

lXt m J l t B f « dei '^ dr °*acha - B. V. 15360 u. ff. Diese 

G ^ ten Um Erbarm ™S an, indem sie den 
«ch nf J°V ? mederle ^ - B. V. 15393 u. ff. Als das 
Prilr n l t tQ h wiederholt persönlich ihre Bitte bei 
HeZr 7 m V ' 15430 U ' * - ^ dessen Wunsch endlich 

Et^ vom Rosse steigt und zu Hause 



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43 



In der verkürzten Darstellung des me. Dichters finden 
sich einige Anklänge an die französische Vorlage. 

Andromacha ist dem Gatten mit innigster Liebe zugethan. 



B. V. 15191: 
Molt iert leiax vers son seignor, 

Et molt Fama de grant amor 

B. V. 15340: 
Molt fet grant duol et angoissox; 
15345: 

Merci Ii crie molt sovent. 



H. V. 1162: 
That lovede her lord as her lyfe. 
Sie kommt zu Priamus: 

Wepyng and cry(y)og on hy 
Sir Priamus merci I cry. 



Sie erzählt den Traum Hektor, bez. Priamus, und schliesst 
mit der Bitte, Hektor möge dem Kampfe fern bleiben. 



H. V. 1165: 
Too nyght abowte mydDyght 

In my swevyn I sey a syght 



Sir Ectour my lord to batayle goth 
He shall be slayne with dolful deth 

1170: 

Lete him dwell at home with me. 



B. V. 15208: 
Li Deu Ii ont fet ä saveir, 
15210: 

Par signes et per visions 
15212: 

La nuit ainz qne venist le jor: 
15215: 

S' Hector s'en ist a la bataüle 
Ods i estera sans faille, 
Ja ne porra del champ issir. 

Zu Priamus: 
Va, sire, tost, et si'l retien. 
Priamus zu Hektor: 

B. V. 15495: 
Bialz filz, fist 0, vos remandreiz, 

B. V. 15498: 
... des Dex de la nostre lei, 
Te conjur, et te faz deviö 
Que n'isses fors . . . 

15504: 

. . . n'istras de ceste cite. 

Hektor nimmt also auf des Vaters Wunsch zunächst nicht am 
Kampfe teil. Von H. V. 1176— V. 1200 wird eine zusammen- 
hängende Schilderung einer zweitägigen Schlacht gegeben. Der 
me. Dichter aber behauptet — s. H. V. 1179 — dass der 
Kampf vierzig Tage gewährt habe, und entwirft hiervon 
— H. bis V. 1200 — ein oberflächliches Bild: Die Ritter, 
aus dem Sattel gehoben, werden von den Rossen über das 
Feld geschleift, indem sie mit dem Fusse am Steigbügel hängen 
bleiben. Da werden die Helme vom Haupte geschlagen oder 
durchhauen, Speere und Schilde verstochen. Gross ist die Zahl 
der Toten und Verwundeten. Vom Blute rot erscheint das 
Gefilde. Soviel muss zugegeben werden, dass der me. Dichter 



H. V. 1172: 
Ector sone on my blessyng 

Be here with J>y lady hynde. 



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44 



das Gemälde in seinen Umrisseu bei B. an zahlreichen Stellen 
vorfinden konnte, von denen wir nur zwei zum Vergleiche 
heranziehen. In der Schilderung der dritten Schlacht lesen 
wir hei B. V. 10574 u. ff. — 

B. V. 10574: 
Parmi les eseuz ä peinture, 
10577: 

Et parmi les broines safrees 

H. V. 1185: 

Sont les lances enastelees, Many a spere and many a sheld 

Qu'andui chairent en l'erbei. ffley abowte in to he feld 

10588: F 
hialmes vert gemez 

1183: 

I ot senpres escartelez, Many an helme j)ere was of wevyd 

Si qu'ä mains perentles cerveles, And many a basnett \>ere was cleved 

1182: 

Et que morz trebuchent des seles. Good knyghtis be her styroppis 
Par grant ire se sont requis, hyng. 

1195: 

Assez i en ot des ocis. Many a doughty man in he feld 

Layne j)ere slayne vnder shelde. 

Eine ähnliche Stelle findet sich bei B. in der Schilderung 
der achten Schlacht B. V. 15557: Brisent lances, percent eseuz 
— Et par haubercs . . . Froissent lances et enastelent — 
Et cors de Chevaliers desselent. 15570: Tant i a des morz 
et des navrez — Que toz Ii chans en est joinchiez. 

Wenn der rae. Dichter sagt, dass die Schlacht vierzig 
läge hindurch angehalten habe, so hat er uns nur die zwei 
letzten Tage schildern wollen. 

Als Achilles vernommen hat, dass Hektor sich nicht auf 
dem Schlachtfelde befindet, wird er den Trojanern verderblicher 
als zuvor - H. V. 1201 u. ff. — B. V. 15824 u. ff. Er 
tötet einen „Erle of Troy« — H. V. 1205 u. ff. — den 
königlichen Prinzen Margariton — B. V. 15768 u. ff., den 
Dares nicht kennt. Die Trojaner mit ihrem Könige an der 
bpitze fliehen. Hektor, welcher diesen Vorgang von einem 
lurme herab beobachtet, macht sich Vorwürfe, dass er sich 
„durch den Traum eines Weibes« habe verleiten lassen, dem 
Kampfe fern zu bleiben — H. V. 1219 u. ff. — B. V. 15943 
u. ü. B. spricht jedoch nur von der Entrüstung Hektors. 
Uie Bemerkung, dass ein Traum die Niederlage der Trojaner 
verursacht habe, legt B. in den Mund des Trojaners Polydamas, 
der sich Troilus gegenüber beklagt, dass Priamus Hektor von 
der Teilnahme am Kampfe abgehalten habe, er schliesst: 



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45 

B. V. 15619 : 
N'oi" mes dire, ne conter, 
Que Chevaliers lessast porter 
Armes, por songe et por alue. 

Hektor legt die Rüstung an , steigt zu Ross und eilt aufs 
Schlachtfeld — 

B. V. 15958: H. V. 1227: 

Ea son chief a son hialme assis. He armith him in stelyn wede — 
15970: 

Monte el cheval l'espee ceinte, And leppe vppon a nobill stede 
Son escu prent, et si s'en ist. He priketh forth with all his mayn. 

Auf dem Schlachtfelde entfaltet Hektor seine ganze Helden- 
kraft. Den Mittelpunkt der Schlacht bildet der Kampf zwischen 
Hektor und Achilles — H. V. 1239 — V. 1266. In der 
Darstellung desselben schliesst sich der me. Dichter an B.'s 
Schilderung eines Zweikampfes zwischen denselben Helden in 
der dritten Feldschlacht an, indem er die Helden ihre Rollen 
vertauschen lässt. 

B. V. 10646: 

Achilles H. V. 1243: 

Hector a fem en tres hait ffirst Ector Achilles smotte 

Dens si granz colps qne toz chan- 

cele, 

Por un petit ne guerpi sele. That in his sadell onnethis he satte 

Hector s'irest de maltalent, And Achilles with all his mayne 

L'espee trait o le cler brant, On Ectonrs helme he smote agayne 

Tex treis l'en a sor 1'ialme assis 

Que tot en a sanglant lo vis. So hard he smote . . . 

That al his helme shon fyre. 
Der Darstellung des me. Dichters zufolge versetzt dann C 
Hektor dem Achilles einen Hieb durch Schild und Panzer hin- 
durch , Achilles zerschlägt dem Hektor Schild und Helm. Der 
zweite Teil des Kampfes ist somit eine umgestaltende Wieder- 
holung des ersten. Der Zweikampf bleibt unentschieden. Die 
hereinbrechende Nacht trennt die Streiter. Aber schon am 
folgenden Morgen wird der Kampf wieder aufgenommen. Der 
Mittelpunkt der Schlacht ist der Kampf Hektors mit dem 
Griechen „syr Annys", dessen Tod den des Siegers im Gefolge 
hat. Die DarsteUung schliesst sich z. T. an die B.'s an, in- 
dem sie für B.'s Politenes — Annys setzt: 

H. 1274: 

A lord of Grece of grete renown 

B. V. 26105: 

P. esteit uns das, That was called syr Annys 

16108: 

Molt ot grant force et grant valor, He was a man of moche prise — 



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16110: 



Et molt aveit riche conrei, 



He was atyred in good armour 



16113: 



D'or et de pierres precioses, 



Resplendissanz et merveilloses, 



That shone as gold and asure 

The Leime was . . . 

Isette abowte withprecious stouys. 



Furent si garnement covert. 

Der me. Dichter setzt also für garnement — helme. 
Ferner macht er die Edelsteine namhaft : rubies , safers orientall, 
Cassedowns — H. VV. 1181 — 2. In ähnlicher Weise schildert 
der Dichter späterhin den Helm des Achilles — H. VV. 1493 
u. ff. — Nachdem Hektor Politenes — Polypoetes : Dares XXIV 
— bez. Annys, getötet hat, steigt er vom Bosse, um jenem 
die prächtige Rüstung abzunehmen — 



In diesem Augenblick wird Hektor von Achilles an- 
gegriffen und getötet. Nach B. geht die Sache nicht ganz so 
schnell. Achilles wird zunächst durch Hektor schwer ver- 
wundet. Nachdem er sich die Wunde hat verbinden lassen, 
steigt er wieder zu Ross und sprengt wieder gegen Hektor, 
der zu Fuss mit einem Griechen kämpft. Achilles stösst dem 
Hektor das Schwert in die Brust, welche augenblicklich nicht 
durch den Schild gedeckt ist. Priamus und die Trojaner 
fliehen. Der me. Dichter beschliesst seine Schilderung mit 
folgenden Worten: H. V. 1297 u. ff.: And lyght of day be- 
gänne to fayle — And thus departeth that batayle — They 
of Troye gone (to) town — And they of Grece to pavylion 
— Treuws J)ey toke for that dede — Twelf month be botheyrs 
redde — And fer whyles J>e kyng füll wyde — Gadered more 
folko be eueri s y de. Diese Verse sind fast wörtliche Wieder- 
holung der W. 979—86. Sie sind im Anschluss an B. ent- 
standen, welcher am Ende der Darstellung der dritten Feld- 
schlacht sagt — B. V. 10847 u. ff.: Por l'oscurte de l'anui- 
tant — Se sont departi aitant. — Li jorz faillit et vint la 
nuit: . . . Vers la cite* vont Tro'ien . . . Et as herberges Ii 
Grezcis. 

Aus dem Vorstehenden haben wir ersehen, dass der me. 
Dichter B.'s Gemälde der dritten und achten Schlacht — - 



B. V. 16125: 
Tot le fendit dessi qn'as denz 
B. 16126: 



H. 1286: 
Bothe helme and he de of he sraette 

H. V. 1288: 
Sir Ectour sey f)at ryche atyr 



Et qnant il vit les garnemenz 
Si riches, et si preciox, 
Molt fu de l'aveir coveitox 
Oster les Ii voleit et traire. 



And ther to had grete desyre 
The helme to take adown he 

stopeth. 



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47 



s. B. V. 10561 u. ff. und V. 15548 u. ff. — zu einem ver- 
schmolzen hat, während er B.'s Darstellung der vierten Schlacht 
zum grössten Teil, die der fünften, sechsten und siebenten 
Schlacht vollständig fortgelassen hat. 

Tiefe Trauer herrscht in Troja um Hektor, der glänzend 
bestattet wird — H. V. 1305 u. ff. Priamus, vom Schmerze 
überwältigt, sinkt ohnmächtig zusammen — H. V. 1321 — 2. 
So auch bei B. V. 16308 u. ff. : Sor lui se vait Prianz pasmer 

— Sor lui se gist reides et freiz — Sor lui se pasme tantes 
feiz — Que il n'en ist funs ne aleine. Uns ein Bild von der 
glänzenden Bestattung Hektors , B. VV. 16527—810, zu 
geben, erspart sich der me. Dichter. Auch weiss er nichts 
davon, dass bald nach dem Begräbnisse eine grössere Schlacht 
stattfindet — B. bis V. 17457 — sondern er beeilt sich, uns 
mit der Liebe des Achilles zur trojanischen Königstochter 
Polyxena bekannt zu machen. Er lässt unerwähnt, dass die 
Trojaner den Jahrestag des Todes Hektors durch eine Prozession 
nach dem Grabe des Helden , das sich ausserhalb der Festungs- 
mauer befindet, festlich begeben, dass bei dieser Gelegenheit 
A einlies Polyxena zu sehen bekommt. Der nie. Dichter lässt 
an einem unbestimmten Tage Polyxena einsam klagen am 
Grabe des Bruders. Die Klage erinnert uns an die der Helena : 

H. V. 637: V. 1330: 

But £e Quene weped sore She weped and wrong hir hondis . . . 

640: 

She wepis and wryngis euer more V. 1339 : 

Her heer She all to drewo here ryche gere 

She to drowe and her nobill atyre She rent here vice and tare her 

her 

V. 1342 : 

Alas 1 am to long on lyfe And seyd to longe in me last lyf 

V. 1335: 

Why nyll myn hert breke on fyve . . . ny her hert brak in too 

V. 1345: 
Soche dole she made and pyte. 

Kurz zuvor lesen wir — H. V. 1313: ... all the folke 
of the Cete — Weped and for him made grete pete — And 
sir Priamus .... Wepes and sorouwes nyght and daye — 
He wrong his handis and drewe his here — Alas he seyd . . . 
Why nylle myn hert breke on too. 

B. sagt von der klagenden Andromacha — B. V. 16422: 
. . . Ii ont la chiere arosee. — Molt s'est malmise et enpeinee, 

— Tote lassee et depeciee; — Toz ses chevels a esrachiez, 
dazu H. W. 641—2; 1339—40. Achilles verliebt sich so- 

in die schöne Polyxena - — 



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48 



B. V. 17522: H. V. 1343: 

La grant bialtez et la facon, Achilles behalt ryght 

Qu' AchiUes vit en la pucele, p at may j,at was soo redy and 
Le cuist el euer de l'estencele b J 

Que ja par lui n'en ert esteinte, The lere of her he taS be 

17632: j 
. . . Ii face mortal plaie. That nygh his hert all to ryve 

Achilles wirbt sogleich durch einen Boten bei Priamus um 
die Hand der Polyxena und verspricht, ewigen Frieden herbei- 
fuhren H. bis V. 1362. Priamus und seine Söhne er- 
teilen abschlügigen Bescheid _ bis V. 1376. Die Koniein 
aber sagt dem Achilles die Hand ihrer Tochter zu unter der 
Bedingung dass er das Versprechen thatsächlich einlösen 

W H," .K S « 1382 - ^eben d^n, dass die Darstel- 
lung derse ben Scene sowohl bei B. wie bei Dares viel ver- 
wickelter ist, unterscheidet sich von derselben die de me 

Botl A Kn^" 1 ^. dUrCl1 de " Umstand - d *<" Wer Z 
Bote des Achilles sein Anliegen vor versammeltem Hofe vor- 
tragt, wahrend dort die Werbung bei der Königin Heeuba an- 
geb aeht wird die das Weitere mit ihrem Galten bespricht. 

DmJ2te£f T n k VOrlaffCU AM W ^ einer 
Umgestaltung? Ln Hinblick auf Dares müssen wir diese Frage 

v^neinen. Dagegen giebt »ach B. V. 17825 u. ff. Heeuba 

IT f r ! Um vorläu % e » Bescheid, dass sie ihm eine ent- 

„nd P» t D - WOrl LT?' ertei,en kÖDne ' be ™' «• mit Priamus 
W t \ t Rucksprache genommen. Die Entscheidung 

vordem! n r ht r, V ° m WÜlen des K ° ni S*. somten „J 
Tme G P dT,U°T n e " P,i , nZen ab - Die Antworten, welche 
ünd seinen ^ erbält ' «ine ablehnende von Prumu. 

Dolol i. ™> Heeuba, sind aus der 

zu eÄn g n ^^'T' des P ™™ » den Vorlagen 
ü VV oo, ,r TeU d6r entsprechenden Rede bei B. 
Teil bi« v 17Q.T trägt einen ^"einenden, der zweite 
Hs L dT™. r uj r ^~ einen "elenden Charakter. Die 

^"vS" ScWnSSe SeiBer E ede _ Heeuba spricht: 



Et ne porqnant s'il le pnet faire If h. ™n H ' T' X , 38 °L, 
Que Griu se metent el repaire dmbto P6eS 

De Im sera pta et de nos, 
17939 - 

M& Wie'nun'b " „ He " h&U h ™ my dowter fre. 

ist im me Gedichte die E ff? de ° so 

Gedichte die Entschemung der Heeuba massgebend. 



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49 



Weiterhin erlaubt sich der me. Dichter hinsichtlich seiner Vor- 
lagen immer grössere Freiheiten. Dem Achilles gelingt es 
leider nicht, sein Versprechen einzulösen und zum Ziele seiner 
Wünsche zu gelangen. Während aber nach B. V. 18125 u. ff. 
Achilles vor den versammelten Fürsten den Friedensschluss 
befürwortet, ohne dabei seiner Leidenschaft Erwähnung zu 
thun, während die Mehrzahl der Fürsten ihm widerspricht, 
spielt sich im me. Gedichte der entsprechende Vorgang gleich- 
sam als Privatangelegenheit ausschliesslich zwischen Achilles 
und Menelaus ab, und jener bekennt ehrlich und offen seine 
Liehe zur Trojanerin — H. V. 1388 u. ff. Menelaus besteht 
jedoch auf der Weiterführung des Krieges. Die Sehnsucht 
nach der Geliebten und der Zorn gegen seine Landsleute halten 
Achilles auf längere Zeit von der Teilnahme am Kampfe zurück 

— H. VV. 1409—22. Dass der me. Dichter den Liebe- 
schmerz des Achilles — H. W. 1410—20 — zu schildern 
versucht hat, scheint uns für den Einfluss B.'s zu sprechen, 
der denselben Gegenstand mit sichtlicher Vorliebe behandelt 
hat — s. B. V. 17515 — V. 17715; V. 17978 u. ff. Doch 
nur wenige Verse lassen sich zu einem Vergleiche heran- 
ziehen. 

B. V. 17526: H. V. 1414: 

En son euer l'a escrite et peinte, Often he menys J>at lovesum May 
Ses tres clers ielz vers et son front. Here fayre semblant and lovely 

chere 

17635: 

Sis nes, sa face et sis mentons Here lovely vice here leppis swete 
Le resprennent 

17541: V. 1413: 

• . . ja n'ert mes ne nuit ne jor He drowpis and dares nyght 

and day 

1419: 

Qu'il ne sente les traitz d'amor. And J)US he syghyeth day and 

nyght. 

Der Kampf wird wieder eröffnet, der infolge der Abwe- 
senheit des Achilles einen für die Trojaner günstigen Ausgang 
nimmt. Paris und Troilus sind die Haupthelden. Dieser ver- 
wundet Menelaus und Agamemnon. Jener plündert mit seinen 
Mannen das Lager der Griechen. Es sind hier Thatsachen 
aus der 12. und 15. Feldschlacht des B. v. 18455 — v. 20330 
zusammengetragen. Die Reihenfolge derselben ist verändert. 
Die Verwundung des Menelaus — nach B u. Dares : Diomedes 

— Agamemnon — H. v. 1451 u. ff — hat der Plünderung 
des Lagers und der Verbrennung der Schiffe — H. v. 1456 
u. ff — zu folgen. 

4 



f 



50 



B. V. 18882: 

V. C. paveillons bona et biax 
Toz plains d'argent et de vaisselle, 
I ont gaaignie eil dedenz, 

18890: 

Si out les nös fet aluiner. 
18894: 

En i arstrent plus de V. C. 



H. V. 1466: 

And Alysaunder robbed hir pa- 

uelyous 

Of grete hors and good armour. 
1458: 

And thre hundred shyppes be 
sette on fyre. 



Dagegen berichtet B. die Verwundung des Diomedes und 
Agamemnon durch Troilus erst V. 20066 u. ff. und V. 20123 
u. ff. Dass Menelaus verwundet wird, weiss auch B. Doch 
erwähnt er nicht, dass dies durch Troilus geschehen sei. 
Letzteres schloss vielleicht der me. Dichter aus dem Umstände, 
dass B. im Laufe der Schilderung der 15. Schlacht die Namen 
Diomedes und Menelaus neben einander stellt, so 1) V. 19963: 
Diomedes et Menelax — Ront grant plante de buens vassax. — 
2) V. 20185: Diomedes et Menelax — Cil ont plaies granz et 
mortax. 

Der me. Dichter weiss nun nichts davon , dass die Griechen 
sich alle mögliche Mühe geben, um Achilles zur Teilnahme 
am Kampfe zu bewegen. Vielmehr begiebt sich Achilles aus 
freiem Antriebe — H. V. 1459 u. ff — aufs Schlachtfeld zu 
Menelaus, und erkundigt sich höflichst nach dessen Befinden. 
Dieser dankt für die gütige Frage, klagt aber, dass er und 
sein Bruder verwundet worden seien, und dass ihr Heer eine 
schmähliche Niederlage erlitten habe. Beides komme auf Rech- 
nung des Trojaners Troilus, des besten der Helden. Achilles 
fühlt sich in seinem Ehrgeize gekränkt, nennt Troilus ver- 
ächtlich ein Kind und waffnet sich zum Kampfe — H. bis 
V. 1485. Also der Ehrgeiz treibt Achilles wieder in die 
Schlacht. Nur in diesem Punkte stimmt der me. Dichter mit 
B. überein, wenn er Achilles wieder in die Schlacht führen 
will. Im Übrigen ist er an dieser Stelle ganz selbständig 
verfahren. Nach B. lässt sich Achilles weder durch die Bitten 
noch durch die Niederlagen seiner Landsleute zur Sinnes- 
änderung bewegen. Als aber der Thatenruhm des Troilus 
immermehr wächst, als derselbe die Mannen des Achilles zum 
grössten Teil vernichtet und den Rest bis an das Zelt ihres 
Herrn treibt, da endlich greift dieser zu den Waffen. 

B. V. 21060: 

Isnelement, sans demorance, H. V. 1487: 

Gete son hauberc en son dous. And vpon him a nobil corset 
21063: 

El chief Ii ont son hialme assis. The helme vppon f)e hede is set 



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51 



21065: H. V. 1501: 

Mes montez est 61 misoldor, His sheld aboute his neke he cast 

Prist soii escn peint de color. And lepe to hors all in hast. 

Von dem prachtvollen Helme des Achilles — H. VV. 
1489—1500 — erwähnt B. nichts. Wir haben früher 48 ) darauf 
hingewiesen, dass der Helm zum Teil dem des Sir Annys 
gleicht, doch ist er noch prächtiger. Denn zu den „rubies 
and savers orientall" gesellen sich ausserdem „pipes of gold 
and ryche pery, Charbuncles, Peritotes." Der Helm hat sogar 
eine Geschichte. Hercules und Laomedon trugen ihn zuvor 

— H. V. 1490 u. ff. Wie der me. Dichter zu dieser Be- 
merkung gelangt ist, lässt sich nicht bestimmen. 

Als Achilles den Troilus zu Gesicht bekommt, fordert er 
diesen in trotziger, fast höhnischer Weise zum Zweikampfe 
heraus, zu dem sich Troilus bereit erklärt — H. V. 1507—16. 
B. weiss nichts hiervon. Die Schilderung des Zweikampfes 
ist für uns deshalb interessant, weil sich im Verlaufe derselben 

— H. VV. 1517 — 29 — der me. Dichter auf eine französische 
Vorlage beruft — H. V. 1522. Doch erweist sich diese Be- 
rufung im Hinblick auf B.'s Darstellung des entsprechenden 
Zweikampfes als unwahr. Jedenfalls hat der me. Dichter hier 
absichtlich mit seiner Quelle Versteck spielen wollen. Nach 
B. V. 21137 u. ff. verstechen die Streiter ihre Speere. Dabei 
stürzen sie samt den Rossen zu Boden. Achilles ist schwer 
verwundet und muss für diesen und den folgenden Tag vom 
Kampfe abstehen. In der nächsten Schlacht bricht das ver- 
wundete Ross des Troilus — B. V. 21403 u. ff. — zusammen. 
Da eilt Achilles herbei und tötet Troilus durch einen Hieb 
auf das entblösste Haupt. Im me. Gedicht ist der Zweikampf 
von Anfang an ein Schwertkampf und endigt mit dem Tode des 
Troilus. Achilles schlägt zunächst den Helm des Gegners in 
Stücke, dieser zerhaut den Schild des Achilles. Lange bleibt 
der Kampf unentschieden. Endlich bringt Achilles dem Gegner 
einen tödlichen Hieb auf die Brust bei. Die Darstellung zeigt 
nicht den geringsten Anschluss an die entsprechende bei B. ; 
vielmehr ist sie der Darstellung des Schwertkampfes zwischen 
Hektor lind Achilles — H. V. 1246 u. ff. — nachgebildet. 44 ) 
Für diese aber haben wir den Einfluss B.'s nachgewiesen. 

Achilles macht hierauf noch viele edle Trojaner nieder 
und verfolgt die fliehenden bis an die Mauer — H. bis V. 
1538. VV. 1531 — 6 = VV. 1205—10. 

Hecuba betrachtet Achilles, den Mörder ihrer Söhne, als 
einen Verräter und beschliesst auf verräterische Weise an ihm 



43 ) s. S- 46. 
**) s. S. 45. 

4» 



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52 



Rache zu nehmen. Zu diesem Zwecke setzt sie sich in Ver- 
bindung mit Paris. 

B. V. 21804: 
Un jor commenca ä penser, 
Com seroient si fil vengie 
Del traitor, del reneie, 
Qui les a si morz et toleiz. 



B. V. 21814: 
Paris a fait ä sei mander. 
21828: 

Mes preier te voil une rien: 
21885: 

Filz, fai le desirrier ta mere, 
Si que soient vengiö ti frere. 



H. V. 1546: 
Bnt I of him be awreke 
Achilles £at tretour that thef 
Hath slayne my sones J)at were 

me soo leef. 
H. V. 1548: 
Alisaunder sone come too me 

ffor my love I prey now J)e 

On niy blessyng doo after my rede 
Awreke J>y brodren J)at ben dede. 
Paris bedauert, den Wunsch der Mutter nicht erfüllen zu 
können, da Achilles unverwundbar sei — H. bis V. 1557. 
Die Mutter aber teilt dem Sohne mit, dass Achilles an den 
Fusssohlen verwundbar sei, dass er somit auf hinterlistige 
Weise umgebracht werden könne. Hierzu biete den Weg die 
Neigung des Achilles zu Polixena. Von der Unverwundbarkeit 
des Achilles weiss B. nichts, sondern ihre Erwähnung an dieser 
Stelle erklärt sich aus der Achillesepisode des me. Gedichtes. 
Im Übrigen ist der Einfiuss B.'s noch erkennbar. Hecuba 
spricht zu Paris über Achilles. 

B. V. 21862: 
Pramis nos a et affiiß, 
Que ta serors prendrot ä fenne, 

V. 21868: 
Et molt m'en a fet grant preiere. 
21876 : 

Gie Ii voil trametre un message, 
Que il vienge parier ä mei 
21881 : 

Dedenz le tenple Appollinis. 
Der Bote sagt zu Achilles — 
B. V. 21939: 
(Hecuba) Vos maude et dit que 

vos vengiez 
Dedenz lo tenple Appollinis 
Et Polixenain au cler vis 



H. V. 1667: 
He hath desyred many a day 

To wede J>y suster . . . 

Therfore I will to him sende 

That he in too our temple wende 



Doura k vos en mariage. 



H. V. 1571: 
And (A.) wedde £y suster with 

. grete honour 
Dame Pollexene as whytte as flour. 



Hecuba befiehlt dem Paris, im Tempel eine gehörige Zahl 
von Rittern aufzustellen, damit Achilles nicht entkommen könne. 



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53 

B. V. 21882: H. V. 1573: 

Et tu seies dedenz mis And therfore to J>e temple goo 

A tant de gent que ne t'estorce, With a hundred men or moo 
21891: 

Et tu garde qu'il seit ocis V. 1576: 

Et por riens nule n'eschat vis. Quyk or dede thathe (A.) benome. 

Paris führt den Befehl aus. Er nimmt auserwählte Leute. 

Hecuba weist ihren Sohn an — 
B. V. 22027: 

Conpaignons pren, des plus eßliz, H. V. 1578: 

Des plus vaillanz, des plus nar- Men of armes gadered of grete 

diz. renown 

22042: 

Pris a XX Chevaliers preisiez. An hundrid men {>at cowde well 

22046: fy(gn)te 
A l'anuitant se sont tnit mis 

Dedenz le tenple Appollinis. And did hem in to J>e temple be 

nyghte. 

Der Bote entledigt sich seines Auftrages knieend — 
B. V. 21926: H. V. 1587: 

Devant lui s'est agenoilliez And knelled adown and seyd J)us. 

21931: 

Cil Ii raconte son message. 

Hinsichtlich des Inhaltes der Botschaft hat sich der me. 
Dichter einige Abänderungen und Zusätze erlaubt. Zunächst 
ist es unlogisch, wenn sich der Bote für einen Gesandten des 
Königs ausgiebt — s. H. V. 1588 u. V. 1583. Zu den Zu- 
sätzen gehört die Bemerkung, dass Priamus zum Frieden ge- 
neigt sei, weil es ihm an Streitern mangele — H. VV. 1589 
u. ff.; dass Achilles beliebig viel Leute mit sich zum Tempel 
bringen könne — H. V. 1597. Gleichwohl erscheint die 
Rede im Hinblick auf B. VV. 21932—70 bedeutend verkürzt. 
Im Üb rigen finden wir dieselben Gedanken wie bei B. 

B. V. 21946: H. V. 1589: 

Entr'als et vos n'aura mes ire. And sayde he (Priamus) nolde 

no more batayle — 
dazu H. VV. 1591-2. 

Es folgt die Einladung an Achilles, zum Tempel zu kom- 
men, woselbst er Polyxena zum Weibe erhalten werde — 
H. VV. 1593-4; dazu B. V. 21939 u. ff.; s. vorige Seite. 
Dass Achilles mit der Königstochter zugleich das Königreich 
empfangen werde — H. V. 1595 — erwähnt B. nicht. 
Achilles soll sich eidlich verpflichten. 

B. V. 21964: H. V. 1598: 

Ainz que d'elz seiez departanz And come to J>e temple sekernesse 
Sereiz tuit un par serement. t0 make - 



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54 



Er soll sich beeilen. 

n . *V.M9B7: H. V. 1596: 

Demam ä seir sanz demoree . . . 8pede t he leve m 

Vos mande et dit que vos vengiez. 

und ar£ä 6 He ™ ei e™e ist Achilles leichtgläubig 

B. V. 22074: H y lm . 

Ne redete nnl feien plait, He wist nehyng of bis tresen 

Ne dota penl, n'eneonbrier, Ne of her f^e eeuepiraceun 

1604* 

Qu' Amors Ii fönt lo sens changier. For he loved that may in herte. 

Achilles macht sich sogleich auf den Weg. Er legt fest- 
liches Gewand an — H V IfiO*. «ff 7 a s & • 
h* a tu n « . i 0UÖ u * ö * ~~ Wlrft einen 

kostbaren Mantel über. Diesen erwähnt B. erst bei Gelegen- 
heit des Kampfes im Tempel - B. V. 22134. Doch bemerkt 
auch B V. 22109 u. ff., dass Achilles und sein einziger Be- 
gleiter keine Rüstung anlegen, sondern sich nur mit dem 
benwerte umgürten. Nach B. V. 22120 findet Achilles den 
lempel leer, indem sich die Ritter versteckt halten. Der me. 
Dichter laset hierüber nichts verlauten. Aus dem Zusammen- 
bange erklärt es sich, dass im me. Gedichte Achilles im 
lempel niederkniet und so von einem Trojaner an den Fuss- 
sohlen verwundet wird. 

Im Übrigen ist der Anschluss an B.'s Darstellung deutlich 
bemerkbar. Als die Ritter mit Geschrei auf Achilles ein- 
dringen, umhüllt er den rechten Arm mit dem Mantel und 
greift zum Schwert — 

B. V. 22123: H. V. 1620: 

a Z Pa !V° nt a88aiUi Theknyghtisstertvponeuerysyde 
A une voix et ä un cri. 

And al j,ey leyden him vppon 

Onnn* A KOI ^ Cr * ed tret0Ur fr* 

Quant Achilles set et entent, Achil]es 

Son hr l« Z T Plainement * * ' * e bene tret °™ • • ' 

A bien ir \ ^ m0lt iSnel Ab °^ ht his harme his — 
A bien entors de son mantel, , th 

S'espee trait et lor cort sore tt* u * ^ 

Main* 1™ ß U. ' He dr0W P e SWerd and t0 hem 

Mamt lor en ocit en poi d'ore. swapeth 

n He wondid many . . . 

bei Betin« % C ^ 6r S""* den Ge ^rten des AchiUes gleich 
1630 TS l mpf6S fall6n - H ' V ' 1628 ' ™* Verse 
vort«7i a ?, W b6SSer auf die ^Igenden, als auf die 

A1S ° AchÜleS WUrde an Stell- verwundet 

und tötete sechzig seiner Gegner. Der me. Dichter macht 



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55 



folgenden Zusatz — H. V. 1632 u. ff.: Nachdem Achilles 
sein Schwert zerschlagen hat, verteidigt er sich noch lange 
mit der hlossen Hand. Diesem bricht er das Genick, jenen 
schleudert er zu Boden oder wirft ihn an die Wand oder zum 
Fenster hinaus. Aber der Blutverlust beraubt den Todes- 
mutigen zuletzt seiner Kräfte. Ohnmächtig sinkt er zusammen. 
Wir glauben liier den Einfluss B.'s bemerken zu können — 

B. V. 22154: H. V. 1630: 

Mes en mainz leus les — Achilles, In sexe stedes{)eyyaf him awounde 
Antilogus — ont plaiez, 

H. V. 1647: 

Li sans lor ist des cors & fais. The blöde out of his body ganne 
22157: swelle 

N'est merveilles s'il affeibleient. 

22164: H. V. 1650: 

Por lo sanc qui des cors lor raie. His hert blöde begänne to blede 

Falt lor Ii cners et espasmist 

He wax all feynt he moste nede. 
Als Paris das Ende des Achilles herannahen sieht, ruft 
er diesem siegesfroh zu — 

B. V. 22232: H. V. 1653: 

Mar ont par vos perdu les vies Now J>ou shalt J>y lyf forgoo 
Hector et Troylus nion frere, J>ow slow Ectonr . . . 
22235: 

Les vengerai de vostre cors. And Troyell broder lefe and dere. 

Er lässt den Leichnam aus dem Tempel schleifen: 
B. V. 22251: H. V. 1657: 

Fors del tenple les a gitez. And out of tbe temple he hira drow. 

Weiterhin befiehlt er, den Leichnam mittelst einer Schleuder- 
maschine hinüber ins griechische Lager zu werfen, damit ihn 
dort die Hunde fressen — H. V. 1658 u. ff. Solche Roh- 
heit findet sich bei B. nicht. 

Tiefe Trauer ruft das Ereignis bei den Griechen hervor — 
B. V. 22259: H. V. 1670: 

Quant Griu le sorent ... Sir Monaly of Grece J>e kyng 

22261 : 

One si grant dels ne fu veuz, Herith teile of [)is tyding 

22264: H. V. 1674: 

De duol plorent et de pitie\ He maketh dole and his füll woo. 

Die folgende Schlacht, ein Kampf der Rache, wird mit 
der denkbar grössten Erbitterung geführt. Wie der me. Dichter 
aus „bokes of gramer" — H. V. 1703 — wissen will, dauerte 
diese Schlacht zwölf Tage. Am letzten aber geschah grosses 
Unglück: Paris starb. Ein solcher Hinweis auf das Kommende 
findet sich auch bei B. in der Schilderung derselben Schlacht. 



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56 



B. sagt, dass Paris zornig das Schlachtfeld betreten habe und 
ruft dann aus: 

B. V. 22671: 

Halas! com fiere destinee - Li ert cel jor determinee. 

Die Schilderung des verhängnisvollen Zweikampfes zwischen 
Paris und Aiax _ H. VV. 1711-40 - ist im Anschluss 
an B. s Darstellung entstanden. Freilich hat sich der me 
Dichter eine Abweichung gestattet, indem er den Zweikampf 
zunächst zu einem Speerkampfe gestaltet. Der Speer des Paris 
bleibt im Leibe des Aiax stecken. In dem nun folgenden 
Schwertkampf erhält Paris einen tödlichen Hieb über die Brust 
Bei B. werden in dem entsprechenden Zweikampfe überhaupt 
keine Lanzen verstochen, sondern Aiax wird durch einen Bogen- 
schuss des Paris verwundet. Trotzdem gilt obige Behauptung 
wie aus dem nachstehenden Vergleiche ersichtlich sein wird' 
Der me. Dichter hat einfach für das französische saiete — spere 
gesetzt. Aiax kommt zum Lanzenbrechen auf Paris zugeritten 
Dieser durchschaut die Situation rechtzeitig, und sprengt nun 
gegen Aiax — - r & 

B.V. 22711: H. V. 1715: 

Une saiete a ^chiee, Alisaunder tak a spere forth f)anne 

Fem l'a bien et sanz faillir And madethe spere so in him glyde 

Parmi les deux costez l'enpoint. That J>e hede left in his syde 
22717: 

Cil a sentu le colp mortal Sir Aiax is hurt füll sore 

Adonques broche lo cheval. He come dryvyng Alisaunder ayeu 

22744: 

Molt Ii done fiers cols et granz. 

H. V. 1722: 
And smote a stroke J>at was on gayn. 
Bei B. erhält Paris den tödlichen Hieb ins Gesicht - 
B * V ' 22747 : H V 1723- 

DeT t fTi^ ^ Th ° r0W the 8held in *o ^ 

la pointe del brant molu. y 

22761: 

En la place chiet morz Paris. Alisaunder dyed at worddis Short. 

«™- Z ° B iI ri ^ Y ? em me - Dichter der b « B. unmittelbar 
vorausgebende Zwe.kampf zwischen Menestheus und Polydamas 
als Vorbüd ged.ent. Derselbe zerfallt in a) das Lanzenoreche» 

zumVsLf *XZ V\ T™^' der aber nicht 

ersten T„;} A- 1 „ halten 68 ffir angemessen, den 

paru„ T d eil Ait e8 :; Sffir dem Speerka ™ pfe — 



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57 



B. V. 22650: 
Menesteus vint esleissiez, 
L'escu al col, lance levee. 
Er durchrennt den Schild des 
Gegners. 
2265Ö: 

L'auberc Ii treuche et le samiz; 
Ne 1'ateinst pas el gTos del piz. 
Der Gegner erhält nur eine 
Streifwunde an der Seite. 



(Aiax) come dryvyng with spere 

and shelde 
Alisaunder tak a spereforth |>anne 



H. V. 1732: 
Toke vp Alisaunder and honie him 

bere 



Ayen sir Aiax fast he ryde begänne. 

Er verwundet den Gegner 
tödlich an der Seite. 

Der Leichnam des Paris wird von den Seinen nach der 
Stadt getragen. Priamus ist tief betrüht. Aiax hat noch 
soviel Kraft, sich nach seinem Zelte begeben zu können, stirbt 
jedoch daselbst, sobald man den Pfeil, bez. Speer, heraus- 
gezogen hat — 

B. V. 22780: 
Porte en ont lo cors Paris 
En la cite sor son escu. 
22828: 

Qie ne vos porroie retraire 
Lea merveillos dels et les granz 
Que de lui fait Ii reis Prianz. 
22759: 

Vers les tentes l'en ont men6 
22765: 

Si tost com il orent sachiee 
La saiete qu'ert entoschiee 
22768: 

Fenist tantost entre lor mains. Sir A. diede as he was dyght. 

Menelaus giebt seiner Freude über den Tod des Paris 
Ausdruck — H. V. 1741 u. ff. Denn er glaubt, dass nun- 
mehr die Trojaner, der besten Helden beraubt, vom Kampfe 
abstehen werden. Er lässt daher einen engen Belagerungsring 
um die Stadt ziehen, um dieselbe durch Hungersnot zur Über- 
gabe zu zwingen. Eine entsprechende Rede des Agamemnon 
findet sich nicht bei B. Doch dürfte der Schluss derselben, be- 
treffend die völlige Einschliessung der Stadt, dem Einflüsse B.'s 
zuzuschreiben sein, der dieselbe Thatsache dem Tode des Paris 
folgen lässt, während Dares an dieser Stelle — Kap. XXXVI — 
weniger bestimmt sagt: postera die Agamemnon coepit exercitum 
ante portas instruere. Von den Amazonen, von der Abholung 
des Neoptolemus , des Sohnes des Achilles , vom Hofe des 
Lycomedes auf Scyrus weiss der me. Dichter nichts. Das 
letztere Ereignis bot ihm vielleicht zuviel Ähnlichkeit mit seiner 
Achillesepisode. Nach Dares, XXXVII, erfolgt die völlige 



His fader made grete dole . . . 

Sir Aiax . . gan kome ryde 

H. V. 1739: 
But j)0 it was take out füll ryght 



58 



Einschliessung der Stadt erst nach dem Tode der Penthesilea: 
Argivi cum exercitu murum circumdant, ut foras Trojani exire 
non possent. Im Anschluss hieran berichtet der me. Dichter, 
dass der Anordnung des Menelaus zufolge — H. VV. 1572 — 4 — 
All f>er . . . be segen Troye in ilke a side — that noman 
myght out go ne ryde. Er beeilt sich nun, uns mit dem 
Verrate der Stadt bekannt zu machen. Indem er sich bestrebt, 
diesen Vorgang so einfach als möglich darzustellen, gestattet 
er sich im Anschlüsse an seine Vorlagen die grösste Freiheit. 
Nach B. und Dares beantragt Antenor im Kriegsrate des Priamus, 
dass Helena und Alles, was mit ihr nach Troja gekommen 
sei, den Griechen ausgeliefert und Frieden geschlossen werde. 
Amphimachus, des Priamus jugendlicher Sohn, schmäht den 
Antenor ob seines Antrages und befürwortet die Weiterführung 
des Krieges. Gleichwohl bekunden Aeneas und Poydaraas ihre 
Zustimmung zum Vorschlage des Anteuor. Priamus beschliesst, 
die Friedensmänner umzubringen. Diese erhalten Kenntnis von 
dem Beschlüsse des Königs und sinnen darauf, ihr Leben durch 
Verrat der Vaterstadt zu retten. Der me. Dichter dagegen 
erzählt, wie Priamus in der Versammlung der Fürsten sein Alter 
und seine Kampfunfähigkeit beklagt, die streitbaren Männer 
aber ermahnt, den Kampf mit den Griechen weiter zu fuhren. 
Antenor drückt dem Könige seine Ergebenheit aus. Doch er 
ist ein elender Verräter und will nur den König täuscheu. 
Denn im nächsten Augenblicke beschliesst er mit Aenaes, sich 
um den Preis des Hochverrats Leben und Gut von den Feinden 
zu erkaufen — H. VV. 1758—86. Der Verrat wird somit 
in dem me. Gedichte durch andere Verhältnisse vorbereitet als 
bei B. und Dares. Wenn der me. Dichter im Allgemeinen 
von der Darstellung der Vorlagen abgewichen ist, so konnte 
er doch daraus manche Einzelheiten entnehmen. Dass er dies 
wirklich gethan hat, zeigt zunächst die Klage des Priamus — 
H. V. 1761 u. ff. Ähnlich klagt Priamus bei B. V. 25089 
u. ff., als er dem Willen des Volkes, den Frieden von den 
Griechen zu erkaufen, nachgeben muss. Beiden Klagen ist 
nämlich der Gedanke gemeinsam, dass die gegenwärtige Nieder- 
lage der Trojaner eine Folge des Verlustes ihrer trefflichsten 
Helden, des Hektor und Paris, sei. Zuvor habe es besser um 
Troja gestanden — 
B. V. 25094: 
Escif me sont tuit et salvage. 

N'a onquor pas treis anz passez, H. V. 1761: 

Se eist consalz me fust donez, . . . were Ectour on lyve 
Ainz qu' Ector mis filz fust oeis, He wold our fomen all to dryve 
Troylus Ii prouz et Paris, Or his broder Alisaunder Parys 

Qu'il me fust graut profit de faire. Litill durst we dowt our enmys. 



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59 



Gleichwohl ermalmt Priamus die Seinen, den Kampf mit 
den Griechen wieder aufzunehmen, während nach B. des Königs 
Sohn Amphimachus diesen Vorschlag macht. Antenor und 
Aeneas wollen die Stadt unter der Bedingung an den Feind 
verraten, dass ihnen und ihren Verwandten Leben und Gut 
gesichert werde. Nach B. wird der Verrat dem Priamus durch 
Amphimachus mitgeteilt, im me. Gedichte vereinbart Antenor 
mit Aeneas — 

B. V. 24642: H. V. 1785: 

. . . il tra'iront la cite . . . we will him the town yeide 

V. 1783: 

0 co que lor possessions, Andbiddewe hem yeve vsourlyves 

Et lor aveirs et lor mesons, Our katell our chyldren and our 
Et lor ami et lor parent wyves. 
Eussent pez tot quitenieut. 

Die beiden Verräter gehen selbst bei Nacht ins griechische 
Lager. Nach B. und Dares, XXXIX, thut dies Polydamas. 
Ihr Anerbieten wird angenommen. Sic selbst müssen sich 
eidlich verpflichten. Das hölzerne Pferd kennt der nie. Dichter 
nicht: die Thore der Stadt sollen einfach den Feinden durch 
die Verräter geöffnet werden — H. V. 1798. Einzig ist die 
Darstellung des me. Gedichtes, wonach Antenor sich auf listige 
Weise die Führerschaft des Heeres anzueignen versteht, indem 
er sich vom Könige die Erlaubnis zur Wiedereröffnung des 
Kampfes erbittet — H. V. 1820. Für den Einfluss des Dares, 
XLI, spricht der Umstand, dass Neoptolemus die Zerstörung 
der Stadt leitet. B. schreibt Pyrrhus für Neoptolemus und 
stellt denselben nicht mit solcher Entschiedenheit in den Vorder- 
grund. Mit dem Rufe „Antenor und Aeneas" soll Neoptolemus 
in die Sta,dt eindringen, während Menelaus mit einem Teile 
des Heeres die Thore besetzen will, damit kein Trojaner ent- 
fliehen könne — H. bis V. 1848. Letzterer Punkt weist auf 
den Einfluss B.'s hin. 

B. V. 25974: H. V. 1847: 

Li portal furent bien garde\ And we will here with outyu be 

Que nus n'en issist, n'eschapast. To kepe that non shall fle. 

Der Bericht über die Zerstörung der Stadt zeigt manche 
Anklänge an den entsprechenden bei B. 

Vom Geschrei erdröhnt die Luft — 

B. V. 25955: H. V. 1853: 

Li criz et la noise est levee. Cry arosse £>orough the Cete. 

Alles wird niedergemacht, selbst Frauen und Kinder finden 
kein Erbarmen. 



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# 



60 



B. 25948: 



Ainz que del jor paire clarte 
En orent il X. M. ocis, 



H. V. 1865: 
All the nyght füll fast they aleth 



25953: 

N'i esparnierent rien vivant, 



All that j>ey fownden with dolfull 

/deth 

Doughter an dsone moder and fader 



Morent i meres et enfant. 

25960: 



N'i remaint povre, n'orfelin, 
Jones ni vielz qu'il i ateignent. 



And ]>e yong chyld in the cradell 
Olde blynde men . . . 



25977: 



Es bras des meres aletanz 
Ont detrenchiez les biax enfanz. 

Das Blut fliesst in Strömen — 

B. V. 25962: 
Del ocise Ii pales seingnent, 
Tuit decorent Ii pavement, 

De sanc sont vermeil et sanglent: H. V. 1865: 

N'i a ne rue, ne sentier, There was shed soo moche blöde 

Ou n'ateigne jusqu'al braier 45 ). That man and horstoj>e kneesyode. 

Als König Priamus vom Turme herab das blutige Schau- 
spiel beobachtet, überzeugt er sich sogleich davon, dasserdas 
Opfer eines schändlichen Verrates geworden ist. Die Klage — 
H. V. 1869 u. ff — setzt sich zum grossen Teil aus Wieder- 
holungen zusammen. So kehrt H. V. 1877 u. f. — der Ge- 
danke wieder, dass solches Unheil bei Lebzeiten des Hektor 
und Paris nicht hätte geschehen können — H. V. 1761 u. ff. 
Ferner wiederholt v. 1871 — V. 639 — V. 1879 — V. 202 — 
V. 1880 — V. 643. 

Wenn auch B. an derselben Stelle den Priamus nicht 
klagen lässt, so ist doch im Übrigen sein Einfluss erkennbar. 



Nunmehr dringt Neoptolemus in den königlichen Palast 
ein, haut Priamus mit dem Schwerte nieder und tötet Polyxena 
durch einen Faustschlag ins Genick. Nachdem er das ganze 
königliche Geschlecht vernichtet hat, führt er Helena dem 

r 

Vergl. braies, lat. bräcae = kurze Hosen. 



B. 25997: 
Li reis Prianz o"i les criz, 
Sot et conut qu'il ert tra'iz, 
Esba'iz fu et entrepris. 

B. V. 26001: 
C. feiz se pasme de dolor. 



H. V. 1867: 
Priamus the kyng 
Stant in his towre seth all {>yng 
Alas quod he treson treson 



H. V. 1881: 
For soo grete sorow {>at he saye 



He fallith adown . . . 



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61 



Menelaus wieder zu. Man bemüht sich, das Geschehene zu 
vergessen. Die Griechen nehmen sämtlich in Troja Quartier 
undfeiern ein dreissigtägiges Siegesfest — H. bis V. 1908. Diese 
Darstellung erweist sich als völlig abweichend von der der 
Quellen. Nach B. und Dares wird Polyxena längere Zeit von 
Aeneas versteckt gehalten und dann von Pyrrhus, bez. Neop- 
tolemus, am Grabe des Achilles getötet. Menelaus holt sich 
selbst seine Helena aus dem königlichen Palaste — B. V. 26091 
u. ff. B. und Dares wissen nichts davon, dass Neoptolemus 
die Ermordung der Polyxena rechtfertigt, H. V. 1891 u. ff'., 
indem er dieser die Schuld am Tode seines Vaters zuschreibt. 
Reich mit Schätzen beladen kehren die Griechen in die Heimat 
zurück, wo sie glücklich weiter leben — H. VV. 1910—16, 
eine Wiederholung von W. 179-84. Dass dieselben der 
französischen Vorlage entnommen sind, ist schon früher nach- 
gewiesen worden. 46 ) Nachdem der Dichter seine Helden wohl- 
behalten zu Hause hat ankommen lassen, schliesst er sein 
Gedicht mit einem kurzen Gebet für das Wohlergehen seiner 
Zuhörer und das Seelenheil aller guten Christen. H. V. 
1917 u. ff. 

Vorstehende Untersuchung hat ergeben, dass 
der me. Dichter vom Anfange bis zum Ende seines 
Gedichtes vorwiegend der Darstellung B.'s an der 
Hand des Dares gefolgt ist. Als Hauptquelle für das 
me. Gedicht Seege oder Batayle of Troye ist somit 
der altfrz. Roman de Troie des Benolt de St. More 
anzunehmen. Dieses Ergebnis steht aber im Gegensatz zu den 
Behauptungen sowohl von Zietsch, der vom altfrz. Troja- 
roman als Quelle für das me. Gedicht überhaupt nichts wissen 
will, als auch von Greif, der nur für den vierten Teil des me. 
Gedichtes B.'s Roman als Quelle annimmt 

Abgesehen nun von dem geringen Umfange des me. Ge- 
dichtes im Vergleiche zum altfranzösischeen erscheint die Dar- 
stellung des letzteren in jenem oft völlig umgestaltet, an der 
einen Stelle bedeutend gekürzt, an der andern mit Neuem 
bereichert. Diese Umgestaltungen und Zusätze führen uns zum 
zweiten Teile unserer Abhandlung. 



4Ü ) s. S. 16. 



IL Das Verhältnis des me. Gedichtes Seege oder 
Batayl e of Troye zum mhd. Gedichte vom troja- 
nischen Kriege Konrads von Würzburg hinsicht- 
lich der Abweichungen und Zusätze, welche beide 
Gedichte gemeinschaftlich im Vergleiche mit B/s 

Trojaromane aufweisen. 

Wie schon in der Einleitung angedeutet worden ist, soll 
im Nachstehenden wahrscheinlich gemacht werden, dass dem 
me. und dem mhd. Dichter eine erweiternde Bearbeitung des 
altfranzösischen Roman de Troie von B. bei der Abfassung 
ihrer Gedichte vorgelegen hat. Zu dieser Vermutung fuhren 
folgende dem me. und mhd. Gedichte gemeinsame Punkte. 

A. Die Verhandlungen des Königs Priamus 'mit den Trojanern 
und Griechen zum Zwecke der Befreiung der Hesiona 
aus der Gefangenschaft, 

B. der anfangliche Aufenthalt des Paris in Griechenland 
werden abweichend von B. dargestellt. 

C. Der Bericht über den Apfelstreit der drei Göttinnen er- 
scheint im Hinblick auf den entsprechenden B.'s erweitert. 

Bei B. finden sich überhaupt nicht die folgenden Episoden : 

D. der Traum der Hecuba und die Jugendgeschichte des 
Paris ; 

E. die Jugendgeschichte des Achilles und dessen Wegholung 
vom Hofe des Lycomedes auf Scyrus durch griechische 
Gesandte. 

Da im Übrigen der me. und der mhd. Dichter der Dar- 
stellung B.'s gefolgt sind, so liegt gewiss die Vermutung nahe, 
dass die soeben angedeuteten Abweichungen und Zusätze be- 
reits in der vom me. und mhd. Dichter benutzten Fassung 
des altfranzösischen Trojaromans vorhanden gewesen sind. Da 
aber eine derartige Hs. bis zu diesem Augenblick nicht be- 
kannt ist, so ist es notwendig zu untersuchen, ob die dem 
me. und mhd. Gedichte gemeinsamen Abweichungen und Zu- 
sätze in so hohem Grade übereinstimmen, dass eine Hand- 
schrift des altfranzösichen Trojaromans von der soeben be- 
zeichneten Beschaffenheit angenommen werden kann. Dass es 
eine solche Handschrift wirklich gegeben hat, ist keineswegs 
unmöglich. Wir haben in der Einleitung an der Hs. G des 
Roman de Troie von B. gezeigt, dass die Abschreiber zuweilen 
durch Kürzungen, Abänderungen und Zusätze das Original 
verunstalteten oder verstümmelten. Nach diesen Bemerkungen 
können wir zur näheren Begründung unserer Ansicht schreiten. 



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63 

A. 

Über die Verhandlungen des Königs Priamus mit den 
Trojanern und den Griechen zum Zwecke der Befreiung 

der Hesiona. 

Dieser Punkt ist zum Teil schon früher — s. S. 19 u. f. 
— Gegenstand unserer Betrachtung gewesen. Dort wurde 
auch die Art und Weise angedeutet, in der die Darstellung 
B.'s vom me. Dichter umgestaltet worden ist. Wir wiederholen 
hier das Nötige. Nach dem Berichte B.'s beruft Priamus, so- 
bald der Wiederaufbau der Stadt vollendet ist, das Parlament 
und eröffnet dasselbe durch eine Rede, worin er zunächst auf 
Eröffnung des Krieges gegen Griechenland dringt, schliesslich 
aber zur Erhaltung des Friedens sich bereit erklärt unter der 
Voraussetzung, dass die Griechen der Forderung, die Hesiona 
zurückzugeben , nachkommen würden. Der me. und der mhd. 
Dichter haben nun diese Darstellung dahin geändert, dass sie 
den ersten Teil der Rede dem Priamus belassen, den zweiten 
Teil dagegen zum Beschlüsse des Parlamentes gemacht haben, 
so dass dieses als das friedliche , der König als das kriegerische 
Element erscheint. Liegt auch eine derartige Umgestaltung 
der Darstellung B.'s sehr nahe, so spricht doch der Umstand, 
dass sie sich in zwei durch Zeit, Ort und Sprache von einander 
völlig getrennten Gedichten vorfindet, deren Quelle B.'s Troja- 
roman ist, mit Entschiedenheit für die Annahme, dass besagte 
Änderung bereits in einer Hs. des altfranzösischen Trojaromans 
vorgenommen worden war. Nach Konrad lässt das Parlament 
seinen Beschluss durch Hektor dem Könige überbringen. Im 
me. Gedichte wird der Vertreter des Parlaments nicht genannt. 
Das Weitere wird aus dem nachstehenden Vergleiche des me. 
mit dem mhd. Texte erhellen. Priamus eröffnet das Parlament 
mit folgenden Worten — 

K. V. 17816: H. V. 291: 

ir wizzent 47 ) leider alle wol Ye wote whanne J)ey of Grece 



come 



den schaden und daz nngemach 
daz von den Kriechen uns geschach. And this lond robbed aud nome. 

Unter dem Hinweis auf die starke Befestigung der Stadt 
befürwortet der König den Krieg mit den Griechen und er- 
bittet sich die Ansicht des Parlamentes — 

K. V. 17860: H. V. 301: 

mir rate üz sime sinne . . . ye will geve {>er to counsayle. 

daz beste ein iegelicher man. 

Das Parlament aber wünscht zunächst friedlichen Aus- 
gleich mit den Griechen — 



47 ) Der Einfachheit halber haben wir die dentale Fricativa v. 
d. Affricata äusserlich nicht unterschieden. 



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64 



K V. 17902: H. 301 V.: 

doch rätent si daz alle . . . sir do as we yon desyr 

daz ir geruochent balde z'in 
nn senden einen boten hin: 
17907: 

ob si ze buoze wellent stän And of your Barouns send thedyr 

des schaden der in si getan. To hem that our eiders sley 

ir sult des heizen vrägen And her goodis did bere awey 

waz ir bezzerunge si And loke if Jjey wull wage 

dar umbe daz ir worden vri Eavnsom or ony trevage. 

sint iners vater von ir hant. 

Der König aber soll den Griechen das verübte Unrecht 

ungestraft hingehen lassen unter folgender Bedingung — 

K - V - 17929: H . V. 305 u. ff.: 

dur daz 8i • • • And loke if f>ey wull . . . 

. . . mwer swester wunnevar . . . brynge ageyne they sustir 
in geruochent wider geben 

17924: 8 

daz man ze Troye sende Dame Isyon J)at is so bryght. 

diu claren und die wol gesiten. 

Bei Konrad erscheint Hektor als Vertreter des Parla- 
mentes. Nehmen wir nun an, dass die unserm Konrad vor- 
liegende Fassung des altfrz. Trojaromans bereits eine derartige 
Darstellung aufwies, so ist es begreiflich, wenn im me. Ge- 
dichte Hektor als Gesandter nach Griechenland geht. Das 
Parlament ist im Voraus davon überzeugt, dass die Griechen 
der billigen Forderung nicht nachkommen werden. Je nach 
dem Entschlüsse der Griechen wird daher die Gesandtschaft 
frieden oder Krieg im Gefolge haben. 

K. V. 17958: 
man sol in allen widersagen 

6 daz man si mit srite H V 310- 

beste ze dirre zite. K J>ey no wull doth jonr avyse. 

Des Königs „avyse" aber ist der Krieg gegen die Griechen, 
im Berichte über den Aufenthalt Antenors in Griechenland 
weichen das me. und das mhd. Gedicht wiederum von der 
Darstellung B s ab. Während dieser Antenor eine Rundreise 
an die Hofe der einzelnen griechischen Fürsten machen lässt, 
fcndet der trojanische Gesandte im me. und mhd. Gedichte 
V «nm S ™ h T U ***** be — : nach Konrad 
TXoh?» \ ;r b « Te,amoni ™ auf Salamis, nach dem me. 
ühP r l ~ finV 19 U - * - bei Hercules, „dem Herrscher 

f 11 '^ ' an ^genanntem Orte. Diese Umgestal- 
tet »^™B *.'B bewahrte den me. und den mhd. 
Dichter vor dem Fehler der Wiederholung. Man hat bisher 



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65 



angenommen , dass jene Änderung- von Konrad selbständig be- 
wirkt worden sei. Man könnte dieselbe Ansicht auch für den 
me. Dichter geltend machen, indem dieser schon zuvor ein- 
mal in ähnlicher Weise von der Darstellung B.'s abweicht, 
und zwar, um zu berichten, wie Hercules die griechischen 
Fürsten zu einem Rachefeldzug gegen den Trojanerkönig 
Laomedon aufruft — H. V. 83 u. ff. 48 ) Hiermit steht der 
me. Dichter vereinsamt da. Denn Konrad hat sich an der- 
selben Stelle getreu der Darstellung B.'s angeschlossen. Der 
me. Dichter hat daher dort selbständig geändert, so dass man 
ihm auch hinsichtlich seines Berichtes über den Aufenthalt 
Antenors, bez. Hektors, in Griechenland Selbständigkeit zutrauen 
könnte. Hiergegen kann man zunächst behaupten, dass der 
me. Dichter die zweite Kürzung in der vorliegenden Hs. des 
Roman de Troie vorfand und im Anschluss daran die erste 
Kürzung vorgenommen hat. Dass Konrad dieselbe Fassung 
des altfrz. Trojaromans benutzt hat, dafür spricht der Um- 
stand, dass jener und der me. Dichter gemeinschaftlich von 
den vier Reden des Antenor bei B. die an Telamonius, an 
dessen Stelle im me. Gedichte Hercules getreten ist, heraus- 
gegriffen haben, dass ferner dieselbe von beiden Dichtern 
durch gleichartige Zusätze erweitert worden ist. Wir lassen 
zunächst den Text B.'s folgen. 



B. V. 3380: 
Sire, fet il, ses messagiers — 
Li reis Prianz en cest pais. 

B. V. 3384: 
Par mei vos mande molt etprie — 
Qu' avez ja tenue maint jor. 
Ne la devez en soignantage — 



Vos a envoiez et tramis — 



Que vos Ii rendeiz sa seror — 
Fille ä rei est de halt parage — 
Tenir, n'aveir, car molt est lait. 



Der me. und der mhd. Dichter lassen den Gesandten 
sprechen — 



K. V. 18026: 
• • . ir herren tugenthaft 
der werde künic riche 
von Troye Priamus genant 
der hät ze boten mich gesant 
vttr iuwer angesiht dä her. 

V: 18035: 
er hiez iuch vrägen alle 
wan iu daz wol gevalle 
daz ir büezent im den schaden 



H. V. 323: 
Lordyngis he seyde J am now her 

Com from Troye as a mesenger 
The kyng Pryamus me hedur send 



And asketh howe ye will be 

demened 



is ) s. o. S. 12. 



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66 



dä mite er von in wart geladen 

bi sine s vater zite 

den ir an eime strite 

ze töde sluogent äne schult. 

V. 18088: 
. . . ir widersenden 

geruochent im die swester sin. 

V. 18066: 

daz man diu frouwen höchgeborn 
hat anders denne ir schone ste, 
daz tuot im alsö rehte we\ 

V. 18078: 

(er) heizet iuch geliche 
und algemeine biten hie 
daz ir geruochent eteswie 
ze buoze siner heade stan 
der dinge der im si getan. 



Of that ye comyn ayens his pees 



And slouwe his fader gylteles 

And wheche of you haue his 

suster . . . 
I rede J>at ye ayen her send 

For sekerly it is nought ryght 
A kyngis doughter to serue a 

knyght. 



I rede that ye to him gone 
And in his grace put you anone. 



B.'s Antenor erwähnt nicht, dass der Vater des Priamus 
unschuldig von den Griechen getötet worden sei. Konrads 
Antenor rät den Griechen nicht, nach Troja zu gehen, und 
sich dort bei Priamus zu entschuldigen, aber er verlangt Genug- 
tuung für das verübte Unrecht. Als solche schlägt er die 
Herausgabe der Hesiona vor. Die Griechen fassen die 
Forderung Antenors als eine Beleidigung auf. Denn sie wollen 
weder Genugthuung geben, noch vollends gar um die Huld 
des Trojanerkönigs werben. 

K. V. 18103: 

Den Kriechen was diu rede unwert 
daz von Priande wart gegert 
buoz unde bezzerunge also 
daz ieman z'in getorste dö 
dekeine vorderunge hän. 

Wenn auch die Antwort, welche der griechische Gesandte 
erhält, im me. Gedichte ungleich kürzer ist als im mhd., so 
ist sie doch im Übrigen dieselbe. 

Telamonius, bez. Hercules, begründet den Feldzug der 
Griechen gegen Laomedon von Troja: 

K. V. 18156: H. V. 339: 

ein laster wart gerochen Goo sey his fader did vs wrong 

an ir daz uns aldä geschach And we him anoder also strong. 
d6 man die selben stift zerbrach. 



H. V. 336: 
Soche a dispyte don to vs 

neuer was 
Bhulld we in his grace abyde. 



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67 



Solchen Bescheid erhält nach B. Antenor von Castor und 
Pollux - 

V. 3449: Mes co set len certainement, 
Que sis peres premierement 
Forfist vers nos et vers les noz, 
Don domages vint puiz a voz. 

Antenor wird angewiesen, hei Gefahr seines Lehens das 
Land sofort zu verlassen — 

K. V. 18208: 
niht anders kan ich iu gesagen 

wan daz ir strichent hinnen H. V. 343: 

e daz ir hie gewinnen And if you fynkest hens on lyfe 

mtiezent schaden unde leit. Trusse J)e out of {>i8 lond blyve. 

B.'s Telamoniu8 empfiehlt dem Antenor — V. 3420: 
• • . gardeiz sor tote rien — Qu'en cest pai's ne demorez — 
Isnelement vos en alez. Wir erachten es für unmöglich, dass 
diese dem me. und dem mhd. Gedichte gemeinsamen Ab- 
weichungen von B.'s Darstellung zufälliger Natur sind. Wir 
behaupten vielmehr, dass dieser Umstand aus der Benutzung 
derselben Fassung von B.'s Trojaroman durch den me. und 
den mhd. Dichter zu erklären ist. 

B. 

Über den anfängliehen Aufenthalt des Paris in Griechenland. 

Wir werden uns hier mit der Prüfung der Verhältnisse 
zu befassen haben, unter welchen nach der Darstellung der 
mittelalterlichen Autoren die Ankunft des Paris in Griechen- 
land stattgefunden hat. 

Nach Dares, IX, und B. V. 4203 u. ff. begegnet Paris 
auf der Meerfahrt dem Menelaus , der auf der Reise zu Nestor 
von Pylus begriffen ist. Die Entführung der Helena von der 
Insel Cythera erfolgt somit während der Abwesenheit des 
Menelaus. Anders ist die Situation im mhd. und im me. Ge- 
dichte dargestellt. Nach K. V. 20367 u. ff. kommt Menelaus 
mit Helena zum Tempel. Er ladet den Paris ein, mit in den 
Palast zu kommen , und dort für die Dauer seines Aufenthaltes 
Wohnung zu nehmen. Nach Verlauf mehrerer Tage verlässt 
aber Menelaus Cythera, um mit seinen Schwägern Castor und 
Pollux in den Krieg zu ziehen — K. v. 20860 u. ff. Er 
unterlässt nicht, zuvor seinen Gast Paris der aufmerksamen 
Pflege der Dienerschaft wie auch seiner Gattin zu empfehlen 
— K. V. 20876. Wir wollen nichts Neues bringen, wenn 
wir bemerken , dass diese von B. abweichende Darstellung K.'s 

6* 



68 



unter dem Einflüsse von Ovids 16. Heroide 49 ), an die sich be- 
kanntlich K.'s Geschichte der Entführung der Helena anlehnt, 
entstanden ist — Her. XVI. V. 150 ff.: Helena ladet Paris 
ein , sie zu besuchen. Die Gelegenheit sei besonders günstig, 
da Menelaus plötzlich habe abreisen müssen — V. 156: 

Magna fuit subitae justaque causa viae. 
Beim Abschiede habe er gesagt — V. 159 : 

„resque domusque 
Et tibi sit curae Troicus hospes". 

Es fragt sich nur, ob sich K. ganz aus eignem Antriebe 
von B.'s Darstellung entfernte, um sich der antiken zu nähern, 
oder ob er die Anregung dazu durch die ihm vorliegende Hs. 
des altfranzösischen Trojaromans erhalten hat. Diese Frage 
aufzuwerfen, veranlasst uns wiederum die Darstellung des me. 
Gedichtes, wonach Menelaus nicht nur zur Zeit der Ankunft 
des Paris in Cythera — H. 525: Capharnoum — anwesend 
ist, sondern auch für die ganze Dauer des Aufenthaltes des 
Paris. Denn er nimmt am Kampfe gegen den Entführer der 
Gattin teil, flüchtet sich aber heimlich, um der Gefangenschaft 
zu entgehen — H. V. 520 u. ff. — 609 u. ff. Es ist also 
wahrscheinlich, dass in der dem me. und mhd. Dichter vor- 
liegenden Fassung des altfranzösischen Trojaromans Menelaus 
als in Cythera anwesend dargestellt wurde, was leicht durch 
Fortlassung von D.'s und B.'s Berichte über die Begegnung 
des Menelaus und Paris auf dem Meere erreicht werden konnte. 
Übrigens lag ein solches Verfahren sehr nahe. Denn die Reise 
des Menelaus zu Nestor wird nicht begründet. 50 ) Warum sollte 
also der König zur Zeit einer grossen religiösen Festlichkeit 
seine Residenz verlassen haben! 

Nicht weniger billig erscheint die Umgestaltung der folgen- 
den Darstellungsweise des B. und Dares. Nach diesen 51 ) bekennt 
Paris auf die Fragen der Griechen, woher und warum er ge- 
kommen sei, ehrlich und offen, dass er von Priamus gesandt 
worden sei, um die Befreiung seiner Tante Hesiona zu be- 
wirken. Diese Antwort ist ebenso unklug, als es unbegreiflich 
ist, dass die Griechen, die doch kurz zuvor den Gesandten 
Antenor so grob abgewiesen haben, den Paris samt den Seinen 
nicht verhaften, ja nicht einmal Vorsichtsmassregeln gegen ihn 
treffen. Ein denkender Bearbeiter fand hier hinreichende Ver- 
anlassung, die unlogische Darstellung B.'s zu verändern und 
zu bessern, indem er den Paris einfach den Schlauen spielen 

49 ) s. Greif, 8. 111, Cholevius, S. 140; Bartsch, Albrecht von 
Halberatadt, XXVI, ff., Dünger, S. 53. 

M ) B. V. 4208: Mes. gie ne se dire por quei. 
61 ) B. V. 4283 u. ff. 



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69 

und hinsichtlich des Ausgangspunktes und Zweckes seiner Reise 
eine Lüge begehen Hess. Einer derartigen Darstellungsweise 
haben sich sowohl der me. als auch der mhd. Dichter bedient. 
Nach K. — V. 19582 u. ff. — scheint Paris zunächst auf 
die Fragen der Griechen garnicht geanwortet zu haben. Erst 
auf die Frage seiner königlichen Wirtsleute — K. V. 20466 
u. ff. — woher er komme, giebt er sich für einen Karthager 
aus. Nach dem me. Gedichte — H. V. 505 u. ff — befrie- 
digt er die neugierigen Griechen durch den Bescheid, dass 
er, ein Kaufmann, vom Gestade des „ottomanischen Meeres" 
komme und vom Sturme an die griechische Küste verschlagen 
worden sei. Da wir nun Nordafrika als das Gestade des otto- 
manischen Meeres bezeichnen können, so verweist uns der Paris 
des me. Gedichtes auch nach Libyen und Karthago — 

K. V. 20466: H. V. 502: 

giietliche wart der cläre And curteysley asked hem what 

gevräget dä der maere £ey wold 

von welhem land er waere. 

Des antwurt in dö Paris Sir Alisaunder . . . 

als ein bescheiden herre wis ... anwerd hem with wordis wyse 

20476: H. V. 506: 

ich wart erzogen ze Lybia Out of the see Octaman comen we. 

20478: 
geheizen ist Karthäge 
ein stat von der ich bin geborn. 

Paris bittet um gastfreundschaftliche Duldung — K. V. 
20501 u. ff. _ H. V. 500. — Dieses Zusammengehen K.'s 
mit dem me. Dichter erklärt sich am besten aus der Annahme, 
dass die beiden Dichtern vorliegende Fassung des Trojaromans 
von B. eine entsprechende Darstellung aufgewiesen hat. Ovid, 
dessen Menelaus den Paris als „Troicus hospes" bezeichnet, 
hat hier keinen Einfluss gehabt. 

C. 

Über den im Hinblick auf B.'s Darstellung erweiterten 
Bericht über den Streit der drei Göttinnen um den goldnen 
Apfel der Eris und das Parisurteil. 

Wir haben im ersten Teil der Abhandlung 52 ) gezeigt, wie 
B.'s Bericht über den Apfelstreit interpolierenden Abschreibern 
und Übersetzern mehrfache Gelegenheit zur Erweiterung darbot. 
Dazu war der Gegenstand ein dem Mittelalter wohl bekannter, 
wie es nicht minder Ovid war, der die Quelle dafür abgab. 



') s. o. S. 22 u. ff. 



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70 



Weiterhin aber hat Greif 58 ) aus dem Zusammengehen mehrerer 
mittelalterliehen Autoren, nämlich Konrads von Würzburg mit 
den Verfassern der Trojumanna Saga, ferner einer südslavischen 
Bearbeitung der Saga vom trojanischen Kriege und unseres 
me. Gedichtes Seege oder Batayle of Troye , in der Beschreibung 
der Hochzeit des Peleus und der Thetis und des Parisurteiles 
auf eine andre ihnen gemeinsame lateinische Quelle geschlossen. 
Auch diese muss sich, wie schon aus Vorstehendem ersichtlich 
ist, grosser Verbreitung erfreut haben und war jedenfalls dem 
Verfasser der erweiternden Bearbeitung des altfranzösischen 
Trojaromans von B., wie wir sie als gemeinschaftliche Quelle 
für Konrad und den me. Dichter annehmen, bekannt, der mit 
Hülfe derselben die Darstellung B.'s durch Zusätze in der 
Weise bereicherte, welche wir früher angedeutet haben. 52 ) 
Wir gehen nun auf jene Zusätze, wie wir sie bei K. und 
dem me. Dichter finden, näher ein. 

An B. V. 3863 — Une pome lor fu gitde — konnte 
der interpolierende Abschreiber leicht die Beantwortung der 
Frage nach dem Urheber und dem Zwecke des Ereignisses 
anknüpfen. Als ersteren bezeichnet der me. Dichter das 
Schicksal, als letzteren Zwietracht zwischen den drei Göttinnen — 

H V. 403: 

That fortune 51 ) cast with outyn lees — Too makynwerre J>at ere waspees. 

Konrad lässt die Göttin Discordia ungeladen zur Hochzeit 
kommen — 

V. 1384: si wollte kriec, nit unde haz 
da saejen under dise dri 
1390: enmitten under si zehant 
warfs' einen apfel schoene. 
Der Zweck wird besonders infolge der Inschrift, die der 
Apfel, trägt erreicht. Der in B. v. 3869 — Chascune plus 
bele se fait — ausgedrückte Gedanke liess sich leicht weiter 
ausführen und dramatisch gestalten, indem man über den Auf- 
tritt einer jeden der Göttinnen berichtete — 
H. v. 407: Thanne seyd Juno myn shall it be 
For I am fayrest of vs three. 
Pallas seyd it schall be myn 
412: The fayrest I am of that is in ony lond. 
Dame Venesse seyd now be stylle 
That appul is myn be ryght skylle 
For I am without lees — The fayrest that euer born was. 
Jede will also die schönste sein. Nach Konrad verlangt 
Juno — V. 1546 — den Apfel um ihrer Macht willen, Pallas 

68 ) s. daselbst 8. 96 u. ff. 

M ) Konrads Paris erzählt der Helena vom Apfelstreite der 
Göttinnen — K. V. 21826: daz heil das mir gegeben hat — Fortöne. 



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71 



ihn als Preis ihrer hohen Weisheit — V. 1550 

— und Venus fordert ihn als Lohn edler Liebenswürdigkeit 

— V. 1559 u. ff. In Gegenwart des Paris aber kommt jede 
auf das Lob ihrer unvergleichlichen Schönheit hinaus. 

1) Juno — 

K. V. 1933: wiplich creatiure — nie wart ... so rehte schcene als ich. 

2) Pallas - 

K. V. 1950 : der apfel soll billiche mir 
V. 1952 : ze wünsche bin ich wol getan. 
Juno und Pallas geraten nun in einen Wortwechsel. End- 
lich erhebt sich 

3) Venus — 

K. V. 2099: ir mtigent iuwer kriegen län 
ich wil den apfel selbe hän 
wan er ist min von rehte 
an libe und an geslehte 
kan mir kein vrouwe sin gelich. 
Man vergleiche hiermit die entsprechenden Verse des 
me. Gedichtes — H. V. 413 u. ff.; s. vorige S. 

Nach der Darstellung des me. Gedichtes — H. V. 417 
u. ff. — kommt Juno zuerst zu der richtigen Einsicht, dass, 
wenn der Streit überhaupt ein Ende nehmen solle , ein Schieds- 
richter nötig sei. Als solchen schlägt Venus den Paris vor, 
und die beiden andern Göttinnen erklären sich mit der Wahl 
einverstanden. Ein gleicher Vorgang wird bei K. V. 1570 
u. ff. berichtet, doch erfahren wir daselbst nicht, welche der 
Göttinnen die Wahl eines Schiedsrichters angeregt hat. Ferner 
empfiehlt ihnen Jupiter den Paris. Dasselbe thut nach B. V. 3877 
u. ff. Mercur. Derselbe sagt zu Paris : Conseil quistrent, gie 
lor donai; V. 3887: Par tei lor covient ä saveir — Qui la 
pome devra aveir. An Stelle dieser wenigen Worte erscheint 
im me. Gedichte eine kleine dramatische Scene. Bei Konrad 
herrscht weit grössere Fülle, aber weniger Lebendigkeit. 

Jupiter Venus schlägt Paris zum Schiedsrichter vor : 

K. V. 1616: H. V. 425: 

er hete alsö getriuwen sin Paris ia the trewest man. 

1618: 

daz er durch keiner shahte guot 
1620: 

zerbräche sine wärheit 

Nach B. stattet nun jede der Göttinnen dem Paris einen 
Besuch ab und bittet ihn unter grossen Versprechungen, ihr 
den Besitz des Apfels zuzusprechen — V. 3889: Cascune 
conseilla ä mei — Priveement et en segrei — V. 3891 : Ni 
ot cele molt ne m'offrist. Auch dieser kurze Bericht ist im 



72 



me. und im mhd. Gedichte stark erweitert, indem der Besuch 
jeder Göttin uns vor Augen gerührt und jedes Versprechen 
seinem Inhalte nach angegeben wird. Bei B. finden wir nur 
das Versprechen der Venus näher bezeichnet. K. — V. 1913 
u. ff. — stellt die Sache so dar, dass zunächst jede Göttin 
einzeln dem Paris die Gründe angiebt, mit welchen sie auf 
den Besitz des Apfels Anspruch erheben kann. Keine ver- 
gisst natürlich, dabei ihrer Schönheit Erwähnung zu thun, wie 
wir bereits gezeigt haben. Diese Scene ist somit dieselbe, 
welche sich im me. Gedichte vor der Anwesenheit des Paris 
abspielt. K. — V. 2586 u. ff. — erzählt, dass Juno, als 
Paris mit seiner Entscheidung zögert, den Anfang damit macht, 
sich durch hohe Versprechungen die Gunst des Paris zu er- 
werben. Die beiden andern Göttinnen folgen ihrem Beispiele. 
Die Schilderung dieser Scene befindet sich im me. Gedichte 
H. V. 430 — V. 452. Den Vergleich derselben hat schon 
Greif — s. S. 101 u. f. — geführt. Wir fügen nur noch 
hinzu, dass in der Hs. H. das Versprechen der Pallas nicht 
angegeben wird, und Juno's Versprechen ist ursprünglich das 
der Pallas — H. V. 436: Thou shalt be wyse . . . Paris 
aber erteilt den Apfel der Venus, die ihm das schönste Weib 
versprochen hatte. 

K. V. 2800: 

kein frouwe mac in sin gelich Paris erzählt seinem Vater — 

H. V. 458: 

an eren und an werdekeit Venesse was fayrer thanne {>re 

der cröne ist wol an iuch geleit 

und der apfel schoene. Therefore I grauntt") her to have 

That appul . . . 

Sowohl bei Konrad als auch in der Hs. H. des me. Ge- 
dichtes ist das Parisurteil nicht zum Gegenstande eines Traumes 
gemacht, wie es B. und nach ihm der Verfasser der Hs. L. 
des me. Gedichtes dargestellt hat. Wir haben früher nach- 
gewiesen, dass abgesehen von den Zusätzen die Darstellung 
des Apfelstreites im me. Gedichte, besonders in H., sich eng 
an diejenige B.'s anschliesst. Wir können daher annehmen, 
dass der me. Dichter die Erweiterungen bereits in der ihm 
vorliegenden Hs. des Trojaromans von B. vorfand. Wir haben 
schwerwiegende Gründe dafür geltend gemacht, dass Konrad 
ebendieselbe Fassung des altfranzösischen Trojaromans benutzte, 
und erklären aus diesem Umstände die gleichartige Erweiterung 
des Berichtes über das Parisurteil im me. und mhd. Gedichte. 
Indem nun Konrad den Apfelstreit zu einer Episode der Hoch- 
zeit des Peleus und der Thetis machte, somit vorweg nahm, 
was in der altfranzösischen Vorlage Paris zur Begründung 

* Ä ) So die Hs.; Zietsch; ther fore, graunt. 



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73 



seines Anspruches auf die Leitung des trojanischen Heeres 
anfahrte, sah er sich genötigt, an letzterer Stelle eine Änderung 
vorzunehmen, wenn er sich nicht der Wiederholung schuldig 
machen wollte. Er hat diese Aufgabe in der denkbar glück- 
lichsten Weise gelöst. Er lässt zunächst im Anschluss an B.'s 
Darstellung den Paris erzählen — K. V. 18812 u. ff. — wie 
derselbe sich auf der Jagd verirrt und sich an einer Quelle 
niedergelassen habe, um auszuruhen. Das Weitere gehört 
K.'s eigner Erfindung an. Paris beklagt sich in der Einsam- 
keit, dass Venus das ihm gegebene Versprechen noch nicht 
eingelöst habe. In demselben Augenblicke erscheint Mercur 
und überreicht jenem einen Brief der Venus. Diese teilt dem 
Paris mit, dass sie ihm in einem Kriege gegen die Griechen 
zum Siege und zugleich zum Besitze der Helena , der schönsten 
aller Frauen, verhelfen werde. Im me. Gedichte sagt Venus 
zuerst nichts über die Nationalität der schönsten Frau. Nach- 
dem ihr aber Paris den Besitz des Apfels zuerkannt hat, sagt 
sie ihm aus Dankbarkeit ihre Unterstützung in einem Kriege 
gegen die Griechen und bei der Erwerbung der schönsten Frau zu — 

K. V. 18906: H. V. 466: 

du solt bald in der Kriechen lant Whanne thou wilt S5 ) to Grecegone 
nfi strichen unde keren. 

da maht du wol gemeren For no J>yng the no drede 

din lop und dine wirde. With out dought J)ou shat welle 

spede 

K. V. 18912: 
Helene diu wirt dir gegeben 

H. V. 469: 

ze wibe und z'einer frouwen The fayrest lady {>at bereth lyfe 

18915: 
. . . ir wunneclicher lip 

vil schoener ist den alliu wip Thou shat wynne to be J>y wyfe 
diu man siht üf der erden. 

Aus dieser dem me. und dem mhd. Gedichte gemeinsamen 
Darstellung können wir folgern , dass eine ähnliche in der ge- 
meinschaftlichen altfranzösischen Quelle vorhanden gewesen ist. 

Wir kommen nun zur Besprechung derjenigen Episoden des 
me. und des mhd. Gedichtes, welche B. überhaupt nicht kennt. 

D. 

Die Erzählung vom Traume der Hecuba und die Jugend- 

geschichtc des Paris. 

Die Erzählung vom ahnungsvollen Traume der trojanischen 
Königin ist der XVI. Heroide Ovids entlehnt und findet sich 
auch in der Hs. G des Trojaromans von B., über die wir in 
der Einleitung eingehender gesprochen haben. Die Interpolation 



74 



Malkaraumes, der die Hs. G gefertigt hat, verdient es, mit 
den inhaltlich ihr entsprechenden Partien des me. und mhd. 
Gedichtes verglichen zu werden. 

Nach der Rede des Helenus 50 ) schiebt Malkaraume folgende 
Rede der Hecuba ein, welche, wie die des Helenus, den Zweck 
hat, die Feldherrnschaft nicht in die Hände des Paris gelangen 
zu lassen. Nachdem der me. Dichter die Rückkehr des Priamus 
und seiner Familie in die zerstörte Stadt gemeldet hat, macht 
er die Söhne des Priamus namhaft und knüpft an den Namen 
des Paris die Erzählung vom Traume der Hecuba und die 
Jugendgeschichte des Paris. 

H. V. 209: 

. . . ains qu'anfantai That nyght that Alisaunder was 

begetetk 

Alixandre Paris songeai A mervelous dreme his moder 

dremeth 

Que j'anfantoie I grant brandon That out of her body sprong a brond 
De feu ardant qui anviron That brent Troye and all the lond 

Ardoit de Troye la noblesse 

Tex visions mon cuers trop Wesse H. V. 214: 

Consilla moi ä la clergie She sent for clerkys in grete 

kastyng 

Si me dirent celle maignie: And tolde hem herdremyng . . . 

Wenn sich Paris eine Frau aus Griechenland hole, so 
werde er die Zerstörung Troias verursachen. 
Die Weisen deuten den Traum — 

H. V. 220: In thi body a chyld {)ere is 

That shall Troy to shame bryng 
Thorough his foly 

Konrad teilt den Traum gleich am Anfange seines Epos 
mit — 

V. 350: und dö si (Hecuba) swanger worden was 
dö viel üf si der sorgen soum 
wände ir kom ein leider troum 
in ir släfe nahtes für 
V. 356: . . . von ir herzen luhte — ein vakel des geloubent mir — 
diu gewahsen wsere üz ir — und alsö vaste woere enzunt — 
daz si Troye unz an den grünt — mit ir fiure brande. 
Die Königin erzählt aber ihren Traum nicht den Sehern, 
wie es Ovid und nach ihm Malkaraume und der me. Dichter 
darstellen, sondern ihrem Gatten, der auf Grund des Traumes 
befiehlt, den Säugling zu töten. Diese Darstellungsweise erklärt 
sich, wie Greif ft7 ) nachgewiesen hat, aus der Benutzung der 

66 ) nach B. V. 3966. 

67 ) s. daselbst S. 95. 



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75 



Ilias des Simon capra aurea. Nach Malkaraume lässt die 
Königin den Säugling im Walde aussetzen. Nach der Darstellung 
des me. Gedichtes ist Paris bereits sieben Jahre alt, als Hecuba, 
ihres Traumes eingedenk, auf den Gedanken kommt, den 
Knaben einem Schweinehirten anzuvertrauen, damit er des 
Gebrauches der Waffen unkundig bleibe — s. Hs. L. V. 249 
u. ff. Malkaraume lässt Hecuba sagen: Esparnier cuida cette 
voie — wonach Paris die Zerstörung Troias herbeiführen soll — 

H. V. 224: 

Je prins Paris et si l'anvoie And though it shuld not be soo 

En la forest . . . Whanne he was born she sent bim 

A la garde dou bois norrir. Too an herd to kepe swyn. 

Weiterhin berichtet Malkaraume vom Liebesverhältnisse 
zwischen Paris und Oinone, von dem Konrad V. 706 u. ff. erzählt, 
das aber der mo. Dichter fortgelassen hat, obgleich er davon 
wusste. Denn er sagt von der Rückkehr des Paris nach 
Troja — H. V. 243: 

His wiff Iiis chyldren he toke with him 
And hastily in to Troy they entred in. 5 *) 

Die me. Darstellung des Aufenthaltes des Paris beim Hirten 
bringt uns wieder zu Konrad zurück. Paris veranstaltet in 
Gemeinschaft mit den andern Hirtenknaben Kampfspiele — 
H. V. 231 u. f. — K. V. 618 u. f. Wer sich durch Tapfer- 
keit auszeichnet, dessen Haupt schmückt er mit einem Kranze 
— K. V. 235 u. f. — K. V. 624 u. ff. Paris wird er ge- 
nannt, weil er ein gerechter Schiedsrichter ist — H. V. 237 
u. f. — K. V. 662 u. ff. Der me. Dichter erzählt, dass Paris 
gern Bäre und Stiere mit einander kämpfen sah — H. V. 231 
u. ff. — und sagt dann — 

H. V. 235: And where he sawe {>oo j)at were stroiig 
He crowned {>em with a garlond. 
Dieser Ausspruch kann ganz allgemein aufgefasst, also 
auf Personen, auf die Altersgenossen des Paris, die Hirten- 
knaben bezogen werden, welche nach K.'s Bericht — V. 618 u. 
ff. — sich gemeinschaftlich an Kampfspielen erfreuten. Bringt 
man aber obige Verse in Verbindung mit den vorangehenden, 
so folgt daraus, dass Paris starke und tapfere Tiere ehrend 
schmückte. K. bestätigt dies — V. 646. 
swaz da gesigte bi der stunt — ez wsere ein ohse, ez wsere ein wider •- 
daz reht enleit er dö niht nider — wan er im eine cröne satzt üf sin 

houbet schöne. 



M ) Die Hs. hat so; dagegen schreibt Zietsch: hastely, entered. 



76 



Malkaraume hat ausser dem Liebesverhältnisse des Paris 
zu Oinone nichts über den Aufenthalt desselben im Walde 
erwähnt. Wir lassen daher mit Greif die Vermutung nicht 
aufkommen , dass der me. Dichter un.4,, K. die Hs. G des 
Trojaromans von B. benutzt haben. Übrigens hat Malkaraume 
die Interpolation an ganz andrer Stelle -bewirkt, als sie im 
Hinblick auf das me. und das mhd. Gedicht erwartet werden 
könnte. Wir durften aber die Hs. G. hier nicht unerwähnt 
lassen. Denn ihre Gestalt gestattet uns die Annahme, dass es 
auch einen im Sinne Konrads und des me. Dichters erweiterten 
Trojaroman des B. gegeben hat. 

E. 

Über die Herbeibolung des Achilles ins griechische Lager. 

Die antike Quelle für diesen Bericht ist die Achilleis des 
Statius. 50 ) Das steht ausser allem Zweifel. Wir haben hier nur 
die Frage zu erörtern, ob der me. und der mhd. Dichter 
selbständig und aus eignem Antriebe die höchst bedeutsame 
Episode einfügten, oder ob dieselbe in der ihnen vorliegenden 
Fassung des Trojaromans von B. vorhanden war. Wir ent- 
scheiden uns für die letztere Annahme und bringen im Folgenden 
die erforderlichen Beweisgründe dafür bei. 

Zu diesem Zwecke müssen wir uns zunächst darüber Klar- 
heit verschaffen, an welcher Stelle ihrer Gedichte Statius, Konrad 
und der me. Dichter über die Herbeiholung des Achilles be- 
richten, und in welcher Weise sie den Eintritt eines so wichtigen 
Ereignisses vorbereiten, bez. begründen. 

1. Die Achilleis des Statius. 

Die Griechen sind in Aulis angekommen — I. V. 447 
u. ff. Nicht fehlt es ihnen an kriegskundigen und erprobten 
Helden, wie die Namen eines Menelaus, Agamemnon, Tydides, 
Sthenelus, Antilochus, Aiax und Ulixes bezeugen. Gleichwohl 
vermissen alle die Anwesenheit des Achilles, dessen kriegerische 
Ausbildung durch den Centaur Chiron ganz Griechenland mit 
stolzer Hoffnung erfüllt hat. Auch erinnert man sich, dass 
Achilles im Styx gebadet worden ist — I.V. 480 u. ff. Achilles 
allein ist dem Hektor gewachsen. Er allein wird das Schicksal 
Trojas entscheiden können — I. VV. 467—81. Keiner der 
Griechen aber weiss, wo Achilles sich augenblicklich befindet. 
Daher fordert der kampfeslustige Protesilaus den Seher Calchas 
auf, die Götter um Aufschluss über Achilles zu bitten — I. 
V. 493 u. ff. Calchas bezeichnet — I. V. 532 — Lycomedis 
. . . tellus als den gegenwärtigen Aufenthaltsort des Achilles. 
Ulixes übernimmt die Abholung des Jünglings — I. V. 538 u. ff. 

B9 ) s. Cholevius (S. 137, ff.) und Dunger (8. 46, ff; 62, ff.). 



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77 



2- Der trojanische Krieg Konrads von Würzbnr* 
Die erste Feldschlacht vor Troia ist i n 

.*ö<* u. ff, Ubereinstimmend mit B erzählt TT A aoo a- 

■Um Irilp J Nach lagern Überlegen, wer dieser Held sein 

ÄSSEj^rT* ^ Ach " leS > durch dess - Heldenkraft 
er Weissagung zufolge Troja fallen soll — bis V 27127 

5 »JZZSF'c d - Achilles unbekannt 

bcfrair ÜK 7 C ^ ChaS anf allseili gen Wunsch die Götter 
rS ' l , 0l, I das We tere vergleiche man Statins, nur ist 
bemerken, dass K. V. 27372 Tjros für Scyrus schreibt. 
3- Das me . Gedicht Seege oder Batayle of Troye. 

des vierten'* lf ^ Herb I eiho1 «^ *» Achilles erst zu Anfang 

fol JnT w T eSJ8 ^ reS ° der wabrend des der dritten Schlacht 

unf Patlf Tl! IIStandeS - DCT T ° d der HeIden Praths 

zu B V IOqU be,e,tS gemeIdet WOrden > und wir seb °° ™ 
der .„»fc 109 , 42 7 eisetzt - Dort endigt die Rede Agamemnons, 

Helte Z a a v„ daS ? el f ° lgender Sehlachten die Vernichtung 
fekln et \. a t d6n ebenb ^eeu Gegner Hektors be 
?Ä J a Das Weitere hierüber befindet sich im ersten 
di« P ] * Abhandlul >g- I°> me. Gedichte musste natürlich 
M6 Kede Agamemnons, bez. des Menelaus - H. V. 991 u. ff _ 

lZ2t "Z"" ausfalIen ' da ia bis dabin Acbil1 « 8 »ieht 
kZft l W °! ^ e " Wan Der Köni S e "nal">t die Griechen, 
aunttighin die Vernichtung Hektars anzustreben. Drauf ent- 
gegnet Palamedes — sir Palmydes: H. V. 1000 - dass nur 
m bterblicher werde Hektar überwinden können. Dieser sei 
cniiles Solches und vieles Andere will Palamedes in den Sternen 
gelesen haben, und er nennt als gegenwärtigen Aufenthaltsort 

"") s. o. S. 40 u. ff. 

> 



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78 



des Achilles den Hof des Königs Lycomedes — H. V. 1043: 
Sir Likamedes — von Parpaty: Parpachi H. V. 1039 u. 
V. 1056. Dorthin schickt Menelaus Gesandte, weiche den 
hoffnungsvollen Jüngling herbeiholen sollen — H. V. 1054 u. ff. 

Diejenigen nun, welche behaupten, dass Konrad und der 
me. Dichter die Einfügung der Achillesepisode ganz selbständig 
unternommen haben, fragen wir: Warum lässt Konrad ab- 
weichend von der Darstellung des Statius die griechische Ge- 
sandtschaft nicht schon von Aulis aus nach Scyrus abgehen? 
Hat doch Statius die Herbeiholung des jugendlichen Helden 
ganz gut begründet! Warum müssen — nach Konrad — die 
Griechen erst nach einer grossen Niederlage an Achilles er- 
innert werden? In derselben Schlacht fallt sogar Protesilaus, 
derselbe, der nach Statius darauf dringt, dass Calchas den 
Aufenthaltsort des Achilles bekannt macht. Der me. Dichter 
weiss von Aulis überhaupt nichts. In dem Bestreben, sowohl 
Hektor in einem glänzenderen Lichte erscheinen zu lassen, in- 
dem derselbe drei Jahre lang vollständig die Situation be- 
herrscht, als auch den Ruhm des Achilles zu erhöhen, indem 
die Ankunft des Achilles dem Tode Hektors möglichst nahe 
gerückt wird, setzt er — der me. Dichter — die Herbeiholung 
des Achilles in den der dritten Schlacht folgenden Waffenstille- 
stand. Patroclus ist längst eine Leiche, als Achilles im 
griechischen Lager sich einstellt. Obgleich nun die Herbei- 
holung des Achilles in weit spätere Zeit verlegt ist , als es im 
mhd. Gedichte der Fall ist, so wird doch in beiden Gedichten 
dasselbe Ereignis durch denselben Umstand herbeigeführt, und 
zwar durch den unglücklichen Kampf der Griechen gegen die 
Troer. Diese Erscheinung lässt sich nur aus der Quellengemein- 
schaft des me. und mhd. Gedichtes erklären. Wir nehmen daher 
an, dass sich die Achillesepisode bereits in der dem me. und dem 
mhd. Dichter vorliegenden Fassung des Trojaromans von B. vor- 
fand. Ehe wir die weiteren Beweisgründe für die vorstehende 
Behauptung beibringen , versuchen wir zu erörtern , an welcher 
Stelle des ursprünglichen Roman de Troie von B. die Achilles- 
episode eingefügt war, und wie weit sich die Rückwirkung 
derselben fühlbar machte. 

Da des Achilles Klage um Patroclus bei K. V. 38792 
u. ff. Anschluss an B.'s Darstellung aufweist, und da Achilles 
von seinem Freunde bei der Ankunft im Lager — K. V. 29512 
u. ff. — herzlich empfangen wird , so steht ausser allem Zwei- 
fel, dass in der von uns angenommenen erweiternden Bearbei- 
tung des Trojaromans von B. die Achillesepisode dem Tode 
des Patroclus voranging. Sie folgte dem Tode des Protesilaus, 
wie es sowohl im me. als auch im mhd. Gedichte der Fall ist. 
Die Schilderung der ersten Schlacht, in der Protesilaus fallt, 



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79 



chhesst mit B. V. 7561. An dieser Stelle erfolgte jedenfalls 
die Interpolahon Zugleich machte sie einige Inderingen Z 
Vorangehenden des Originals des Trojaromans von B. not- 

B V MM * dGS Achilles im Schiffskataloge 

«Ja • 7" "~ und in der Beschreibung der hervor- 
ragenden griechischen Helden gestrichen werden. Die Be- 
fragung des Orakels zu Delphi, welche nach B. V 5784 
und Dares, XIV, Achilles unternimmt, musste einem Andern 

übertragen werden. Im me. Gedichte — H V 768 ist 

ühxes für Achilles eingestellt worden. Konrad hat die Be- 
fragung des Orakels überhaupt fortgelassen, bietet uns aber 
zum Ersatz die wunderbare Erzählung aus Ovids Metam. XII«*) 
von der Schlange und den neun Vögeln - K. V. 24162 u. ff 
Ferner bedingte die Achillesepisode das Fortlassen des Berich- 
tes über den von Achilles und Telephus nach Mysien unter- 
nommenen Feldzug - B. VV. 6497-635. 

Wie wir oben dargelegt haben, begründen der me. und 
aer mhd. Dichter gemeinsam die Herbeiholung des Achilles 
durch die anfangs unglücklichen Kämpfe der Griechen gegen 
die Iroer, während Statius die Gesandten nach Scyrus ab- 
gehen lasst, ehe die Belagerungskämpfe begonnen haben. Wir 
naben dieses Zusammengehen Konrads mit dem me. Dichter 
as ersten Grund unserer Behauptung geltend gemacht, wonach 
me Achillesepisode bereits in der von jenen beiden Dichtern 
benutzten Fassung des Trojaromans von B. vorhanden gewesen 
sein soll. Wir können unsre Ansicht durch weitere Beweis- 
grunde stützen. 

Nach Statius — I. V. 474 u. ff. - hat die vortreffliche, 
kriegerische Ausbildung des Achilles unter dem Centaur Chiron 
alle Griechen mit der Überzeugung erfüllt, dass Achilles der 
ebenbürtige Gegner Hektors sein werde. Zugleich erinnert 
man sich, dass Thetis einst den Sohn im Styx badete. Darum 
verlangen alle die Herbeiholung des hoffnungsvollen Jünglings. 
Wach K. stellen die Griechen dieselbe Forderung auf Grund 
der Weissagung des Proteus, der zufolge Troja durch die 
Heldenkraft des Achilles fallen soll — K. V. 27122 u. ff. 
Der Palamedes — Palmydes — des me. Gedichtes hat in den 
Sternen gelesen, dass Achilles den Hektor töten werde — 

H. V. 1009 u. ff. Statius sagt nur — 

I. V. 474: Nomen Achillis amant, et in Hectora solus Achilles 

Poscitur. Hlum unum TeucrisPriamoqueloquuntur — Fatalem 
und erwähnt dann die Erziehung des Achilles bei Chiron. 
Nach Statius halten somit die Griechen den Achilles ob seiner 
Tüchtigkeit für den Sieger über Hektor. Der Darstellung des 

61 ) s. Bartsch, Albrecht von Halberstadt CVIII; Dünger S. 54. 



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80 



me. und des mhd. Gedichtes zufolge ist Achilles zugleich durchs 
Schicksal zum Sieger über Hektor bestimmt. Doch allen Griechen 
ist der gegenwärtige Aufenthaltsort des Achilles unbekannt ; 



von siner muoter waere 
verborgen bi den jären. 

Iiier zeigen die beiden mittelalterlichen Gedichte mehr 
Verwandtschaft zu einander, als zur Achilleis des Statius — 
L V. 499. Protesilaus ruft dem Calchas zu: 

Cernis, nt ignotum ctincti stupeantque petantque ^Eaciden? 

Der Palamedes — Palmydcs — des me. Gedichtes er- 
zählt — H. V. 1017 u. ff. — den Griechen das Wichtigste 
über die Vergangenheit des Achilles, Er macht irrtümlicher 
Weise den Peleus zum Centaur, verwechelt ihn also mit Chiron. 
Schon der Säugling Achilles kündigte einen zukünftigen Hel- 
den an. Darum badete ihn die besorgte Mutter in Zauber- 
wasser — water of enchauntement : H. V. 1026 — welches 
ihn unverwundbar machte bis auf die Fusssohlen. Diese 
blieben infolge des Umstandes, dass die stützende Hand der 
Mutter ihre Berührung mit dem Zauberwasser verhinderte, die 
einzig verwundbare Stelle am Körper des Achilles. Der me. 
Dichter unterlässt es nicht, schon hier auf diesen verhängnis- 
vollen Punkt besonders aufmerksam zu machen — H. V. 1031. 
In der Hs. L. lesen wir ferner, dass Achilles bereits als sieben- 
jähriger Knabe hervorragende geistige und körperliche Fähig- 
keiten besass, dass er unter der Leitung seines Vaters weit 
hinaus schwamm ins Meer, Löwen und Wölfe bändigte — 
L. V. 1171 u. ff. Hier ist also dem Peleus die Rolle Chirons 
weiter belassen. Der Hs. H. fehlen diese Mitteilungen über 
den Aufenthalt des Achilles bei Chiron. Als Thetis — Dame 
Tytes: H. V. 1033 — in den Sternen gelesen hatte, dass 
ihr Sohn vor Troja den Heldentod sterben sollte, legte sie 
ihm Frauenkleider an und brachte ihn an den Hof des Königs 
Lycomedes — Likamedes: H. V. 1043; Lycamydes: L. V. 1193 
— im Lande Parpaty,— chy : H. V. 1039 u. 1056; Parchy: 
L. V. 1189; Die Pseudo-Schwester des Achilles wurde als- 
bald die Herzensfreundin der schönen Deidamia, der Tochter 
des Lycomedes. Dieser schlüpfrigen Anekdote widmet der me. 
Dichter nur drei Verse — 

H. V. 1051 : Soo long was Achylles in her boure 
With the Maydens of anowre 
The kyngis doughter with chylde was. 



K. V. 27130: 
iedoch enwas niemanne knnt 
wä der vil tugentbaere 



H. V. 1013: 
But how A. was ibore 
It is nouht knowyn eueri where. 



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81 



während sie Koiirad — V. 14644 — V. 17321 — mit sicht- 
lichem Behagen zu einem kleinen Roman erweitert hat. 

Konrad hat die Jugendgeschichte des Achilles weder an 
der Stelle eingefügt, wo sie der me. Dichter mitteilt, noch sie, 
wie dieser, im Znsammenhange gegeben. Den ersten Teil 
derselben, welcher hauptsächlich den Aufenthalt des Achilles 
bei Chiron zum Gegenstande hat, schliesst K. — V. 5768 u. ff. 
— an die Beschreibung der Hochzeit des Peleus und der 
Thetis an. Der zweite Teil der Episode berichtet über die 
Entführung des Achilles von Chiron zu Lycomedes auf Scyrus 
und über die Erlebnisse des Jünglings daselbst und folgt bei 
K. — V. 13398 u. ff. — der Mitteilung vom Wiederaufbaue 
Trojas. Nach K. V. 13602 u. ff. erbittet sich Thetis ihren 
Sohn unter dem Vorwande von Chiron zurück, dass sie ihn, 
Achilles, durch baden in einem wundertätigen Brunnen unver- 
wundbar machen wolle. Dieses Bad erfolgt aber nach Statius 
weit früher und zwar, ehe Achilles dem Chiron übergeben 
wird. Nach Stat. Achilleis I. V. 133 u. ff. stellt Thetis dem 
Chiron Achilles mit den Worten vor: 

. . . saepe ipsa, nefas! snb inania natum 
Tartara et ad Stygios Herum fero mergere fontes. 
Als Thetis zurückkehrt zu Chiron, um Achilles zu ent- 
führen, spricht sie diesem gegenüber vom Bade im Styx als 
von etwas längst geschehenem — Stat. Achill. I. V. 268, ff. : 
. . . si terras humilemque experta maritum 
Te propter, si progenitum Stygos amne severo 
Armavi — totumque utinam! — cape tnta parumper 
Tegmina, nil nocitura animo. 

Die tuta tegmina sind die Frauenkleider, welche Achilles 
jetzt anlegen soll. Bei Konrad erfahren wir nicht, ob das 
Bad wirklich erfolgt ist. Entscheiden wir uns für die positive 
Annahme, so bemerken wir bei Konrad als auch beim me. 
Dichter eine im Hinblick auf die Darstellung des Statius um- 
gekehrte Reihenfolge der Thatsachen. Dieser Umstand liefert 
wiederum einen Beweisgrund für unsere Behauptung, dass die 
Achillesepisode bereits in der vom me. und dem mhd. Dichter 
benutzten Fassung des altfranzösischen Trojaromans vorhanden 
gewesen ist. Es ist schon darauf hingewiesen worden, dass 
der me. Dichter Chiron mit Peleus verschmolzen hat. Greif 
nimmt daher an , dass der me. Dichter die Achilleis des Statius 
bei der Abfassung seines Gedichtes nicht zur Hand gehabt, 
sondern sie nur aus dem Gedächtnisse verwertet habe. Da 
also die Achilleis dem me. Dichter nicht vorlag, jene Ver- 
schmelzung aber in beiden Hss. wahrzunehmen ist, so war sie 
jedenfalls auch im me. Original vorhanden. Wir erklären 
dies in folgender Weise: 



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82 



Wir haben im Verlaufe unserer Abhandlung Öfter gesehen, 
dass es der rae. Dichter mit den Namen der Helden und den 
ihnen zukommenden Rollen nicht genau nimmt, dass er be- 
sonders kein Freund von vielen Namen ist. Nun war viel- 
leicht in der Achillesepisode der ihm vorliegenden Hs. des 
altfranzösischen Trojaromans nächst den Eltern des Achilles 
der Ausbildung desselben durch den Centaur Chiron nur in 
Kürze gedacht. Daher Hess der me. Dichter die Person des 
Chiron einfach fort, übertrug aber dessen Eigenschaften auf 
Peleus. Weiterhin unterdrückte er jegliche Mitteilung über 
die Erziehung des Achilles bei Chiron, behielt dagegen den 
Bericht über das Bad im Styx bei. Letzterer wird somit in 
der vermuteten französischen Vorlage auch der Beschreibung 
der Erziehungsmethode Chirons gefolgt sein. Wenn wir in 
der Hs. L. des me. Gedichtes Einiges über die Ausbildung 
des Achilles an ursprünglich richtiger Stelle — L. V. 1171 ff. 
— vorfinden, so verdanken wir dies dem Schreiber, nicht 
dem Dichter. 

Obgleich bei Konrad die Mitteilung vom Bade im Styx 
nur in Gestalt eines Vorwandes erscheint, so ist sie doch in 
derselben Weise eingeleitet wie im me. Gedichte — 
K. V. 13602: H. V. 1023: 

sit daz Achilles hat gewant ffor . . . 

ze strite sin gemüete gar: that he shull be stronge in bataylle 

so wolle sie, Thetis, „mit She baj>ed him verament 

Arzenie" ihn unverwunbar machen; Of water of enchauntement. 
sie kenne einen Brunnen — 

K. V. 13635: ob er dar inne wirt gebadet — daz im kein wäfen 

denne schadet. 

Der me. Dichter sagt, dass durch jenes Bad die Haut 
des Achilles hart wie die eines Walfisches wurde — 
H. V. 1029 : Save the soles of bis fete 

There his moders handes sett 
And Sythen he was slayne {>ere. 
Nach Stat. Achill. I. V. 480 u. f. erhielt sie die Härte 
des Eisens: 

Quemve alinm Stygios tulerit secreta per amnes 
Nereis et pulchros ferro praestrinxerit artus? 

Dass von dieser Vergünstigung die Fusssohlen ausgeschlossen 
blieben, erwähnen weder Statius noch K. Letzterer musste 
schon deshalb darüber schweigen, weil er das Bad als Vorwand, 
nicht als Thatsache betrachtete. Welcher antiken Quelle der 
Interpolator des altfranzösischen Trojaromans jene Bemerkung 
entnommen hat, lässt sich nicht mit Bestimmtheit angeben. 



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83 



Doch ist die teilweise Unverwundbarkeit eines Helden ein im 
Mittelalter sehr beliebtes poetisches Motiv. Dasselbe wirkte 
umgestaltend auf B.'s Bericht über den Tod des Achilles, wie 
im ersten Teile der Abhandlung — s. S. 54 — gezeigt 
worden ist. 

Ferner ist die Einleitung zum Berichte über die Entfuhrung 
des Achilles nach Scyrus im me. und im mhd. Gedichte dieselbe. 
Konrad — V. 13402 u. ff. — erzählt, dass sich Thetis bei 
der Kunde vom Wiederaufbaue Trojas an die Weissagung des 
Proteus erinnert, wonach Achilles vor Troja fallen soll. Dasselbe 
liest nach dem me. Dichter — H. V. 1033 u. ff. — Thetis in 
den Sternen. Sie beschliesst deshalb, ihren Sohn zu verbergen — 

K. V. 13412: H. V. 1033: 

daz er ze Troye würde erslagen . . . Tytes 
daz hete man ir vor geseit: Loked vppon J>e furmament . . . 

da von si trüren und leit And sauwe J>eryn with outyn fayle 

slöz aber in ir herze dö. He xall be slayn in Troye batale. 

K. V. 13440: 

ich sol behüeten und bewarn His moder therfore was füll woo 
daz er niht kom ze strite 

vür Troye in siner zite And J)0ught it shuld not be soo 

und er dä werde niht erslagen. She sent Mm in to Parpaty 

In Maydens wede sekerly. 
K. V. 13940 u. ff.: Entschluss der Thetis, Achilles nach Scyrus 

zu bringen; 

„ „ 14059 „ „: Ankunft in Scyrus; 

„ „ 14902 „ „ : Achilles als Mädchen verkleidet. 

Statius sagt nicht ausdrücklich, dass Thetis infolge der 
Weissagung des Proteus auf den Gedanken kommt, Achilles 
den Augen der Griechen zu entrücken. Er erzählt — Achill. 
I. V. 194 — dass die glänzenden Erfolge der chironischen 
Erziehung die Thetis veranlassen, den Sohn zn verbergen — 
Achill. I. V. 198: At Thetis undisonis per noctem in rupibus adstans, 
Quae nato secreta velit, quibus abdere terris 
Destinet, huc illuc diversa mente volutat. 
Jenes Zusammengehen des me. mit dem mhd. Dichter 
erklärt sich wiederum nur durch unsre Annahme, dass ihnen 
eine erweiternde Bearbeitung des Trojaromans von B. vor- 
gelegen hat. 

Mit H. V. 1053 haben wir uns die Rede des Palamedes — 
Palmydes — geschlossen zu denken. Menelaus schickt Gesandte 
zu Lycomedes , der sie freundlich bewirtet. Die Speisekarte — 
H. W. 1066 — 70 — bietet grosse Auswahl. Eine starkbe- 
setzte Tafelmusik sorgt gleichzeitig für die geistige Er- 
frischung — 



84 



H. V. 1074: Diuerse melodye for to shewe 

Of trumpis tabours and nakeres 
H. V. 1076: Pypers sarsynners and symbaleris. 
K. — V. 28204 u. f. — sagt bei derselben Gelegenheit: 

man horte lüten under in — tambüren schellen phifen. 
Dem Festessen folgt Tanz. Die Königstochter Deidamia 
eröffnet den Reigen. Ihr Partner ist Achilles im Frauenge- 
wande. Er verrät sich aber den griechischen Gesandten durch 
seine breite und hohe Gestalt. Hier bemerken wir wiederum ein 
Zusammengehen des me. mit dem mhd. Dichter — 
K. V. 27752: H. V. 1082: 

sin starker lip Achelles was long and gretewith all 

der schoene was und üfreht. Brode brest and stought vysage 

nü daz den vranne dicken kneht All J>e knyghtis J>at |)ere was 
die boten heten an gesehen Behelden enermore on Achelles 

und si begunden bede spehen And inwardly be hylden hün 
daz er unvröuweclichen tete. And seyd it was neuer woman 

So large . . . 

Ulixes zu Diomedes — 

E. Y. 27766: si müge wol sin Achilles. 
Bei Statins findet sich nichts Entsprechendes. 

Als sich die griechischen Gesandten zur Ruhe begeben, 
beschliessen sie, ihrer Vermutung durch eine List Gewissheit 
zu verschaffen — H. V. 1092 u. ff. Zu diesem Zwecke wollen 
sie den Töchtern des Lycomedes und ihren Gespielinnen, unter 
denen sich ja Achilles befindet, Geschenke, „Broschen und 
Ringe", zugleich aber eine Ritterrüstung vorlegen, indem sie 
überzeugt sind, dass Achilles nach derselben greifen werde. 
Der nächste Tag verläuft ähnlich dem ersten. Als die Jung- 
frauen nach dem Tanze die Geschenke vor sich ausgebreitet 
finden, erwählt sich Achilles sogleich die Ritterrüstung, legt 
dieselbe an und erklärt trotzig dem Könige Lycomedes, dass 
er kein Weib, sondern der starke Achilles sei. Gott möge 
ihn strafen, wenn er länger hier tanze. Vor Troja wolle er 
kämpfen, Zuvor verlange er zum Ritter geschlagen zu werden. 

Aus dem ersten Teil dieser Rede geht hervor, dass Achilles, 
den doch die Natur vor allem zum kriegerischen Berufe be- 
fähigt hat, Reue über sein müssiges, weibisches Leben am Hofe 
des Lycomedes empfindet. Dieser Gedanke ist bei Statius nicht 
zum Ausdrucke gebracht — Achill. II. V. 178 ff. 
At fems jEacides . . . 
. . . conspicit hastam; 
Infremuit torsitque genas et fronte reücta 
Surrexere comae; nnsqnam mandata parentis, 
Nusquam occultus amor, totoque in pectore Troia est. 



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Dagegen finden wir der me. Darstellung Entsprechendes 
bei Konrad, V. 28356 u. ff: 

H. V. Uli: 

halsperge, lanzen unde swert Achilles beheld aryght 

heim unde liehte schilte The fayre armur J)at was so bryght 

besach der knappe milte H. V. 1117: 

mit flizeclichen ougen And to J>e kyng he seyd thenne 

K. V. 28376: 
gedähte in sinem muote des: 

bin ich der küene Achilles Wenyst J)Ow sir I were woman 

den Schyron erzogen hät I am Achilles soo mote I the 

wes trage ich denne wibes wät? Strenger thanne ony of f>y men. 

Die Ansprache des Ulixes an Achilles — K. V. 28409 
u. ff. — hat der me. Dichter fortgelassen, desgleichen die 
Ausführung der oben verzeichneten Worte des Statius — 
K. V. 28483 u. ff. Den Hornisten Agyrtes kennt er eben- 
falls nicht — Stat. Achill. II. V. 201 ; K. V. 28470 u. ff., 
so dass das Sehen und Anlegen der Rüstung unmittelbar auf 
einander folgen. Dass Achilles seinem Wunsche gemäss von 
Lycomedes zum Ritter geschlagen wurde, erwähnt K. nicht — 
H. V. 1127 u. ff. Die Deidamia hat der me. Dichter wieder 
vergessen, und er meldet sogleich — H. V. 1134 — die 
Ankunft des Achilles im Lager der Griechen , wo das Ereignis 
allgemeine Freude hervorruft — 

K. V. 29482: 
sus kamen si dö sä zehant 
ze Troie in sneller ile 
K. V. 29490: 

daz dühte ein wunnebserez dinc H. Y. 1133: 

der Kriechen her geliche The Grekys were glad euerichon 

si wurden vröuden riche 

und hohes muotes alle. Whanne he was to Troye come. 

Achilles wird herzlich begrüsst — von Menelaus — 

K. V. 29496: H. V. 1138: 

ahy, wie manic willekume Achilles . . . 

des mäles im engegen flouc. Thow art hertely welcome to me. 

Die Begrüssung des Achilles durch Menelaus hat K. nicht 
ausdrücklich erwähnt. Dafür gedenkt er der Freundschaft 
zwischen Achilles und Patroclus. Wir haben bereits darauf 
hingewiesen, dass der me. Dichter hinsichtlich des Ortes der 
Einfügung der Achillesepisode von der Darstellung der alt- 
französischen Vorlage, der K. gefolgt zu sein scheint, ab- 
gewichen ist, s. S. 77 u. ff. Doch stimmen der me. und 
der mhd. Dichter darin überein, dass mit der Ankunft des 



86 



Achilles der Waffenstillestand ein Ende nimmt. H. V. 1155 
u. ff. K. V. 29643 u. ff. 

Schon in der Einleitung haben wir daran erinnert, dass 
Malkaraume, der Schreiber der Hs. G des Trojaromans von 
B., nach V. 22519 des Originals 29 Verse interpoliert und 
die List des Ulixes am Hofe des Lycomedes irrtümlicher Weise 
mit Neoptolemns oder Pyrrhus, dem Sohne des Achilles, in 
Verbindung gebracht hat. Diese Interpolation zeigt übrigens 
nicht die geringste Verwandtschaft mit der Darstellung unserer 
beiden Gedichte. Dies ist ein zweiter Grund 02 ) für unsre 
Behauptung, dass die Hs. G des Trojaromans von B. nicht 
die gesuchte Quelle sein kann. Das Gesamtergebnis unserer 
UntersuchuDg ist somit folgendes: Die gemeinschaftliche 
Quelle für das me. Gedicht Seege oder Batayle of 
Troye und für das mhd. Gedicht vom trojanischen 
Kriege des Konrad von Würzburg war eine erweiternde 
Bearbeitung des Roman de Troie des BönoH de Ste.- 
More. Da eine solche bis jetzt nicht aufgefunden wor- 
den ist, so werden wir im Folgenden auf Grund unsrer Unter- 
suchung ein übersichtliches Bild von der Gestalt der vermuteten 
Fassung des Trojaromans von B. zu entwerfen versuchen. 

1) Die Einleitung B.'s — VV. 1 — 702 ist bedeutend ge- 
kürzt. Jedenfalls fehlt die Inhaltsangabe — W. 141—702, 
vielleicht auch die Bemerkung über Homer — VV. 45 — 70. 6S ) 

2) Während B. die Söhne des Priamus in der Reihenfolge : 
Hector — B. V. 2921 — Paris — V. 2925 — Troylus — 
2931 — aufführt, setzt der Interpolator Paris zuletzt, um im 
Anschluss an diesen Namen den Traum der Hecuba und die 
Jugend geschieh te des Paris zu erzählen: s. o. SS. 4, 6, 18, 74 u. ff. 

3) B.'s Bericht über die Verhandlungen des Priamus mit 
den Trojanern und den Griechen behufs Befreiung seiner 
Schwester aus der Gefangenschaft erfahrt eine kürzende Um- 
gestaltung — B. VV. 3195— 532: s. o. SS. 6, 19, 20, 63 u. ff. 

4) Die Darstellung des Apfelstreites der drei Göttinnen 
wird erweitert B. V. 3860 u. ff.: s. o. SS. 22—25, 70 u. ff. 

5) Indem B.'s Bericht über die Begegnung des Menelaus 
mit Paris auf dem Meere — B. VV. 4203—20 — fortgelassen 
wird, ist Menelaus für die Dauer — ob für die ganze, lässt 
sich nicht bestimmen — des Aufenthaltes des Paris in Cythera 
anwesend: s. o. SS. 25, 27, 28, 67 u. f. 

6) Paris täuscht die Griechen über den Ausgangspunkt 
und Zweck seiner Reise, während er nach B. — VV. 4283—98 
— die Wahrheit spricht: s. o. S. 68 u. f. 

02 ) s. o. S. 76. 

63 ) Vergl. auch Cl. Fischer, der altfrz. Roman de Troie etc., 
D. D., Münster, Paderborn 1883. 



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7) Infolge der Rückwirkung der Achillesepisode ver- 
schwindet der Name des Achilles aus dem Verzeichnisse der 
griechischen Helden: B. V. 5137, ff. u. V. 5645, ff. Die 
dem Achilles von B. zugedachten Eigenschaften werden auf 
Ulixes übertragen. Dieser geht auch an Stelle des Achilles 
nach Delphi: B. V. 5784, ff. Der Bericht über den Feld- 
zug des Achilles nach Mysien fällt fort: B. VV. 6496—635, s. 
o. SS. 6, 31 u. ff., 78 u. f. 

8) Der Schilderung der ersten Schlacht vor Troia folgte 
die Achillesepisode — nach B. V. 7561 — s. o. S. 78 u. ff. 

9) Letztere wirkt teils erweiternd, teils umgestaltend auf 
die Erzählung von den letzten Schicksalen des Helden — B. 
VV. 21668—22243; s. o. SS. 54, 80, 82, 83. 

10) Die vermutete Fassung des altfranzösischen Troja- 
romans schliesst höchstwahrscheinlich mit dem Berichte über 
den Tod der Polyxena und Hecuba: B.V. 26484. 

Weiteres kann über das der Achillesepisode Folgende nicht 
behauptet werden. Denn K.'s Gedicht bricht bereits mit B.'s 
Gemälde der dritten Schlacht — B. V. 10968 — ab, während 
der me. Dichter die drei ersten Schlachten und Ereignisse aus 
der vierten der Ankunft des Achilles vorangehen lässt. Auffällig 
aber ist, dass wir von B.'s Gemälden der 5., 6. und 7. Schlacht 
keinen Strich im me. Gedichte vorfinden: B. VV. 11875—14552, 
s. o. S. 42. 

Alle übrigen Abweichungen des me. und des mhd. Gedichtes 
von der Darstellung B.'s, welche unter den obigen zehn Punkten 
nicht erwähnt worden sind, können auf die Rechnung des be- 
treffenden Verfassers gesetzt werden. Der me. Dichter ist keines- 
wegs originell, sondern reproduktiv. Aber sein Anschluss an 
die altfranzösische Vorlage ist zum grossen Teil frei und unge- 
zwungen. Nirgends wird derselbe zur sklavischen Nachahmung. 
Der me. Dichter hat aus der reichhaltigen Quelle mit grossem 
Geschicke geschöpft. Nur in wenigen Fällen hat er die Historia 
des Dares zu Rate gezogen. Das Streben nach möglichster 
Kürze hat ihn oft bewogen, die Darstellung der französischen 
Vorlage zu ändern. Ein ungleich grösserer Dichter ist natürlich 
Konrad von Würzburg. Er bildet den Gegensatz zu seinem 
me. Kollegen. Er hat nicht nur die Absicht, sondern auch 
die dichterische Befähigung und die erforderliche litterarische 
Bildung, um die Darstellung seiner französischen Vorlage mit 
Neuem zu bereichern. Schon die Anlage seines Gedichtes 
zeigt ein hohes Mass von Selbständigkeit. Gleich am Ein- 
gange macht uns K. — W. 325—6483 — mit den hervor- 
ragendsten Helden seiner Dichtung bekannt und lässt unsern 
Blick schweifen in weite Ferne. Denn er berichtet über den 
Traum der Hecuba, die Jugenderlebnisse des Paris, die Hochzeit 



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des Peleus mit der Thetis. Zu diesem Feste kommt auch Hektor 
mit seinen Eltern, wird Paris herbeigeholt, um den Apfelstreit 
der drei Göttinnen zu schlichten. Weiterhin erfahren wir über 
die Weissagung des Proteus vom tragischen Ende des Achilles, 
über die Erziehung desselben durch den Centaur Chiron. Erst 
mit K. V. 6484 beginnt der Anschluss an die Darstellung der 
französischen Vorlage. Er hält an bis K. V. 13397. Der 
Dichter aber will nicht nur den Krieg, sondern auch die Liebe 
besingen. So erzählt er — K. W. 13398—17340 — von der 
Übersiedelung des Achilles nach Scyrus und von der Liebe 
•desselben zur Königstochter Deidamia. Mit V. 17341 kommt K. 
auf die Darstellung der französischen Vorlage zurück und folgt 
ihr mit grosser Freiheit bis V. 20366, wo der ersten Begegnung 
des Paris mit Helena im Tempel von Cythera gedacht wird. 
Der Rest der Entführungsgeschichte der Helena — bis K. V. 
22518 — ist eine selbständige Schöpfung K.'s auf Grund der 
Her. XVI und XVII Ovids. 64 ) Mit V. 22519 nimmt K. den 
Anschluss an die Darstellung der französischen Vorlage wieder 
auf und folgt derselben im Allgemeinen bis V. 26918. Doch ge- 
stattet er sich bsdeutende Abweichungen. So ersetzt er z. B. den 
Bericht B.'s über die Befragung des delphischen Orakels durch 
die ovidische Sage von der Schlange und den neun Vögeln. 61 ) 
Unsrer Annahme zufolge fand K. in der ihm vorliegenden Hs. 
des Trojaromans von B. die Achillesepisode nach dem Berichte 
über die erste Schlacht — nach B. V. 7561 — bereits vor. 
Die Hälfte dieser Episode hat aber K. vorweg genommen, 
so dass er jetzt nur noch von der Herbeiholung des Achilles 
durch Ulixe8 und Diomedes zu erzählen hat — bis V. 29695. 
K. hat die Lebensgeschichte des Achilles mit grossem Geschick 
in seinen Roman eingeflochten. Gleich einem goldnen Faden 
durchzieht sie das Ganze. Die französische Fassung derselben 
genügte K. nicht. Deshalb sah er die Achilleis des Statius 
selbst ein und folgte ihr mit inniger Treue. 59 ) K.'s Schilderung 
der der Ankunft des Achilles folgenden Kämpfe — bis V. 40424 
— entspricht in den Hauptsachen B.'s VV. 8293—10997. — 
Der Fortsetzer des konradischen Gedichtes kann unser Interesse 
nicht beanspruchen, weil er der Darstellung des Dietys und 
Dares gefolgt ist. 65 ) 



64 ) s. Cholevius, S. 140; Bartsch, Albrecht v. Halberstadt, S. XXVI, 
Dunger 8. 53. 

65 ) s. Dunger, S. 66. 



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Berichtigungen. 

Man lese jusqu' : S. 4* nule rien , S. 10; grant honte : S. 11; 
alions, seurs: S. 12j sageS: S. 16; destruite: S. 17; 
molt ert: S. 31^ u., est r.: S. 40. 
Man streiche e in sie: S. 12j t in oit, nasquit, fendit: SS. 13^ 

26, 46, ein 1 in mollt, nulle: SS. 21, M. 
Man vergleiche L. V. 620 anstatt 621: S. 2j 
H, V. 1703 „ 1701 S. 3j 
B. VV. 2869, 3739, 7117, 16105 anstatt 

2879, 3798, 1717, 26105: SS. 17, 
21, 36, 4& 



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Vita. 



Ich, Emil Theodor Granz, wurde geboren am 7. August 1861 
zu Niederfrohna bei Chemnitz als Sohn des Gutsbesitzers 
Johann Gottlieb Granz und dessen Ehefrau Amalie Auguste 
Granz geb. Friedemann. Bis zu meiner Ostern 1875 erfolgten 
Konfirmation besuchte ich die Volksschule meiner Heimat, 
trat hierauf in die Quarta der Realschule I. 0. zu Borna ein 
und bestand daselbst Ostern 1881 das Maturitätsexamen. Vom 
20. April 1881 bis zum 30. Oktober 1885 war ich an der 
Universität Leipzig als Student der neuern Sprachen immatri- 
kuliert und besuchte die Vorlesungen der Herren Professoren 
und Docenten Biedermann, Birch-Hirschfeld , Crusius, Ebert, 
Hermann, Heinzc, Hofmann, Kögel, Masius, Ribbeck, Settc- 
gast, v. Strümpell, Wenck, Wolff, Wülker, Zarncke. Zu 
Michaelis 1883 bestand ich die Ergänzungsreifeprüfung am 
hiesigen Nicolai-Gymnasium. Vom 1. Oktober 1884 bis zum 
1. Oktober 1885 genügte ich meiner Militärpflicht im Königl. 
Sächs. 8. Inf.- Reg. No. 107. Im November 1885 ging ich 
behufs meiner weiteren Ausbildung in der englischen Sprache 
nach London, arbeitete längere Zeit im Britischen Museum 
und wirkte vom 1. März bis zum 23. Dezember 1886 als 
Lehrer an einer Privatschule zu Brentwood, Essex. Vom 1. 
Januar bis zum 31. Mai 1887 hielt ich mich zu Neuchätel in 
der Schweiz auf, um mich in der französischen Sprache zu 
vervollkommnen. Nach meiner Rückkehr nahm ich meine 
Studien an der Universität Leipzig wieder auf, besuchte die 
Vorlesungen des Herrn Professor Hildebrand und beteiligte 
mich an den Übungen des deutschen Seminars. 

Allen meinen verehrten Lehrern, besonders den Herren 
Professoren Wülker und Zarncke, spreche ich hiermit meinen 
innigsten Dank aus. 



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